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Selbstfahrende Autos: Wie riskant sind autonome Fahrzeuge?

Selbstfahrende Autos sollen den Verkehr sicher machen. Doch nun kam es zu einem Todesfall. Eine Frau wurde von einem Wagen des Fahrdienstvermittlers Uber erfasst und starb. Was sagen Experten?

Spätestens 2019 kommen die ersten Robotaxis auf den Markt

Dr. Wolfgang Bernhart
  • Carsharing und Mitfahrdienste werden immer beliebter
  • Das Interesse an autonomen Mobilitätslösungen wächst weltweit rasant
  • Neue Anbieter könnten die überlegenen Wettbewerber sein

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Wenn vier von zehn US-amerikanischen Stadtbewohnern angeben, sie würden lieber mit einem fahrerlosen Taxi oder Bus von A nach B fahren und dafür auf ein eigenes Auto verzichten, dann kann man wohl mit Fug und Recht von einem Mentalitätswandel sprechen. Vielleicht sogar von einem Paradigmenwechsel, denn wie die Ergebnisse unserer aktuellen Untersuchung zeigen, sind die Amerikaner kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: In China würde schon fast ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen einem autonomen Mobilitätsdienst gegenüber einem eigenen Auto den Vorzug geben. In den Niederlanden sind es knapp 60 Prozent. Auch für Deutschland zeigen die in regelmäßigen Abständen von uns erhobenen Daten einen klaren Trend weg vom klassischen Modell des Autos in Privatbesitz. So hat sich der Anteil derer, die Angebote wie Carsharing, Mitfahr- oder Taxidienste in Anspruch nehmen, in den vergangenen zwölf Monaten auf knapp 4 Prozent fast verdoppelt.

Immer mehr Menschen sind offen für autonomes Fahren

Der Dieselskandal und die Diskussion über schlechte Luft in den Städten haben längst auch die Gesetzgeber auf den Plan gerufen. In Singapur werden gar keine neuen Fahrzeuge mehr zugelassen, China diktiert den Autoherstellern eine Elektroquote von zehn Prozent im kommenden Jahr und zwölf Prozent bis 2020. Die Industrie investiert entsprechend massiv, nicht nur in den Elektroantrieb, sondern auch ins autonome Fahren: Allein in den 13 von uns untersuchten Ländern beschäftigen sich mehr als 50.000 Forschungs- und Entwicklungsexperten mit fahrerlosen Konzepten und Mobilitätsdienstleistungen, das sind rund 25 Prozent mehr als vor einem Jahr. Noch im laufenden Jahr, spätestens 2019, so die Ankündigung verschiedener Hersteller, sollen die ersten autonom fahrenden Taxis, sogenannte Robocabs, auf den Markt kommen.

Autonome Mobilität ist also längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie gewinnt zunehmend an Fahrt - immer mehr Menschen sind nach anfänglicher Skepsis offen dafür. Und je früher fahrerlose Systeme verfügbar sind, desto weniger Kilometer werden noch mit privat genutzten Autos zurückgelegt.

Autohersteller erkennen: Ihr Geschäftsmodell gerät unter Druck

Von weniger Individualverkehr und mehr autonomer Mobilität profitieren aber nicht nur die Metropolen. Auch für den ländlichen Raum eröffnen fahrerlose Taxilösungen ganz neue Chancen. Der öffentliche Nahverkehr ist dort häufig nicht nur schlecht ausgebaut, er ist auch ein teures Zuschussgeschäft. Mithilfe autonomer Fahrdienste ließe er sich deutlich nutzerorientierter und nach unseren Berechnungen sogar gewinnbringend gestalten. Das ist nicht nur für Schüler und Menschen, die sich kein eigenes Auto leisten können oder wollen, eine gute Nachricht. Vor allem die wachsende Zahl älterer Menschen wird von den neuen Angeboten profitieren. Denn wir dürfen nicht vergessen: Wir leben in einer alternden Gesellschaft. Der Anteil der über 65-Jährigen wird sich bis 2055 verdoppeln, und viele von ihnen werden in ländlichen Gebieten leben. Auch sie haben Anspruch auf ein Mindestmaß an mobiler Infrastruktur.

Viele Autohersteller haben erkannt, dass ihr traditionelles Geschäftsmodell - der Verkauf von Autos an Privatbesitzer - zunehmend unter Druck gerät. Sie arbeiten an integrierten Mobilitätsangeboten, um sich neue Wachstumsoptionen zu erschließen. Aber auch die Zulieferer müssen ihre Strategie überdenken. Denn in der mobilen Welt der Zukunft werden viele ihrer Kompetenzen nicht mehr gefragt und neue Anbieter vielleicht die überlegenen Wettbewerber sein.

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Dr. Wolfgang Bernhart
© Roland Berger
Dr. Wolfgang Bernhart

Seniorpartner, Roland Berger GmbH

Dr. Wolfgang Bernhart leitet das Technology & Innovation Team im Competence Center Automotive von Roland Berger. Er promovierte 1993 am Institut für Produktionstechnik der Universität Karlsruhe. Seit 2007 ist er Seniorpartner bei der Roland Berger GmbH. Zu den Schwerpunkten seiner Beratungstätigkeit zählen Wachstumsstrategien in den Bereichen neue Antriebstechnologien, Vernetzung und automatisiertes Fahren.

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