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Gute Vorsätze 2020: So geht's gesünder

Mehr Sport, klar. Und nur noch die Hälfte essen, sicher doch. Aber manchmal gelingt das bessere Leben auch mit ganz einfachen Tricks - ob im Büro oder beim Fernsehen. Ist da etwas für Sie dabei?

Dr. Kai Kaufmann
  • Privates bleibt zu Hause, Gefühle gehören nicht in den Job? Das klappt nicht
  • Wer positive Gefühle nur vorspielt, betreibt kein gesundes Stressmanagement
  • Dagegen zeigen Studien, wie man von emotionaler Offenheit profitieren kann

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Manchmal könnte man meinen, Gefühle seien in Unternehmen eine wahre Terra incognita, ein unbekanntes Land. Ein beängstigendes Territorium, in das man besser nicht vordringt. Es sei denn, es geht um positive Gefühle. Die werden vom Arbeitgeber oft sogar eingefordert. Egal ob sie echt sind oder nicht.

Gefaktes Lächeln macht auf Dauer krank

Doch wer gute Gefühle im Team oder Umgang mit Kunden ständig nur vorspielt, kann davon regelrecht krank werden. Psychologen sprechen bei diesem „gefakten“ Lächeln von Surface-Acting, sogenanntem Oberflächenhandeln, wie es ganz besonders im Dienstleistungssektor üblich ist. Die US-amerikanische Emotionsforscherin Allison S. Gabriel vom Eller College of Management in Tucson, Arizona, konnte in ihren Studien einen klaren Zusammenhang zwischen ständigem „Fassadenlächeln“ und emotionaler Erschöpfung herstellen.


Schauen Sie auch hier einen XING Talk mit Professor Dietrich Grönemeyer zu der Frage, wie sich die Stressfalle umgehen lässt.


Sind aber Ängste, Wut, Traurigkeit oder andere starke Gefühle da, wird dies ohnehin in der Umgebung früher oder später wahrgenommen. Dauerhaftes Surface-Acting lässt sich nur sehr, sehr mühsam glaubhaft durchhalten und ist alles andere als eine gesunde Form von Stressmanagement.

Wer nach einer Trennung depressive Phasen erlebt, wer einen Pflegefall in der Familie hat – in manchen meiner Trainings in Unternehmen gilt dies für jeden zweiten Teilnehmer – oder wer sich im Team zu wenig wertgeschätzt fühlt, der kann davon profitieren, freier mit seinen Gefühlen umzugehen. Sich zu öffnen sei häufig eine gute Erfahrung, weil man dabei gleichzeitig seine sozialen Verbindungen stärke und psychische Belastungen reduziere, erklärt die Psychologin Dr. Eden King von der Rice University, Texas. Ihre Metastudie zeigt, dass dies auch für sehr Privates, wie zum Beispiel Schwangerschaft, sexuelle Orientierung oder psychische Probleme, gilt. Dinge, die mancher nicht aus freien Stücken verschweigt. Ein angemessenes Maß an Offenheit kann daher auch die seelische Widerstandskraft, die Resilienz, stärken.

Man ist sogar produktiver, wenn man sein wahres Ich zeigen kann

Wer sein wahres Ich zeigt, fühlt sich wohler im Job und ist mehr „committed“, also dem Unternehmen und seiner Aufgabe stärker verbunden, das belegt Kings Studie ebenfalls. Und ganz am Rande erwähnt: Laut der Untersuchung ist man so auch noch produktiver.

Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein? Nun, King macht auch auf Risiken aufmerksam, die mit emotionaler Offenheit verbunden sind. Zu Recht, denn die Auswertung einer anderen US-Metastudie von über 136 Untersuchungen zeigt, dass zu viel Authentizität durchaus der Karriere schaden kann: Studienteilnehmer, die sich als im Job sehr authentisch einschätzten, hatten seltener Führungspositionen.

„Ich hatte noch nie Nachteile, wenn ich Gefühle zeigte“

Idealerweise gibt es in Teams genügend Raum, um Gefühle und das wahre Ich ohne Sorgen oder gar Ängste zeigen zu können. Hierfür kann die Führungskraft selbst ein Beispiel sein und ein offenes Klima im Unternehmen fördern, sodass Authentizität als Stärke verstanden wird. Und möglicherweise sind viele Befürchtungen gar nicht begründet. So berichtete ein leitender Mitarbeiter in einem meiner Trainings: „Ich habe im Job noch nie einen Nachteil erlebt, wenn ich meine Gefühle oder Schwächen gezeigt habe.“


Debattieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser! Können Sie in Ihrem Unternehmen Gefühle zeigen? Oder sollte man das besser lassen? Wir freuen uns auf lebhafte Diskussionen!

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Dr. Kai Kaufmann
© Ellen Coenders
Dr. Kai Kaufmann

Trainer für Stressmanagement und Resilienz, Medical Writer

for Stressmanagement, Resilienz, New Work, Gesundheit & Soziales

Dr. Kai Kaufmann (Jg. 1964) war 15 Jahre als Führungskraft für Verlage tätig. Nach einem Burn-out stellte er die Weichen für sein Leben neu. Heute unterstützt er als Trainer für Stressmanagement und Resilienz Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Als Medical Writer publiziert er bis zu 30 Fachartikel jährlich.

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