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Ständig online – Wie viel Smartphone tut uns gut?

Unser Alltag ist geprägt von Störungen: Jeder zweite Berufstätige liest nach Feierabend dienstliche Nachrichten, gleichzeitig lenken wir uns während der Arbeit privat ab. Kann ein Handy-Verbot helfen?

Ständige Erreichbarkeit raubt uns unsere Aufmerksamkeit

Ulrike Stöckle
  • Der Druck, auch von unterwegs zu arbeiten, wächst zunehmend
  • Im schlimmsten Fall kann die ständige Erreichbarkeit krank machen
  • Dieser Zustand stresste mich selbst – nun praktiziere ich Digital Detox

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Die digitale Transformation hat neue Arbeitsweisen und einen organisatorischen Kulturwandel hervorgebracht: ständige Erreichbarkeit, kleinteilige Kommunikation und Social-Media-Plattformen. Kunden- und Mitarbeiterinteraktionen verlagern sich mehr und mehr auf digitale Kanäle, daher stehen Unternehmen jetzt vor der Herausforderung, digitale Kommunikationslösungen auf allen Ebenen zielgerichtet zu orchestrieren. Berufliche Kommunikation findet immer häufiger in privaten Settings statt, und gleichzeitig gibt es mehr private Kommunikation während der Arbeitszeit. Die vielen Vorteile, privat und beruflich mobil erreichbar zu sein, auch mal von zu Hause aus ungestört zu arbeiten, schnell an Informationen zu gelangen und von überall her auf Daten zugreifen zu können, sind unbestritten.

Es gibt aber auch Schattenseiten: Informationsüberflutung, Beschleunigung und eine schwierigere Grenzziehung zwischen Freizeit und Arbeitszeit, was im schlimmsten Fall zum digitalen Burn-out führen kann. Ich spreche dabei aus eigener Erfahrung. In meinem Beruf als Journalistin und Inhaberin einer PR-Agentur war das Handy schon immer mein ständiger Begleiter und ermöglichte es mir, von überall mobil zu arbeiten und für jeden jederzeit erreichbar zu sein. Ein Zustand, der mich zusehends stresste und nur durch aktives Ausschalten unterbrochen werden konnte. Ich fing 2012 an, mich mit dem Thema zu beschäftigen, und stieß auf die Digital-Detox-Bewegung in den USA. Fasziniert von den amerikanischen Ansätzen beschloss ich, die ersten Camps in Europa und Deutschland zu organisieren, und halte seitdem Vorträge und Seminare in ganz Deutschland.

Eine Online-Kommunikation von drei bis vier Stunden pro Tag ist schon bedenklich

Denn auch der Gesetzgeber hat nun reagiert, indem er das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) um verschiedene Punkte ergänzt hat. In Zukunft ist der Arbeitnehmer nicht nur vor körperlichen Gefahren geschützt, sondern auch vor psychischen Belastungen. Endlich sollten wir nicht nur, sondern können wir auch handeln. Denn was bringt es uns, ständig erreichbar und handlungsbereit zu sein, wenn wir dadurch krank werden oder den Spaß an der Sache verlieren?

Die meisten meiner Kunden liegen bei einem Durchschnittswert von drei bis vier Stunden pro Tag, die sie für die Online-Kommunikation verwenden. Um den Internetkonsum wieder auf ein verantwortungsvolles Maß zu bringen, empfehle ich beispielsweise E-Mail-Öffnungszeiten, das Deaktivieren von Push-Benachrichtigungen oder auch die Veränderung der grundsätzlichen Kommunikationskultur. Auch Chefs sind manchmal vom digitalen „Overload“ infiziert: Wenn sie am Abend oder am Wochenende Mails an Mitarbeiter verschicken, geben sie diesen Druck an ihre Mitarbeiter weiter. Zwar wird meist nicht erwartet, dass diese bearbeitet würden, doch fühlen sich Angestellte eventuell dazu verpflichtet.

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Ulrike Stöckle
© Ulrike Stöckle
Ulrike Stöckle

geschäftsführende Inhaberin, The Digital Detox

Ulrike Stöckle (Jg. 1967) leitet das Beratungsunternehmen The Digital Detox. Die Diplom-Betriebswirtin ist geschäftsführende Inhaberin der Agentur für nachhaltige Kommunikation, an die The Digital Detox angegliedert ist. Als Anbieter von Seminaren, Workshops, Vorträgen und als Organisator der ersten Digital Detox Camps in Deutschland ist die Agentur eine Anlaufstelle zu Themen im Kontext der Veränderungen von digitalem und medialem Nutzungsverhalten.

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