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Wovon sollen wir im Alter wirklich leben können?

Die Angst vor Altersarmut ist ein Dauerthema, besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Über das richtige Rentenkonzept streiten Politiker sowie Experten. Welches ist zukunftsweisend?

Mit der Deutschland-Rente wollen wir die Altersarmut stoppen

Dr. Thomas Schäfer

Hessischer Finanzminister, CDU

Dr. Thomas Schäfer
  • Jeder soll in einen zentralen Rentenfonds, den Deutschlandfonds, einzahlen
  • Der Staat setzt Rahmenbedingungen, erhält aber keinen Zugang zum Fonds
  • Über die langfristige Anlage in Aktien sind auch höhere Renditen zu erwarten

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Ich bin Jahrgang 1966 – wie 1,4 Millionen andere Deutsche. Meine Tochter ist Jahrgang 2008. Sie teilt ihr Geburtsjahr nur noch mit halb so vielen, mit 700.000 anderen in Deutschland. Da bekommt der Begriff von „Halbstarken“ eine ganz andere Bedeutung, eine fatale: Denn wie sollen immer weniger Junge die Rentenbeiträge aufbringen, von denen immer mehr Alte leben wollen? Da reicht der einfache Dreisatz, um zu erkennen, dass sich etwas ändern muss.

Wer aber in der gegenwärtigen Debatte meint, dass man die beschlossene Senkung des Rentenniveaus stoppen oder gar rückgängig machen sollte, der beherrscht den Dreisatz nicht. Die Folge wären Beitragssätze von über 30 % und schlichtweg ein Verrat an unseren Kindern und Enkeln. Sie müssten hohe Beiträge zahlen, ohne selbst etwas davon zu haben – nur damit Politiker jetzt Geschenke im Wahlkampf verteilen können.

Ich möchte etwas nachhaltig ändern und schlage deshalb mit meinen hessischen Kabinettskollegen Tarek Al-Wazir und Stefan Grüttner die Deutschland-Rente vor. Wir wollen mit ihr Armut im Alter bekämpfen, den Lebensstandard vieler Menschen sichern und dafür die zusätzliche Altersvorsorge attraktiver machen.

Wie bei Riester zahlt der Staat Zulagen

Was wir brauchen, ist eine einfache, sichere und günstige Altersvorsorge für jeden: die Deutschland-Rente. Sie soll zum Selbstkostenpreis vom Deutschlandfonds, einem zentralen Rentenfonds, verwaltet werden. So ist das Geld, das Bürger für ihre Altersvorsorge beiseitelegen, vor überteuerten Angeboten sicher. Der Staat organisiert sie und steht dafür mit seinem guten Namen.

Mit der Deutschland-Rente wollen wir ein verständliches Basisprodukt schaffen, das darüber hinaus nicht überteuert ist. Denn der Deutschlandfonds hat kein eigenes Gewinninteresse. Bereits geringe Eigenbeiträge führen zu nennenswerter Vorsorge, denn der Staat zahlt wie bei Riester Zulagen.

Zudem soll die Deutschland-Rente mehr auf Aktien setzen als viele derzeitige Altersvorsorgeprodukte. Der langfristige Anlagehorizont und die starke Streuung aufgrund der Größe des Fonds verringern die Risiken erheblich und sorgen gleichzeitig für höhere Renditen. Der Staat setzt die Rahmenbedingungen, hält sich sonst aber raus. Die Politik bekommt keinen Zugriff auf den Deutschlandfonds. Er agiert eigenständig und unabhängig.

Jeder soll automatisch in den Deutschlandfonds einzahlen

Die Deutschland-Rente macht also vieles besser als bisherige Vorsorgeprodukte. Weil dennoch viele Menschen sich nicht gern mit dem Alter, mit der Vorsorge und mit Finanzprodukten befassen, brauchen wir zum Erfolg der Deutschland-Rente mehr: sanften Druck durch eine Opt-out-Klausel: Jeder Arbeitnehmer zahlt in eine zusätzliche Rentenversicherung ein, solange er sich nicht aktiv dagegen entscheidet. Damit haben auch junge Beschäftigte quasi automatisch einen frühzeitigen und einfachen Zugang zur zusätzlichen Altersvorsorge. Andere Länder erreichen so einen Verbreitungsgrad von etwa 90 Prozent.

Die Deutschland-Rente soll keine bestehenden Angebote verdrängen, sie aber sinnvoll ergänzen. Wenn private Anbieter dadurch angespornt werden, selbst günstigere und verständlichere Produkte in den Markt zu bringen, freue ich mich. Das wäre mir sehr willkommen – vor allem aber den „halbstarken“ Generationen nach uns.

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Dr. Thomas Schäfer
© HMdF
Dr. Thomas Schäfer

Hessischer Finanzminister, CDU

Dr. Thomas Schäfer (Jg. 1966) steht an der Spitze des Hessischen Ministeriums der Finanzen. Er ist verantwortlich für die Ausgestaltung der Steuer- und Haushaltspolitik sowie für das Beteiligungs-, Bau- und Immobilienmanagement des Landes. Auf Bundesebene vertritt er im Finanzausschuss des Bundesrates die hessischen Interessen. Die Arbeit des Ausschusses berührt auch europäische Finanzthemen.

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