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Warum ist Gründen immer noch Männersache?

Nur 14 Prozent aller Start-ups werden von Frauen gegründet. Hier berichten Gründerinnen davon, was sie beim Aufbau eines Unternehmens erlebt haben.

'Sie sind ja eine Frau?!' – was ich als Gründerin erlebte

Freya Oehle
  • Gründerinnen sind in technikbasierten Bereichen unterrepräsentiert
  • Sich durchzusetzen bedeutet einen von Vorurteilen geprägten Hürdenlauf
  • Wer sich dem stellt, profitiert doppelt an Glaubwürdigkeit und Unterstützung

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Er ist mir leicht suspekt, der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt. Und doch trampelt mir dieser gesellige Genosse tagtäglich über den Pfad. Denn wenn es um die Gründerin (oder den weiblichen Gründer, die weibliche Gründerin aber ist eine Tautologie) geht, so erweist sich diese als deutlich weniger wandelbar als die Herren der unternehmerischen Schöpfung. Es wird selten infrage gestellt, dass die erfolgreichsten Fashion- und Brautmoden-Start-ups der Nation aus der digitalen Feder hervorstechender Gründer stammen, die dort eigentlich nicht zu Hause sind. Sobald aber eine Frau Ähnliches wagt und ungewohntes Terrain in Sachen Software, E-Commerce oder Technik betritt, ist mit einem zarten Aufhorchen und dem Hervorkramen des gut beherrschten Küchenlateins in Form von „ad absurdum“ zu rechnen.

Männer teilen nur ungern ihr Revier

Die Beantwortung der drei Fragezeichen „Wieso? Weshalb? Warum?“ stellt einen dabei vor einen tückischen Teufelskreis. Denn zum einen zeigt sich, dass die gründungsfreudigen Vertreterinnen meines Geschlechts in den überwiegenden Fällen an ihnen wohlbekannten Themen herumschustern – Food, Fashion, Lifestyle und dergleichen stehen dabei klar im Fokus der selbstständigen Tätigkeiten. Zum anderen kommt es zu einem erschrockenen Aufschrei, sobald die jungen Fräuleins von heute scheinbares Chaos in den gut strukturierten Setzkasten bringen – und sich plötzlich in den angestammten Männerdomänen Technik, Datenarbeit oder aber Finanzwesen entdeckerisch austoben. Leicht sichtbare, aber auch verbalisierte Zweifel machen sich breit, ob die Dame denn auf dem ungewohntem Terrain zurechtkomme oder nicht lieber die manikürten Fingerchen davon lassen sollte. Kann man es verübeln? Nur teilweise. Sollte man es ändern? Unbedingt!

Abgefragt wie beim Vokabeltest

In der Entstehungsgeschichte meines eigenen E-Commerce Start-ups, bei dem die wenig romantischen Themen Pricing und Datenverarbeitung im Mittelpunkt stehen, durfte ich selbst immer wieder leicht humoristisch angehauchte Momente erleben, die sich auch heute noch vollziehen, wenn man als Weibchen weder bei den Leisten bleiben möchte noch Schuhe als solche mag. Es begann mit der verdutzten Frage eines Investors „Sie sind ja eine Frau?!“ – und setzte sich dann fort in einer Art neuzeitlichen Vokabeltests, der abfragte, ob Madame ihre Hausaufgaben auch wirklich gemacht hat. Natürlich nicht ohne Erkundigungen bei meinem Kollegen einzuholen, wie es denn als Betroffener so sei, mit mir als Frau an dem Thema zu arbeiten. Wer es da schafft, in allen Punkten vertrauenswürdig zu erscheinen, der sieht sich einer Stimmungsänderung ausgesetzt, wie sie normal nur dem weiblichen Hormonhaushalt unterstellt wird.

Mit den ersten Anzeichen, dass man, auch im taillierten Kostüm, vom Fach ist, erlangt man im Eilverfahren einen Vorzeigestatus. Man wird Gleichgesinnter, Ansprechpartner und der ganze Stolz, da „endlich einmal auch eine Frau anwesend ist“ – quasi ein Trüffel, der sich zwar selber finden und ausbuddeln muss, aber nun das gewisse Etwas hat. Das Gute dabei: Man steigt sehr schnell vom Dodo zum Phoenix auf. Das weniger Gute: Es ist ein allzu deutliches Indiz dafür, dass wir noch immer viel zu wenige sind.

Veröffentlicht:

Freya Oehle
© Spottster
Freya Oehle

Gründerin, Spottster.com

für StartUps, Innovation, Digitalisierung

Freya Oehle (Jg. 1989) hat Betriebswirtschaftslehre an der WHU Otto Beisheim School of Management studiert und sich im Master auf Finance & Accounting spezialisiert. 2013 gründete sie zusammen mit Tobias Kempkensteffen das Unternehmen Vidiventi, das den digitalen Shopping-Merkzettel Spottster.com betreibt. Mittlerweile kooperiert Spottster mit mehr als 3000 Partnern, darunter Otto und Zalando.

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