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Tag der Muttersprache: no problem oder Zeit zu handeln?

Der 21. Februar ist der internationale Tag der Muttersprache. Zeit, sich zu fragen: Wie viel Pflege braucht eine Sprache? Muss sie geschützt werden? Oder sind Phänomene wie „Denglisch“ ganz normal?

Unsere Sprache stirbt nicht, sie ist vielfältiger denn je

Murtaza Akbar
  • Dialekte, Anglizismen, Jugendslangs und Co. sorgen für mehr Vielfalt
  • Einflüsse von Online-, Social-Media- und globaler Kommunikation wachsen
  • „Emoji“, „liken“, „tindern“ ist nicht schlimm, sondern gelebte Sprache

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105 Millionen Menschen haben Deutsch als Muttersprache. Das ist Platz zehn weltweit. Vom Aussterben der deutschen Sprache kann somit keine Rede sein. Auch eine Bedrohung dieser wunderbaren Sprache sehe ich nicht. Im Gegenteil: Deutsch ist lebendiger und vielfältiger denn je. Nicht erst seit heute, denn es gibt schon lange 14 gesprochene Dialekte hierzulande, von Alemannisch über Hessisch bis Thüringisch. Die Vielfalt wird künftig noch zunehmen aufgrund ebenso vielfältiger Einflüsse – von Social-Media- und Onlinekommunikation über den Einfluss von Migranten bis hin zu Anglizismen.

Das hört sich für Sprachbewahrer und Sprachhüter schlimm an. Ist es aber nicht, denn die deutsche Sprache und ihr Wortschatz halten das aus. Sie lebt, hat sich schon immer verändert seit Menschen Deutsch sprechen. Jede junge Generation entwickelt eigene Sprachbilder und Slangs. Zurzeit geschieht das nur schneller, massiver und durchdringt über Onlinekanäle die Gesellschaft viel stärker als früher. Ich selbst bin mit zwei Sprachen aufgewachsen – Deutsch und Urdu – und wahrscheinlich auch deshalb nicht ängstlich vor vielfältigen Einflüssen oder ein Denglischfeind.

Englisch und Anglizismen sind für junge Generationen alltäglich

Englische Begriffe – in Maßen – sind okay oder besser gesagt: in Ordnung. „In Maßen“ gilt es zu betonen, weil es natürlich Ausreißer gibt. Da schreibt die BMW „Group“ auf ihrer (Achtung, Anglizismus!) Homepage schon mal jedes dritte Wort in Englisch oder als Anglizismus. Heraus kommen Sätze wie „Highlight der Iconic Impulses BMW Group Experience in London“. Das wirkt eher skurril als verständlich oder cool. Auch „For you. Vor Ort“, wie der einstige „Slogan“ der Drogeriekette Schlecker lautete, war alles andere als schön.

Wahr ist aber, dass für die jungen Generationen Englisch heute ganz alltäglich ist. Instagram, Facebook, Snapchat oder WhatsApp, da wird abgekürzt, mit Emojis und Anglizismen geschrieben, was das Zeug hält. Natürlich ist korrekte Grammatik und Rechtschreibung wichtig, das steht außer Frage. Dafür haben wir den Duden, der sich richtigerweise nach den Menschen richtet. Deshalb stehen dort jetzt Begriffe wie „durchzappen“, „chillig“, „Emoji“, „facebooken“, „liken“ und sogar „tindern“ drin. Ist das schlimm? Nein. Das ist Realität, weil es gelebte Sprache ist.

Sprache ist seit jeher Trennungs- und Verbindungselement

Es ist absurd, wenn manche Skeptiker deshalb das Aussterben der deutschen Sprache ausrufen. Sprache war und ist mit ihren Dialekten und Slangs seit jeher sowohl Trennungs- als auch Verbindungselement zwischen und innerhalb einzelner Gruppen, Regionen oder Communitys. Das war schon immer so. Einfaches Beispiel: Nicht jeder Bundesbürger versteht jeden Dialekt.

Für Unternehmen ist die zunehmende Vielfalt der Sprache eine große Herausforderung. Sie müssen den Spagat zwischen Online-, Social-Media-, internationaler und deutscher Kommunikation schaffen – ohne faulen Kompromiss. Es geht um die persönliche Ansprache für immer kleinere Gruppen von Kunden, Mitarbeitern und Co. Dabei muss die Sprache „echt“ sein, sonst wirkt sie aufgesetzt oder anbiedernd.

Die Unesco, die den Internationalen Tag der Muttersprache alljährlich am 21. Februar ausruft, will damit vor allem Mehrsprachigkeit sowie sprachliche und kulturelle Vielfalt fördern. Deutsch ist dafür mit seiner gelebten und gesprochenen Vielfalt ein gutes Vorbild.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Ist es eine Bereicherung für die deutsche Sprache, wenn sie sich durch äußere Einflüsse verändert? Oder muss sie geschützt werden? Und wenn ja, wie?

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Murtaza Akbar
© Wortwahl
Murtaza Akbar

Kommunikationsexperte, Hochschule Darmstadt

Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl, einer Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Er ist Speaker und Autor zum Thema Sprache und Kommunikation, sowie Dozent im Studiengang Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt. Der Diplombetriebswirt ist in Frankfurt am Main geboren und stammt aus Pakistan. Mit seinem Wortwahl-Team berät und unterstützt er seit mehr als 15 Jahren DAX-Konzerne, mittelständische Unternehmen sowie internationale Marktführer in der Kommunikation.

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