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Thema auf der #NWX19: Wie werden wir zusammenarbeiten?

New Work - das ist vor allem das Hinterfragen von bisherigen Arbeitsmustern. Müssen Führungskräfte wirklich nur eine Person sein? Brauchen wir wirklich Hierarchien, um produktiv arbeiten zu können?

Wahre Führung entsteht dort, wo es keine Hierarchien gibt

Frédéric Laloux

New-Work-Vordenker und Unternehmensberater

Frédéric Laloux
  • Hierarchien begrenzen die Anzahl von Personen, die sich verantwortlich fühlen
  • Entgegen der landläufigen Meinung erhöht Selbstführung die Verantwortlichkeit
  • „Alphas“ können in selbstführenden Teams führen, aber nie unterdrücken

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In Bezug auf Hierarchien am Arbeitsplatz hat es in den vergangenen Jahren dramatische Veränderungen gegeben. Immer mehr Unternehmen führen neue Organisationsformen ein, die auf Selbstführung und vernetzte Strukturen setzen, anstatt auf vertikale Berichtslinien. Kritiker bemängeln, dass fehlende Hierarchien zu fehlender Verantwortung führen – und damit zu fehlender Verantwortlichkeit. Ich behaupte jedoch, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Es ist die Hierarchie, die einen Mangel an Verantwortlichkeit fördert – und Menschen in vernetzten Organisationen fühlen sich sehr wohl noch verantwortlich!

Ey, Mann, wo ist mein Bier?

Das ist für mich einfach gesunder Menschenverstand. Ich führe gern ein nicht ganz ernst gemeintes Beispiel an: Sie organisieren mit Freunden einen Wochenendausflug. In Ihrer Gruppe existiert keine Hierarchie. Und dennoch: Wenn eine Person sagt, sie bringt Bier und Wein mit, erscheint dann aber mit leeren Händen – es wird nicht lange dauern, bis sie diese Person zur Verantwortung ziehen, oder?!

In einer starren Hierarchie ist nur die Führungskraft an Ergebnissen interessiert, denn sie ist es, die auf dem heißen Stuhl sitzt. Die Führungskraft ist das schwächste Glied. Wenn sie ein Problem nicht sieht oder sehen will, dann war’s das – es wird nichts unternommen werden. Demgegenüber steht das selbstführende Team, eine Gruppe Menschen, die sich alle für das Ergebnis verantwortlich fühlen. Ergibt sich hier ein Problem oder eine Gelegenheit, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand zu Wort meldet, um ein Vielfaches höher. In einem zehnköpfigen Team etwa ist es zehnmal wahrscheinlicher, dass jemand einschreitet und entsprechende Maßnahmen anregt.

In selbstführenden Teams können Alphas führen, aber nie unterdrücken

Es gibt Stimmen, die befürchten, dass sich auch in Unternehmen mit Selbstführung immer eine informelle Hierarchie etablieren wird; dass Alphas sich an die Spitze setzen und ihre schwächeren Kollegen dominieren werden. Dies ist eine Aussage, der ich sowohl zustimme als auch widerspreche. Ja, absolut richtig – sobald man die starre Machthierarchie abschafft, wird eine natürliche Hierarchie ihren Platz einnehmen. Und das ist toll! Denn selbstverständlich werden einige Menschen mehr beitragen wollen oder können und mehr die Initiative ergreifen als andere. Aber wenn es feste Spielregeln gibt, zum Beispiel für den Entscheidungsfindungsprozess – dann kann niemand zur Unterwerfung gezwungen werden! Man kann nur führen, wenn die anderen folgen wollen.

Die Alphas können die Meinungen der anderen Teammitglieder nicht einfach unterdrücken. Wenn sie es probieren, kriegen sie schnell zu hören: „Was soll das?“. Niemand folgt einem Arschloch! Die Alphas lernen also schnell, dass sie nur dann Anerkennung erhalten, wenn sie einen positiven Beitrag leisten und anderen helfen. Wahre „Führungskraft“ kommt nur dann zum Vorschein, wenn es kein Machtgefüge gibt, das genutzt oder ausgenutzt werden kann. Und diese Führungsrolle kann nun jeder einnehmen, nicht nur derjenige, der dafür auserkoren wurde. Mit der Führung verhält es sich also wie mit der Verantwortlichkeit: Sie vervielfacht sich. Möchten Sie mehr über die Prinzipien der Selbstführung in Unternehmen lernen? Unter thejourney.reinventingorganizations.com finden Sie zu diesem Thema mehrere Kurzvideos in englischer Sprache.


NWX

Die New Work Experience (NWX) am 7. März ist die größte Konferenz im deutschsprachigen Raum zum Wandel der Arbeitswelt. Sie bietet eine Bühne für Entscheider, die sich mit Themen von New Work über Unternehmenskultur, bis hin zu neuen Formen der Unternehmensführung auseinandersetzen. Zahlreiche Top-Speaker und hochrangige Pioniere der New-Work-Bewegung vermitteln praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Die NWX wird von XING ausgerichtet und findet mittlerweile zum dritten Mal statt. Veranstaltungsort ist die Hamburger Elbphilharmonie. Weitere Informationen finden Sie unter https://newworkexperience.xing.com

Wir haben Frédéric Laloux auf der NWX getroffen und ihn gefragt, wie hierarchieloses Führen gelingen kann. Das Video finden Sie hier.

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Frédéric Laloux
© Freunde von Freunden - Robert Rieger
Frédéric Laloux

New-Work-Vordenker und Unternehmensberater

Der Belgier (Jg. 1969) ist eines der Aushängeschilder der internationalen New-Work-Bewegung und Befürworter des hierarchiefreien Arbeitens. Der Unternehmensberater ist Autor des Bestsellers „Reinventing Organisations“, der als Standardwerk für zeitgemäße Unternehmensorganisation gilt. Der ehemalige Associate Partner von McKinsey berät Unternehmen mittlerweile aus seinem Wohnort, einem Eco-Village in der Nähe von New York City, heraus und hat auf der NWX19 einen seiner raren Gastauftritte in Europa.

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