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Frauen und Karriere: Was sind Strategien für den weiblichen Erfolg?

Machtspiele, Meetingrituale und Kommunikationstechniken – in männerdominierten Unternehmen werden Frauen gern andere Verhaltensweisen übergestülpt. Doch muss diese Nachhilfe wirklich sein?

Welche Merkmale Frauen beruflich erfolgreich machen

Prof. Dr. Tuulia Ortner
  • Jedes Jahr bewerten sich etwa 400 Frauen in einem Leadership-Contest
  • Daraus lässt sich schließen, was Frauen beruflich nach oben bringt
  • Von Chefinnen wird das Beste aus weiblicher und männlicher Welt erwartet

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Warum werden manche Frauen als Führungskräfte akzeptiert und andere nicht? Es sind bestimmte Merkmale und Verhaltensweisen, die dazu führen, dass eine Frau von anderen Führungspotenzial zugesprochen wird. In einem Wettbewerb entscheiden jedes Jahr Teilnehmerinnen des Panda-Women-Leadership-Contests, welche Mitstreiterin am meisten überzeugt hat - und wieso. Diese Daten haben wir in der Universität Salzburg ausgewertet. So konnten wir herausfinden, welche Merkmale solchen Frauen zugeschrieben wurden, die als weibliche Führungskräfte überzeugen.

In zwei aufeinanderfolgenden Jahren haben 369 Frauen mit unterschiedlich viel Führungserfahrung in wechselnden Teams von acht bis zu zwölf Personen gemeinsam an verschiedenen Aufgaben gearbeitet. Nach jeder Aufgabe vergaben die Frauen Punkte untereinander und nannten auch drei Merkmale, die sie an der jeweiligen Teilnehmerin besonders überzeugt hatten. Am Ende des Tages wurden so die „Top10“ und auch eine Gewinnerin gekürt.

Zuhören können und empathisch sein – aber auch durchsetzungsfreudig

Die Theorie sagt, dass Frauen, die als Führungskraft wahrgenommen werden wollen, sowohl klassische Rollenerwartungen an Leader (die traditionell mit maskulinen Merkmalen assoziiert sind) sowie Erwartungen an sie „als Frauen“ erfüllen müssen. Durchsetzungsstärke und Ergebnisorientierung zählen beispielsweise zu den typisch „maskulinen“ Eigenschaften, Empathie und Kooperationsbereitschaft gelten als typisch feminine Merkmale. Der Wettbewerb zeigte, dass im Verhältnis sowohl zu viele als auch zu wenig von beiden zugeschriebenen Aspekten hinderlich sind, um bei anderen zu punkten: Am besten schnitten die Frauen ab, die sowohl typisch maskuline wie auch typisch feminine Merkmale an den Tag legten – und zwar im richtigen Mischungsverhältnis. Frauen sind also dann erfolgreich, wenn sie beispielsweise gut zuhören und auf Teammitglieder eingehen können, sich dabei aber zugleich als entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig zeigen.

Mit unseren Ergebnissen wird deutlich, dass Frauen einen schwierigen Spagat schaffen müssen: Um als Führungsperson wahrgenommen zu werden, müssen sie gegensätzliche, sich teilweise sogar widersprechende Anforderungen erfüllen. Aus der Forschung ist bekannt, dass das Vernachlässigen femininer Eigenschaften bei Frauen in Führungspositionen deutlich stärker abgestraft wird als bei Männern. Frauen benötigen im Umkehrschluss also jeweils eine in der Summe höhere Sozialkompetenz, um eine angemessene Mischung dieser Merkmale glaubhaft und situationsangemessen zu transportieren. Dies kann letztlich auch als eine von mehreren möglichen Erklärungen dafür herangezogen werden, wieso in zahlreichen Bereichen immer noch weniger Frauen als Führungskräfte arbeiten als Männer.

Gute Führung heißt, androgyn zu sein – das gilt auch für Männer

Es bestehen noch immer deutlichere Erwartungen an Frauen, wie sie sein sollten, als an Männer: Ein Mann, der im Assessment-Center nicht lächelt, wird nicht zwingend als unsympathisch oder sozial weniger kompetent angesehen, bei Frauen sieht das häufig anders aus. Ähnliches berichten laut Isabelle Hoyer, einer Mitbegründerin von Panda, auch viele Frauen aus dem Netzwerk der Organisation: „Die Forschungsergebnisse bestätigen eine zwar häufig empfundene, aber schwer zu benennende, geschweige denn zu belegende Herausforderung in Führungspositionen, die insbesondere Frauen betrifft – nämlich dass oft mit zweierlei Maß gemessen wird.“

Wenn wir die Kompetenzen betrachten, die heute mit Führungskräften assoziiert werden, lässt sich bemerken, dass auch von Männern zunehmend erwartet wird, zuzuhören, Beziehungen zu Mitarbeitenden zu pflegen, eine positive Atmosphäre zu erzeugen und andere einzubeziehen. Auch in meinem Umfeld sehe ich, dass professionelle Führungskräfte heute nicht in erster Linie Frau oder Mann sind, sondern erwartet wird, dass sie flexibel je nach Situation reagieren und ein entsprechend breit gefächertes Portfolio an Kompetenzen mitbringen, in diesem Sinne also androgyn sind.

Wie sehen Sie das? Wie wollen Sie geführt werden?

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Prof. Dr. Tuulia Ortner
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Prof. Dr. Tuulia Ortner

Psychologin, Universität Salzburg

Tuulia Ortner promovierte in an der Universität Wien und war an der Freien Universität Berlin zunächst als Juniorprofessorin und später als Universitätsprofessorin tätig. Seit 2012 erforscht sie als Leiterin der Abteilung für Psychologische Diagnostik an der Universität Salzburg, welche Merkmale von Tests und von Testsituationen dazu beitragen, dass Personengruppen benachteiligt werden, und wie Instrumente der Personalauswahl gestaltet sein müssen, damit sie fair sind.

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