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Wachsende Wohnungsnot und steigende Mieten – Müssen wir mehr bauen?

Wohnraum wird immer teurer und knapper – nicht nur in Städten, auch außerhalb der Ballungsräume. Wie und wo soll der Mensch künftig bauen?

Verbietet das Bauen!

Daniel Fuhrhop

Architekturverleger, Betriebswirt und Autor

Daniel Fuhrhop
  • Politiker überbieten sich mit Forderungen, immer mehr zu bauen
  • Dabei ist Neubau teuer, unsozial und schadet auch den Städten
  • Unsere Häuser sind schon gebaut, wir müssen sie nur besser nutzen

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So sehr sich die Parteien streiten, in einem sind sich alle einig: Man müsse mehr bauen, das sei sozial, ökonomisch und ökologisch – ein Dogma, dessen Gegenteil zutrifft. So ist neu zu bauen teuer und darum unsozial. Wenn man die Kosten ehrlich berechnet, erfordern neu gebaute Wohnungen Mieten von zehn Euro je Quadratmeter. Günstige fünf Euro finden wir nur in Altbauten. Sie zu sichern wäre wirklich sozial.

Stattdessen werden Wohnungen privatisiert und zur Spekulation freigegeben. Neu gebaut werden obendrein vor allem teure Wohnungen. Hier ziehen genau jene gut verdienenden Mieter ein, die den älteren Stadtvierteln dann fehlen; dort bleiben die Ärmeren. Selbst der sogenannte soziale Wohnungsbau löst Probleme nur scheinbar, denn in Deutschland läuft die Bindung meist nach fünfzehn Jahren aus, dann ist Schluss mit dem Sozialen.

Bauwut vor und in den Städten

Fördergeld für diese Art sozialen Wohnungsbaus ist darum schlecht angelegt. Noch schlechter rechnen sich Prestigebauten wie Spaßbäder oder Flughäfen, manche mit explodierenden Kosten, siehe Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Ebenso fatal sind jedoch die alltäglichen neuen Baugebiete rund um die Städte. Während man am Ortsrand neue Eigenheime baut, stehen im Ortskern Häuser leer, und mit jedem Neubau draußen sinken die Chancen auf Belebung drinnen.

Aber die Bauwut tobt auch innerhalb der Stadtgrenzen: In Frankfurt, Hamburg und München verschwinden die letzten Freiflächen, werden Kleingärten vernichtet und Landschaftsschutzgebiete bebaut. Dabei brauchen die Städte wegen des Klimawandels das kühlende Grün. Neubau schadet der Umwelt, das gilt selbst für vermeintliche Energiesparhäuser, wenn man eine ganzheitliche Ökobilanz zieht. Die berücksichtigt nämlich auch, wie viel Energie das Bauen selbst verbraucht, und dadurch stehen Altbauten gut da, denn sie sind schon gebaut.

Werkzeuge, die Neubau überflüssig machen

Nicht zuletzt zerstört Bauen lebendige Städte: Jedes neue Shoppingcenter sorgt dafür, dass anderswo Läden zumachen und Handelsstraßen veröden, und jeder Büroturm erzeugt andernorts leer stehende Büros.

Es ist ein Mythos, dass wir Neubau bräuchten: Die Einwohnerzahl Deutschlands stagnierte seit 1993 zwanzig Jahre lang, erst seitdem kamen zwei Millionen Menschen dazu. Die Zahl der Wohnungen aber stieg seit 1993 um knapp sieben Millionen, das wäre genug Platz für fünfzehn Millionen Menschen! Doch dieser Platz fehlt, weil wir auf immer mehr Fläche wohnen. Wir sollten endlich darüber nachdenken, wie wir unsere Häuser besser nutzen.

Die Werkzeuge dafür stehen bereit: Abriss stoppen, Leerstand erfassen und managen, Flächen effizienter nutzen, gemeinschaftliche Wohnformen fördern, Untermieter vermitteln, Einliegerwohnungen ermöglichen, Wohnungstausch anregen, hier den Boom bremsen und dort unterschätzte Orte umdeuten – die Liste der Werkzeuge, unsere Wohnungen und Häuser besser zu nutzen, lässt sich auf mehr als fünfzig Ideen und Beispiele erweitern. Wir sollten sie konsequent anwenden und damit unsere Städte beleben, aber Neubau beenden.

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Daniel Fuhrhop
© Daniel Fuhrhop
Daniel Fuhrhop

Architekturverleger, Betriebswirt und Autor

Daniel Fuhrhop ist Betriebswirt, Architekturverleger und Autor. Lange Jahre führte er den Stadtwandel Verlag, präsentierte in seinen Publikationen einen schillernden Neubau nach dem anderen. Doch irgendwann gewann die Skepsis die Oberhand: Noch als Verleger begann Fuhrhop nach einem sinnvollen »Stadtwandel in Zeiten des Klimawandels« zu suchen, startete eine gleichnamige Publikations- und Veranstaltungsreihe, ehe er 2013 dem Verlagswesen den Rücken kehrte und den Blog "Verbietet das Bauen" ins Leben rief.

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