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Gesundheitskiller Lunch Break: Ist das Schnitzel zum Mittag erlaubt?

In der Mittagspause darf es gern schnell gehen - und es muss schmecken. Doch plagt einen nach Schnitzel, Pizza oder Burger auch gern mal das schlechte Gewissen. Doch ist Fast Food wirklich bedenklich?

Ungesunde Lebensmittel gibt es nicht

Uwe Knop
  • Haben Sie heute eine Pizza zu Mittag gegessen? Schlechtes Gewissen inklusive?
  • Schließlich wissen wir ja, dass Salz, Fett und Zucker schlecht sind, oder?
  • Eben nicht – in Wirklichkeit wissen wir gar nichts

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Wie mögen Sie Ihren Burger am liebsten? Ein knuspriges, fluffiges Brötchen. Dazwischen ein saftiger Patty. Der Käse zerläuft leicht. Knackiger Salat, aromatische Tomaten und scharfe Zwiebeln für den frischen Biss. Und eine würzige Soße darf natürlich auch nicht fehlen. Bekommen Sie schon Hunger? Oder doch ein schlechtes Gewissen? Denn Fast Food mit viel Fett, Zucker und Salz ist schließlich ungesund – das hören wir ja nicht zum ersten Mal. Und nun plaudert auch noch der ehemalige Geschäftsführer von McDonald’s Österreich, Harald Sükar, in seinem Buch und seinem XING Klartext darüber, wie schlecht Fast Food für unsere Gesundheit sei. Hand aufs Herz: Wie oft gehen Sie mittags einen Burger, eine Pizza oder ein Schnitzel essen? Und wie oft nur einen „gesunden“ Salat?

Erwischt. Ist ja auch superlecker. Aber stimmt das wirklich: Lassen sich Lebensmittel und Inhaltsstoffe pauschal in gesund und ungesund einteilen? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Nein. Aus wissenschaftlicher Perspektive gibt es keinen einzigen Beweis dafür, dass Fast Food dick oder dünn macht oder dass Weißmehl, Fett und Zucker schädlich für die Gesundheit sind. Es gibt keine Untersuchung, die deutlich zeigt, welche Ernährung ursächlich zum Herzinfarkt führt und welche ihn verhindert – und es wird solche harten Kausalevidenzen auch niemals geben. Denn aus all den zahlreichen Erhebungen, den sogenannten Beobachtungsstudien – das Fundament der Ernährungsforschung –, lassen sich stets nur vage statische Zusammenhänge (Korrelationen) ableiten, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehungen (Kausalitäten). Das sage nicht nur ich, sondern auch zahlreiche Ernährungsinstitutionen und Ökotrophologieverbände (Zitate finden Sie unter diesem Beitrag).

Wie viel Energie verbrauchen Sie und wie viel nehmen Sie auf?

Das Einzige, was beispielsweise in puncto Körpergewicht zählt, ist die eigene Energiebilanz der vergangenen Monate und Jahre. Wie viele Kalorien verbrauche ich und wie viel Energie führe ich meinem Körper zu? Wir brauchen Energie, deshalb essen wir. Die wesentliche Frage ist nur: wie viel. Sind Sie den ganzen Tag auf den Beinen oder sitzen Sie eigentlich nur am Schreibtisch? Bewegen Sie sich neben der Arbeit viel oder sind Sie eher die Couch-Potato? Treppen oder Fahrstuhl? Fahrrad oder E-Bike oder vielleicht doch das Auto? Sie merken schon: Ernährung und Gesundheit sind immer individuell und lassen sich nicht auf einzelne Lebensmittel oder Inhaltsstoffe herunterbrechen.

Aber es geht nicht nur um die aufgenommenen und verbrauchten Kalorien, sondern vor allem um Bekömmlichkeit. Ballaststoffe werden in den Himmel gelobt: Sie hielten lange satt und würden deshalb beim Abnehmen helfen. Also dunkles Dinkelvollkornbrot statt weißem Weizenbaguette? Da kann ich nur zur Vorsicht raten. Denn wer einen sensiblen Darm hat, den überfordern Ballaststoffe schnell. Die Folge sind Bauchschmerzen und Blähungen. Daher sollten Sie sehr gut auf Ihren Körper hören: Was schmeckt Ihnen? Was vertragen Sie gut? Nur das ist wichtig und richtig. Wenn Ihnen Weißbrot besser bekommt als Schwarzbrot, dann essen Sie Weißbrot. So einfach ist das. Kein Mensch in Deutschland ist jemals an Ballaststoffmangel gestorben oder wegen „Vollkornbrotmangel“ erkrankt.

