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Kritik an Öffentlich-Rechtlichen: Kippt die schweizer Rundfunkabgabe?

Am Sonntag entscheiden die Schweizer in einer Volksabstimmung über ihre Rundfunkabgabe. Hat die Initiative Erfolg, dürfte sie das Ende für die dortigen öffentlich-rechtlichen Sender einläuten.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk? Ja – aber nicht so!

Holger Kreymeier

Journalist, Autor und Medienunternehmer

Holger Kreymeier
  • Ein zwangserhobener Rundfunkbeitrag ist nicht mehr zeitgemäß
  • Öffentlich-rechtliche Anstalten verfehlen ihren gesellschaftlichen Auftrag
  • Ob Netflix oder Youtube: Die moderne Technik bietet faire Alternativen

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Anfang der 50er-Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland das öffentlich-rechtliche Fernsehen eingeführt. Die Politik beschloss damals, das Programm über eine allgemeine Rundfunkgebühr zu finanzieren, die jeder Haushalt, der ein Empfangsgerät besaß, zahlen musste. Anders ging es auch gar nicht, eine Art Bezahlschranke war technisch nicht möglich. Im Pressebereich war das anders. Hier war die Bezahlschranke der Kiosk. Nur wenn der Kioskbesitzer sein Geld erhält, händigt er auch die Zeitung aus. Somit entstand nie eine öffentlich-rechtliche Zeitung – und trotzdem sind journalistisch hochwertige Produkte dabei herausgekommen.

Die Flut an Unterhaltungsformaten verbraucht das große Geld

Inzwischen hat sich alles geändert. Wir sind in der digitalen Medienwelt angekommen. Fernsehen zu machen ist inzwischen billiger, als eine Zeitung zu drucken. Es gibt ein überbordendes Angebot an Unterhaltung. Netflix, Youtube oder Amazon Prime sind nur einige Beispiele im Netz. Dazu kommen die privaten Fernseh- und Radiosender. Und trotzdem brauchen ARD und ZDF jährlich über 8 Milliarden Euro, um das eigene System zu erhalten? Und jeder Haushalt soll zwangsweise und unter Androhung von Strafe dafür zahlen? Hier muss dringend eine umfassende Reform her.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Öffentlich-rechtliche Angebote sind wichtig und richtig – gerade im Bereich Bildung, Kultur und Information. Aber es sind ja nicht diese Programme, die das große Geld verbrauchen – es ist die Flut an Unterhaltung! Das Erste und das ZDF senden Daily Soaps, Kochshows, jede Menge banale Serien, überwiegend flache Unterhaltungsshows. Auch die dritten Programme, die einst als Fläche für Bildungsfernsehen und regionale Berichterstattung gegründet wurden, sind inzwischen Unterhaltungsvollprogramme mit Gameshows, Serien und anderen schrillen Inhalten geworden. Dazu kommen weitere Sender wie ZDF neo und One.

Der Spaß kostet 45 Millionen Euro im Jahr

Und seit Oktober vergangenen Jahres machen sich ARD und ZDF auch noch im Internet breit. Mit dem Contentnetzwerk Funk werden erschreckend oberflächliche Inhalte auf Youtube verbreitet. Allein die Tatsache, dass dies auf Youtube geschieht, ist bemerkenswert. Das ist so, als würden die Öffentlich-Rechtlichen auch Programmteile von RTL und Sat.1 bestücken. Eine Verquickung mit privatwirtschaftlichen Unternehmen scheint inzwischen niemanden mehr zu stören – dabei soll das öffentlich-rechtliche Angebot ja gerade garantieren, dass jenseits von Kommerz und Quote agiert wird. Der Spaß kostet allein 45 Millionen Euro im Jahr. Geld, das nicht selbst erwirtschaftet wurde, sondern nach Gutdünken verbrannt werden kann. Eine Lizenz zum Gelddrucken, die sich jeder wünschen würde. Und die im Übrigen wettbewerbsverzerrend ist gegenüber freien Webvideoproduzenten. Die modernen technischen Möglichkeiten bieten längst das, was nötig wäre: eine Teilprivatisierung von ARD und ZDF.

Wer sich gern Kerner-Shows, Fernsehgarten und „Sturm der Liebe“ anschaut, soll es tun, aber bitte dann freiwillig dafür bezahlen. Vorstellbar wäre eine kleine Medienabgabe für jeden (ein paar Euro, die man über die Steuer abrechnen kann), um eine werbefreie Grundversorgung aus Information (bitte frei von Parteieneinfluss!), Dokus, Bildung und Hochkultur zu garantieren – so wie es auch Film- und Theaterförderung gibt.

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Holger Kreymeier
© Holger Kreymeier
Holger Kreymeier

Journalist, Autor und Medienunternehmer

Holger Kreymeier (Jg. 1971) ist Journalist, Autor und Medienunternehmer. Er studierte Soziologie und arbeitete unter anderem als freier Journalist für den Axel Springer Verlag und den Norddeutschen Rundfunk. 2007 gründete er das Onlinemagazin „Fernsehkritik-TV“ und 2013 das Alsterfilm-Studio sowie den Onlinesender „Massengeschmack-TV“, auf dem eigene Studioproduktionen gezeigt werden.

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