Gute Vorsätze für 2019: Wie gelingt der Karriere-Start ins neue Jahr?

Jetzt soll es endlich soweit sein: die fällige Beförderung, ein spannenderer Job oder ein Neustart als digitaler Nomade. Aber wie sorgt man dafür, dass der Karriereturbo diesmal wirklich anspringt?

Nur wer will, kann sich verändern

Gerald Hüther

Neurobiologe und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung

Gerald Hüther
  • Gute Vorsätze scheitern, weil der Wille fehlt
  • Auch Führungskräfte müssen Veränderung wirklich wollen
  • Wer sich bemüht, kann auch abgestumpfte Mitarbeiter weiterentwickeln

23,089 responses

Für das neue Jahr fassen gerade viele Menschen gute Vorsätze und erzählen, was sie alles in ihrem Leben ändern wollen. In der Rückschau aber zeigt sich für viele: Wir haben jedes Jahr wieder etwas vor und kriegen es jedes Jahr wieder nicht hin. Das liegt daran, dass wir nicht wirklich etwas ändern wollen – denn würden wir es wollen, dann würden wir es einfach tun, anstatt darüber zu reden. Aber genau um dieses Reden geht es: Anderen von unseren guten Vorsätzen zu berichten erfüllt eine Funktion, eine Beschwichtigungs- und Zugehörigkeitsstrategie. Alle wollen aufhören zu rauchen, also nehme ich es mir nun auch vor. Da ist kein wirklicher Wille dahinter.

Das menschliche Gehirn kann sich auch im Alter noch umprogrammieren

Genauso ist es oft leider auch mit Führungskräften, die in ihren Unternehmen oder Abteilungen etwas ändern wollen – sie sprechen von Neuanfang, haben aber nicht den Mut, wirklich etwas zu verändern. Denn das erfordert oft harte Arbeit, und viel zu viele Chefs machen es sich da viel zu leicht. So werden Mitarbeiter, die in alten Denk- und Verhaltensmustern steckengeblieben sind, oft einfach als nicht mehr brauchbar für die Bewältigung von neuen Herausforderungen im Unternehmen abgestempelt. Doch die in den vergangenen Jahren gewonnenen Erkenntnisse der Hirnforscher zeigen: Das menschliche Gehirn kann sich immer wieder, bis ins hohe Alter hinein, umprogrammieren. Scheinbar festgezurrte Vernetzungsmuster, die sich durch Erfahrungen gebildet haben, können durch neue Vernetzungen überlagert werden.


Gerald Hüther ist Sprecher auf der New Work Experience, die XING am 7.März in der wohl spektakulärsten Location Deutschlands, der Hamburger Elbphilharmonie, veranstaltet. Hier gelangen Sie zum Programm und zum Online-Ticket-Verkauf.


Doch das erreichen Führungskräfte nicht, wenn sie ihre Mitarbeiter dazu zwingen oder indem sie ihnen Belohnungen versprechen oder Strafen androhen. Und auch nicht durch Trainingsprogramme, in denen sich der Mitarbeiter anstrengt oder übt – das Gehirn ist ja kein Muskel, den man trainieren könnte. Damit sich dort etwas umbaut, muss es nicht für den Chef, sondern für den Besitzer dieses Gehirns hinreichend bedeutsam sein. Es müsste ihr oder ihm also buchstäblich unter die Haut gehen.

Wie holt man änderungsresistente Mitarbeiter aus ihren Routinen heraus?

Statt diese Mitarbeiter abzuschreiben, wäre es also günstiger, sie aufzuwecken. Aber nicht durch Belehrungen oder Ermahnungen – Mitarbeiter sind lebendige Wesen, keine Objekte. Chefs müssten also etwas tun, was einem solchen abgestumpften Mitarbeiter hilft, wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Erst dann wird er neu in die Lage versetzt, herauszufinden, was er eigentlich will.

