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Wirtschaftsfaktor Biene: Müssen sie aus Profitgier sterben?

Jedes Jahr verlieren Imker ganze Bienenvölker. An dem Insekt hängen wirtschaftliche Interessen. Mit Honig und Milbengiften lässt sich viel Geld verdienen. Ist es der Mensch, der die Biene tötet?

Solange es Imker gibt, wird die Honigbiene nicht aussterben

Dr. Werner von der Ohe

Leiter, Institut für Bienenkunde Celle

Dr. Werner von der Ohe
  • Honigbienen sind zuverlässige Bestäuber, aber auch Wildbienen sind wichtig
  • Viele Wildbienenarten sind bedroht – das aber schon seit Jahrzehnten
  • Die Politik ist alarmiert, doch die Verantwortung liegt auch bei uns Bürgern

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Seit mehr als 15 Jahren berichten die Medien über das sogenannte Bienensterben. Laien denken als Erstes an die Honigbienen und fürchten deshalb um deren Existenz. Wahr ist jedoch, dass es weltweit immer mehr Imker und Bienenvölker gibt. Auch hierzulande steigt die Zahl kontinuierlich: Ende 2017 waren in Deutschland circa 130.000 Imker und 1.000.000 Bienenvölker verzeichnet. Allein in Niedersachsen wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 25 Prozent neue Imker registriert, und solange es die gibt, wird die Honigbiene nicht aussterben.

Das Bienensterben, von dem alle reden, bezieht sich vielmehr auf die Wildbienen (Solitärbienen wie Mauerbienen, Hosenbienen, Sandbienen, Furchenbienen oder Maskenbienen und dazu diverse Hummelarten). Mehr als 60 Prozent der etwa 560 Wildbienenarten sind in Deutschland bedroht – und dies seit Jahrzehnten. Schuld daran ist vor allem die Tatsache, dass immer mehr Bienen ihre Lebensräume verlieren, zum Beispiel durch die Versiegelung von Landschaftsräumen wegen der Ausweitung von Wohn- und Gewerbegebieten, durch die Verbreiterung von Straßen, Flurbereinigung und monotone Gartengestaltung.

Fehlende Nistplätze gefährden die Arten

Honigbienen haben – ganz im Gegensatz zu den Wildbienen – ein ausgefeiltes Überlebenssystem entwickelt. Das Bienenvolk ist eine äußerst sozial organisierte Dauergemeinschaft mit ausgeprägter Arbeitsteilung und Kommunikation, die bestimmte Ausfälle oder Verluste von Bienen kompensieren kann, ohne dass das Volk eingeht.

Viele Wildbienenarten jedoch haben sehr spezifische Ansprüche an den Nistort, das Nistmaterial und die Nahrungspflanzen. Sie benötigen einen ungestörten Lebensraum, da sie ihre Entwicklungsstadien (Eier, Larven, Puppen, adulte Bienen) zum Teil über Monate in einer Ruhephase in der Niströhre/Nisthöhle durchlaufen. Sind diese Nistansprüche nicht gegeben, können die Tiere dort nicht leben und sich fortpflanzen. Gefährlich sind auch Insektizide, die zwar im Zulassungsverfahren auf Honigbienen getestet werden, aber nicht auf Wildbienen.

Wir alle sind in der Verantwortung

Die Politik hat die Gefahr inzwischen erkannt. Nach Jahrzehnten einer egoistischen und nur dem Menschen dienlichen Ethik bezüglich des Schutzes von Arten hat sich die Gesetzgebung zum Glück endlich einer wirksamen Förderung der Natur verschrieben. Es geht nicht mehr darum, nur bestimmte attraktive Arten zu schützen und zu retten, sondern ganze Habitate mit ihrer genetischen Vielfalt.

Verluste haben nie nur eine Ursache, es sind immer viele und zum Teil ineinandergreifende Faktoren zu berücksichtigen. Dies zu erkennen ist bedeutsam für die Entwicklung von Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Biodiversität. Sie sind nämlich nur dann erfolgreich, wenn auch sie vielfältig und miteinander verknüpft sind. Jeder sollte erkennen, dass er auch an irgendeiner Stelle mit verantwortlich ist für den Verlust von Biodiversität und selbst gegensteuern kann, denn nahezu jeder verfügt über mehr oder weniger Boden (von Wald und Flur bis zum Balkonkasten) und sollte dort Nährpflanzen für Bienen ausbringen. Mancher Bereich in Kommunen und auf Gewerbeflächen könnte auch ungenutzt bleiben, damit sich dort für Bienen attraktive Pflanzen ansiedeln und vor allem auch die Ruheräume für die Tiere entstehen.

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Dr. Werner von der Ohe
© von der Ohe
Dr. Werner von der Ohe

Leiter, Institut für Bienenkunde Celle

Dr. Werner von der Ohe (Jg. 1955) ist ein deutscher Biologe und Bienenkundler. Seit 2000 leitet er das Institut für Bienenkunde in Celle, das dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) zugeordnet ist. Zudem ist von Ohe Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung.

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