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Power of Diversity: Wie verschieden wollen wir sein?

78 Prozent der in einer XING Studie befragten Personaler glauben, dass mehr Vielfalt eine Firma erfolgreicher macht. Aber nur gut die Hälfte achtet schon heute bewusst auf Diversity.

Warum ich überzeugt bin, dass Vielfalt Firmen voranbringt

Niek Jan van Damme

Top-Manager und ehemaliger Vorstand, Deutsche Telekom

Niek Jan van Damme
  • Ich war der erste Dax-Vorstand, der sich als homosexuell geoutet hat
  • Homosexualität von Mitarbeitern bietet für Firmen erst einmal keinen Mehrwert
  • Outings, gerade von Topmanagern, signalisieren aber: Vielfalt ist willkommen

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2016 war ich der erste Vorstand eines DAX-Konzerns, der sich vor einem größeren Publikum als homosexuell geoutet hat. In einem Zeitungsinterview, unterschwellig, in einem kurzen Satz, erwähnte ich, dass ich mit einem Mann verheiratet bin. Was mich seinerzeit überraschte: Auf mein Outing erhielt ich wenige Reaktionen – intern wie extern.

Bei der Deutschen Telekom, wo ich seinerzeit als Deutschlandchef arbeitete, war meine Ehe intern ohnehin schon seit Jahren bekannt. Positiv gedacht: Dass es aber auch extern wenig Resonanz gab, könnte man vielleicht damit erklären, dass Homosexualität heute gesellschaftlich doch akzeptiert ist. Ich vermute aber eher etwas anderes, nämlich dass die Zurückhaltung typisch für das Management in Deutschland ist. Über Privates wird hierzulande wenig bis gar nicht gesprochen – und damit eben auch nicht über Homosexualität. Mein Zwischenfazit lautet daher: Es gibt noch viel zu tun, bis die Unternehmen hierzulande wirklich divers sind.

Vor allem kulturelle Vielfalt kann mithelfen, Unternehmen zu transformieren

78 Prozent der von XING befragten Personaler sagen: Diversitymaßnahmen können ein Unternehmen langfristig erfolgreicher machen. Und ich stimme dem zu, weil Vielfalt durchaus zu einer größeren Zahl an Lösungsansätzen führt und zu besseren Diskussionen. Allerdings müssen wir erst einmal definieren, was echte Diversität ist. Für mich heißt das, die Unterschiede in Menschen und deren Lebensformen zu erkennen, Spaß daran zu haben und den Mehrwert zu sehen, den sie bringen.

Bei Diversität denken jedoch viele erst einmal an Unterschiede zwischen Mann und Frau – und dann vielleicht noch an Homosexuelle. Für mich geht die Definition aber sehr viel weiter. Aus meiner Erfahrung können gerade von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund besonders wichtige Impulse kommen, um Menschen zu führen und Organisationen zu transformieren. Hier bringt Vielfalt in der Kultur richtigen Mehrwert. Beim Thema Digitalisierung sind etwa die US-Amerikaner viele Schritte weiter als wir – und ich glaube ein Grund hierfür ist, dass in deren Chefetagen mehr Vielfalt herrscht als bei uns.

Sex gehört ins Schlafzimmer, aber nicht ins Büro

Ich wurde nach meinem Outing gefragt, was das bedeutet, wenn ein Topmanager oder eine Topmanagerin sich als homosexuell outet. Meine Ansicht hierzu: Die sexuelle Orientierung eines Mannes, einer Frau bringt für ein Unternehmen per se erst einmal keinen echten Mehrwert. Provokant gesagt: Sex gehört ins Schlafzimmer, aber nicht ins Büro. Ich kann aber aus eigener Erfahrung allen, die hadern, nur raten, sich auch im Job zu outen. Es kostet den Einzelnen viel Energie, seine Homosexualität zu verstecken. Außerdem wird man unsicher. In Summe ist das Kraft und Fokus, der dann für die eigentliche Aufgabe fehlt.

Zudem bereichern solche Outings die Kultur und die Zusammenarbeit in Unternehmen. Mir und anderen wurde Respekt gezollt. Es ist ja schließlich immer noch eine Hürde, etwas derart Privates zu teilen. Ich habe selbst erlebt, dass viele es daher wertschätzen, wenn man so ehrlich zu sich und auch ihnen ist – und das wirkt sich positiv auf das Miteinander aus. Zur Wahrheit gehört aber auch: Dieser Respekt wird eben nicht überall erwiesen. Es gibt immer noch Unternehmen, die sich schwer damit tun, wenn eine Lesbe oder ein Schwuler in Führungsverantwortung ist und somit die Firma auch nach außen vertritt. Hier gibt es noch viel zu tun.

Geoutete Topmanager können Mitarbeitern als Vorbild dienen

Als Topmanager ist man es gewohnt, 10, 15 Jahre nach vorn zu schauen. Wenn ich das tue, hoffe ich, dass echte Diversität dann normal geworden sein wird. Dass die Politik sich für eine bessere Kinderbetreuung einsetzt, damit wir endlich mehr Frauen im Job und gerade auch in den Führungsetagen sehen. Dass verschiedene Lebensmodelle und Nationalitäten in deutschen Unternehmen, wenn auch nicht die Regel, aber doch zumindest nicht mehr die Ausnahme sind. Dazu müssen sowohl Unternehmen als auch die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mut und Energie zeigen. Und dabei hilft es hoffentlich, dass es ausreichend Vorbilder gibt. Die oder der Einzelne soll denken: Was die geschafft haben, kann ich auch!

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Niek Jan van Damme
© Deutsche Telekom
Niek Jan van Damme

Top-Manager und ehemaliger Vorstand, Deutsche Telekom

Niek Jan van Damme (Jg. 1967) ist Aufsichtsrat beim australischen Telekommunikationskonzern Telstra. Er war von 2009 bis Anfang 2018 Mitglied des Vorstands der Deutschen Telekom. Seit April 2010 war er zudem Sprecher der Geschäftsführung der Telekom Deutschland. Vorher führte der gebürtige Niederländer die T-Mobile Niederlande als Vorsitzender der Geschäftsführung. Van Damme begann seine berufliche Laufbahn 1986 bei Procter & Gamble. 2016 outete er sich – als erster Vorstand eines DAX-Konzerns.

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