Jeder Mensch is(s)t anders gesund

Mein Rat an Sie: Hören Sie auf Ihren Hunger, Ihre Lust und Ihren Bauch. Durch Hunger wissen Sie, wenn Sie Energie brauchen – und auch, wann nicht. Auch auf Ihr Sättigungsgefühl sollten Sie vertrauen. Zudem teilt Ihr Körper Ihnen mit, was er braucht. Haben Sie Lust auf etwas Deftiges? Dann gönnen Sie sich das. Das Gleiche gilt, wenn Sie etwas Leichtes bevorzugen. Schließlich geht es auch um den Genuss – denn Essen nicht mit allen Sinnen zu erleben und das intensive „Stöhnen aus der Tiefe des Bauches“ zu genießen, das ist wie Sex mit jemandem, den man eigentlich gar nicht anziehend findet. Kann man mal machen, wenn es sein muss, aber sollte nicht zur Gewohnheit werden. Denn es fehlt einfach das Wesentliche: Lust und Leidenschaft. Last, but not least sagt Ihr Bauch Ihnen, ob Ihnen etwas gut bekommt, sprich: ob Sie etwas gut vertragen. Und das ist das A und O der „somatisch-kulinarischen Rückkopplung“.

Es gibt so viele gesunde Ernährungsformen, wie es Menschen gibt, denn: Jeder Mensch is(s)t anders. Der eigene Stoffwechsel, der lebensstilbedingte Energieverbrauch und die absolut individuelle Verträglichkeit von Lebensmitteln spielen dabei die wichtigste Rolle. Für jeden gibt es die perfekte Ernährung. Doch die kann man nur selbst herausfinden – indem man auf sich selbst hört, nicht auf andere.

Aussagen der Ernährungsinstitutionen und Ökotrophologieverbände:

Wir brauchen keine rigiden Regeln und keine Einteilung in gesunde oder und ungesunde Lebensmittel. Entscheidend ist, wie viel ich wovon esse.

Harald Seitz, Leitung Referat Öffentlichkeitsarbeit, Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) (März 2019)

Die generelle Einteilung in gesund und ungesund finden wir schwierig. Denn ob ein Lebensmittel letztendlich gesund oder ungesund ist, wird durch die aufgenommene Menge bestimmt.

Sonja Schäche, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) (März 2019)

Es gibt keine verbotenen Lebensmittel. Die Kombination der Lebensmittel im richtigen Verhältnis macht eine ausgewogene Ernährung aus.

Thomas Krienbühl, Fachexperte Kommunikation, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE (März 2019)

Lebensmittel sind nicht als ›gesund oder ungesund‹ zu werten. Entscheidend für eine ausgewogene Ernährung sind die Menge, die Kombination und die Zubereitung von Lebensmitteln.

Mag. Alexandra Hofer, Geschäftsführung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) (März 2019)

Eine Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel halten wir nicht für sinnvoll. Entscheidend ist, wie viel ich wovon esse.

Antje Gahl, Leitung Referat Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (März 2019)

Von ›gesunden‹ oder ›ungesunden‹ Lebensmitteln zu sprechen, greift bei der Komplexität der Ernährung zu kurz. Populistische Empfehlungen einzelner so genannter ›gesunder‹ Lebensmittel oder gar Verbote vermeintlicher ›ungesunder‹ Lebensmittel sind eher kontraproduktiv und können zu ›Consumer Confusion‹ führen.

Dr. Andrea Lambeck, Geschäftsführerin, Berufsverband Oecotrophologie e. V. (VDOE) (Mai 2019)

Die Beziehung zwischen Mensch und Lebensmittel ist zu komplex, um daraus eine hilfreiche Einteilung in gute und schlechte Lebensmittel ableiten zu können.

Mag. Andreas Schmölzer, 1. Vorstandsvorsitzender, Verband der Ernährungswissenschaftler Österreichs (VEÖ) (Mai 2019)

Diese Aussagen sind ein Auszug aus Uwe Knops Buch: „Dein Körpernavigator zum besten Essen aller Zeiten


Uwe Knop hat zu diesem Thema auch jüngst einen XING Insider-Beitrag verfasst: Iss! War einmal. Das Ende der Besser-Esser-Hybris


Diskutieren Sie mit: Was ist für Sie “gesunde” Ernährung? Worauf achten Sie?

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Uwe Knop
© BoD Books on Demand
Uwe Knop

Diplom-Ökotrophologe und Autor

for Ernährung, Besser-Esser-Hypes, Tellermythen

Der Ernährungswissenschaftler (Jg. 1972) ist Autor der Bücher „Intuitiv essen“, „Ernährungswahn“, „Kind, iss was … dir schmeckt!“ und „Dein Körpernavigator“ (2019). Die Basis seiner Arbeit bildet sowohl die objektive, ideologiefreie und kritische Analyse von Ernährungsstudien (sowie öffentliche Aufklärung über deren massive Aussageschwäche und systemimmanente Limitierungen) als auch die Offenlegung der Mechanismen ernährungslobbyistischer Verbrauchermanipulation.

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