Doch genau wie bei den guten Vorsätzen gilt hier, dass man es wirklich wollen muss – und dass man bereit sein muss, wirklich Herzblut und Arbeit hineinzustecken. Wie weckt man also den Mitarbeiter auf? Das geht manchmal, indem man ihn bittet, die entscheidenden Fragen zu stellen, die ihm ganz besonders am Herzen liegen. So wird er angeregt, das zu formulieren, was er sich wünscht. Und wenn er – sehr wahrscheinlich – eine bessere Bezahlung für seine Arbeit nennt, müsste man ihn fragen, ob es das wirklich ist, ob er sich tatsächlich nichts anderes als ein größeres Einkommen wünscht oder ob es vielleicht noch etwas anderes gibt, das ihm sehr, vielleicht sogar viel mehr am Herzen liegt. Spätestens dann kommen die wichtigen Themen zur Sprache. Und so erfährt dann sogar ein normalerweise nicht allzu einfühlsamer Chef, was seinem Mitarbeiter fehlt und was diesem so wichtig ist, dass er sogar bereit wäre, sein bisheriges Verhalten grundsätzlich zu überdenken und dann auch zu ändern, sofern er dadurch der Erfüllung dieses Wunsches näher kommt.

Warum ein innerer Interessenskonflikt hilfreich sein kann

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Mitarbeiter in eine Situation zu bringen, in der er mit sich selbst in ein Dilemma gerät: Er bekommt die Chance, etwas zu tun, was er sehr gern will, aber mit seinen alten Verhaltensweisen nie hinbekommen würde. Ein Beispiel lieferte mir eine Mutter, die mein Buch „Würde“ gelesen hatte: Ihre zwei Söhne bekamen von ihr jeder ein Glas Saft. Max, der Ältere, trinkt es sofort aus. Der Jüngere, Benjamin, leert es nur zur Hälfte und stellt sein Glas zur Seite, weil er sich den Rest für später aufheben will. Es dauert nicht lange, da hat der Ältere das Glas seines Bruders leer getrunken.

Nun könnte die Mutter anfangen, mit ihm zu schimpfen oder ihn zu belehren. Aber stattdessen setzt sie sich mit diesem Sohn auf das Sofa und fragt ihn: „Max, was glaubst du, was dein Bruder von dir denkt, wenn er merkt, dass du seinen Saft getrunken hast?“ – „Er wird wohl denken, dass er mir nicht vertrauen kann“, antwortet Max. Und dann fragt die Mutter: „Willst du, dass später die Menschen alles vor dir verstecken, weil sie Angst haben, dass du es ihnen wegnimmst?“ Das ist ein Dilemma.

Der Junge steht vor der Wahl, seinen egoistischen Impulsen auch weiterhin zu folgen oder jemand zu sein, dem andere vertrauen. Max habe sich damals entschieden, sagt die Mutter, und seither habe es nie wieder ein solches Problem mit ihm gegeben. Durch eine eigene Entscheidung hat sich der Junge weiterentwickelt. Die Mutter hat ihn dabei als sehr umsichtige Führungskraft optimal unterstützt.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser! Welche beruflichen Vorsätze haben Sie für 2019 gefasst? Wie schaffen Sie es, aus Ihrer Komfortzone herauszukommen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Posted:

Gerald Hüther
© Gerald Hüther
Gerald Hüther

Neurobiologe und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung

Gerald Hüther (Jg. 1951) war bis 2016 Professor für Neurobiologe und hat u.a. die Folgen von Angst und Stress auf die Hirnentwicklung erforscht. Er arbeitet nun als Autor und hat die Akademie für Potentialentfaltung gegründet. Sie unterstützt Menschen in Firmen, Organisationen oder Kommunen beim Aufbau einer Potenzialentfaltungskultur. Das Buch dazu: „Wie Träume wahr werden“.

Show more

Get a free XING profile and read regular "Klartext" articles.

As a XING member you'll be part of a community of over 18 million business professionals in German-speaking countries alone. You'll also be provided with a free profile along with access to interesting news, jobs, groups and events.

Learn more