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re:publica Spezial: Was bewegt die digitale Welt?

Anfang Mai fand die re:publica in Berlin statt. Auf der Digitalkonferenz ging es vor allem um die Themen Fake News, Hatespeech und neue Formen der Arbeit. Hier schreiben die Speaker.

Was die Mensch-Maschine-Interaktion mit unserer Psyche macht

Lydia Krüger
  • Viele Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz – doch was ist mit dem Rest?
  • Gewöhnen Sie sich schon mal an einen maschinellen Kollegen
  • Was dabei schieflaufen kann, zeigt heute schon Siri

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Digitalisierung bedeutet, dass ein Teil der heutigen Jobs durch Software ersetzt wird. Ein Teil der Beschäftigten wird voraussichtlich den Arbeitsplatz verlieren. Doch was passiert mit dem Rest – denjenigen, die ihre Jobs behalten? Für diese Menschen heißt es: willkommen, lieber Kollege Bot! Wenn der neue Kollege eine Software oder eine irgendwie geartete Maschine ist, verändert sich das Arbeiten. Es wird zur „Human-Machine Interaction“ (HMI).

Neulich wurde ich Zeugin so einer HMI. Ein Freund brüllte immer wieder in sein Handy: „SIRI, WO HAB ICH GEPARKT???“ Siri gab irgendetwas von sich, aber wollte partout nicht die richtige Antwort verraten. Für mich war das ein Sinnbild für viele Probleme, die die HMI mit sich bringt.

Zum einen macht die Technologie uns abhängig – wir können nicht mehr ohne. Wie haben wir jemals ohne Navi und Rechtschreibkorrektur überlebt? Überhaupt ohne Handy? Gehen da eventuell Fähigkeiten bei uns verloren?

Wie fehlende Autonomie unsere Motivation schwächt

Technologie schränkt uns ein. Wir können uns nur in einem gewissen Rahmen mit Maschinen unterhalten – zugegebenermaßen wird dieser Spielraum größer, je besser die Anwendungen werden. Aber dennoch müssen eher wir Menschen uns an die Maschine anpassen als umgekehrt. Wenn Sie bei einer automatischen Hotline anrufen und nur mit „Ja“ und „Nein“ antworten dürfen, kann es sein, dass Sie dabei selbst wie ein Bot klingen. Auswählen und selber entscheiden können Sie jedenfalls nur sehr bedingt.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist Autonomie jedoch eines der fünf Merkmale, die vielen Menschen für eine erfüllte Arbeit wichtig sind. Und nicht nur das: Aus der Psychologie wissen wir, dass der Grad an Autonomie sich auf die Motivation auswirkt.

Das bedeutet auch: Je mehr Überwachung, desto geringer die Motivation. Software überwacht uns effektiver, als jeder noch so unangenehme Chef es könnte. Sie weiß genau, wann wir was gearbeitet haben. Sie weiß auch genau, wer was getan hat.

Was uns von der Maschine unterscheidet

Software lässt sich nur schwer überlisten. Und das ist ein Problem – gerade für Menschen, die gern kreativ sind, Abkürzungen suchen, Dinge effektiver machen wollen. Das Programm zwingt sie in ein Schema. Mitunter ist es sogar uneffektiver, mit der Technologie zu arbeiten als ohne. Der Aufwand, sie am Laufen zu halten, ist dann höher als die versprochene Produktivitätssteigerung. Diese Tatsache wird oft ausgeblendet – sie ist bekannt als Produktivitätsparadox.

Die Interaktion mit der Maschine kann alle möglichen Emotionen im Menschen hervorrufen: von Ärger über Langeweile bis zur Überraschung. Wenn Sie also das nächste Mal Ihren Computer anbrüllen, denken Sie daran: Das ist es, was sie von der Maschine unterscheidet – Ihre Menschlichkeit. Und die sollte im Zentrum technologischer Entwicklungen stehen.


Den Vortrag „Lieber Kollege Bot“ von Lydia Krüger (M. Sc. Kommunikationsmanagement) und Friederike Euwens (M. A. Arbeits- und Organisationspsychologie) können Sie auf der Re:publica 19 hören: am 8. Mai 2019 um 13:45 Uhr im B-Part am Gleisdreieck.

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Lydia Krüger
© Krüger
Lydia Krüger

Autorin, Bloggerin und Speakerin

Die Absurditäten des Arbeitslebens sind ihr Thema. Darüber schreibt sie, unter anderem für „Zeit Online“, „Emotion“, „Edition F“ – und natürlich auf ihrem Blog „Büronymus“. Zu Themen wie New Work/Old Work, faire Führung und Frausein im Job hält sie zudem auch Vorträge. Wenn es ihre Zeit erlaubt, schreibt sie an einem Buch. Auf der Re:publica 19 spricht Lydia Krüger gemeinsam mit Friederike Euwens zu „Lieber Kollege Bot“.

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