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Nach dem Brexit – Welcher Standort wird zur neuen Finanzhauptstadt?

Es steht fest: Der Brexit kommt – wenn auch erst in zwei Jahren. Finanzunternehmen mit Sitz in London sehen sich bereits nach Alternativen um. Nicht nur Frankfurt hat gute Chancen.

Warum München nach dem Brexit gegen Berlin gewinnen wird

Mario Springer
  • Das wirtschaftliche Herz Deutschlands schlägt seit Jahren in München
  • Die Landeshauptstadt gilt laut mehreren Studien als Digitalstandort Nr. 1
  • Start-ups, die hier gegründet werden, sind größer und bringen mehr Jobs

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Kaum war der Ausgang des britischen EU-Referendums bekannt geworden, brachten sich die lautstarken Berlin-Befürworter sofort in Stellung: Die Hauptstadt sei der große Sieger des Brexits, Dutzende, nein Hunderte Start-ups – vor allem die Fintechs aus der Finanzbranche – planten bereits ihren Umzug von der Themse an die Spree. Schließlich sitze hier die Kreativität, und Berlin sei die einzig wahre deutsche Weltstadt. Fakt aber ist doch: Das wirtschaftliche Herz Deutschlands schlägt nicht in Berlin – sondern in München. Und davon profitieren auch Fintechs.

Zu den Fakten: In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es 13 Dax-, MDax- und TecDax-Unternehmen mit einem Börsenwert von insgesamt über 330 Milliarden Euro – sie alle suchen nach Investitionsmöglichkeiten in der Digitalwirtschaft. Mit über 70.000 Beschäftigten im Finanzdienstleistungssektor lassen München und Bayern die Hauptstadt locker hinter sich. An der Isar sitzen nicht nur die Branchenriesen der Versicherungen und Rückversicherungen, sondern auch Geschäfts- und Genossenschaftsbanken sowie die Sparkassen mit ihren regionalen Verbänden.

München liegt bei digitalen Talenten vorn

Kein Wunder also, dass München auch in unabhängigen Studien Berlin schlägt: Erst vor Kurzem erklärte Deloitte München zu Deutschlands Digitalstandort Nr. 1. Die Beratungsgesellschaft untersuchte dafür 14 Indikatoren wie die Stärke der IT-Industrie, digitale Unternehmensgründungen, den Pool an IT-Fachkräften oder die Anziehungskraft auf Unternehmen. Ihr Gesamtsieger war München – vor allem bei den digitalen Talenten konnte die Landeshauptstadt punkten: Hier sitzen 15 Universitäten und Hochschulen mit mehr als 100.000 Studenten, zwei der neun Eliteuniversitäten in Deutschland befinden sich hier.

Die Start-ups, die an der Isar gegründet werden, sind deutlich größer als im Rest der Bundesrepublik, wie eine Bitkom-Umfrage ermittelte. Münchner Jungunternehmer schaffen im Durchschnitt 21 neue Arbeitsplätze, in Berlin sind es immerhin noch 17 Jobs (und in Hamburg sogar nur sechs).

Finanzminister Söder ist von München überzeugt

Nicht einmal Brüssel konnte übersehen, wie wichtig München heute für die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in ganz Europa ist: Als die EU-Kommission ihren „EU-Atlas der IKT-Hotspots“ herausgab, erklärte sie die Landeshauptstadt zum wichtigsten IKT-Standort des Kontinents, gefolgt von London und Paris. Von Berlin war hier weit und breit keine Spur.

Apropos Politik: Bayerns Finanzminister Markus Söder legte Wolfgang Schäuble nahe, die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) aus London in die bayerische Landeshauptstadt zu verlegen. Schließlich soll die Bankenstadt Frankfurt am Main keine allzu große Vormachtstellung in der Bundesrepublik innehaben. Das hat nur wenig mit dem viel beschworenen bayerischen Selbstbewusstsein zu tun, sondern mehr mit der Tatsache, dass in Deutschland nur die Metropole an der Isar mithalten kann, wenn es um Finanzdienstleistungen geht.

Und zum Schluss sollten wir nicht vergessen: Im Gegensatz zu Berlin verfügt München über einen fertig gestellten Großflughafen, der als Drehkreuz in die ganze Welt fungiert. Und wann soll der Berliner BER eröffnet werden? Ach ja, richtig: 2017. Vielleicht auch 2018. In Berlin möchte man so gern abheben …

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Mario Springer
© Tradico
Mario Springer

Geschäftsführer, Deutsche Warenlager GmbH

Mario Springer ist Geschäftsführer der Deutschen Warenlager GmbH, die sich auf die Digitalisierung von Warenlagern spezialisiert hat. Zudem leitet er den Digital-Think-Tank „Agility – Denkfabrik für Industrie und Handel“ in Garmisch-Partenkirchen (www.agilitygmbh.de). Zuvor hatte er die Tradico AG gegründet und geführt. Der Sales- und Consulting-Spezialist beriet die KPMG Consulting und die Gildemeister AG.

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