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Amtsenthebung Trumps: Was passiert, wenn der Präsident vorzeitig geht?

Die Stimmen, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump fordern, werden immer lauter. Doch hätte ein Ausscheiden des US-Präsidenten nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Folgen.

Wenn Trump geht, werden Wirtschaft und Investitionen leiden

Alexander Daniels
  • Aktuell deutet noch nichts auf eine Rezession in den USA hin
  • Eine Amtsenthebung könnte die Kapitalmärkte jedoch erschüttern
  • Parallelen zu den Vorfällen in der Zeit Nixons sind offensichtlich

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Die politische Lage in den USA spitzt sich momentan immer weiter zu. Inzwischen wurde bereits ein unabhängiger Sonderermittler vom US-Justizministerium ernannt, um die Verbindungen Donald Trumps und seines Wahlkampfteams zu Russland zu untersuchen. Je nach Ausgang dieser Untersuchung könnte dem US-Präsidenten die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens drohen.

Auch wenn sich Geschichte nicht wiederholt, sind die Parallelen zu den Vorfällen in der Präsidentschaft Richard Nixons offensichtlich. Teile der US-Bevölkerung waren durch den Vietnamkrieg von den amtierenden Politikern enttäuscht und wollten einen Neuanfang an der Spitze. Nixon selbst setzte bei seiner Präsidentschaft auf einen kleinen Kreis engster Berater, die alle seine Vorstellungen für ihn umsetzen sollten. Diese Berater standen vor der Präsidentschaft Nixons oft persönlich oder geschäftlich mit diesem in Verbindung. Die traditionellen Institutionen, wie etwa die Ministerien, erlebten einen Bedeutungsverlust, da sie keinen Zugang zu dem Nixon-Beraterkreis hatten. Seit Beginn der Amtszeit gab es „leaks“, die gezielt veröffentlicht wurden, um seine Glaubwürdigkeit zu unterwandern.

Wiederholt sich die Geschichte?

Die Nixon-Regierung griff in der Folgezeit auf illegale Maßnahmen zurück, um die eigene Macht zu stützen – eine dieser Taten war der Einbruch in den Watergate-Komplex 1972, der letztendlich den Rücktritt Nixons in Gang brachte. Um die möglichen Auswirkungen auf die Aktienmärkte bei einer ähnlichen Entwicklung bei Donald Trump abzuschätzen, lohnt sich ein Blick auf die Kursentwicklung rund um die politischen Ereignisse vor 45 Jahren.

Nach dem Bekanntwerden des Watergate-Einbruchs im Juni 1972 reagierte der US-Aktienmarkt zunächst nicht; die Kurse stiegen sogar noch weiter an. Aber in den zwei folgenden Jahren fielen sie um insgesamt circa 50 Prozent. Der Tiefstand folgte nur wenige Wochen nach Nixons Rücktritt und der Vereidigung seines Vizepräsidenten Gerald Ford.

Allerdings wäre es zu einfach, den gesamten Kursrückgang auf die Unruhe um den US-Präsidenten zurückzuführen. In den Jahren 1973 und 1974 kam es in den westlichen Industrienationen zu einer Rezession, die durch die OPEC-Förderkürzung ausgelöst wurde („Ölkrise“).

Auswirkungen auf allen Ebenen

Aktuell deutet nichts auf eine Rezession in den USA hin, jedoch könnten sich die Vorzeichen bei einem drohenden Amtsenthebungsverfahren schnell ändern. Politisch dürfte dann während der Laufzeit des Verfahrens Stillstand drohen, sodass insbesondere die wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen Trumps nicht umgesetzt werden dürften. Auch könnte in diesem Umfeld der Unsicherheit das generelle Investitionsklima leiden, da sich viele Unternehmen bis zur Klärung der politischen Situation zurückhalten dürften, sodass sich auch in diesem Punkt eine weitere Parallele zur Geschichte ergeben könnte.

Die Risiken der aktuellen amerikanischen Politik sind also nicht nur in gesellschaftlicher Hinsicht, sondern auch für die Kapitalmärkte bedeutend. Bei einer Amtsenthebung Donald Trumps könnten die Auswirkungen für beide Bereiche durchaus bedeutende Weichenstellungen für die kommenden Jahre nach sich ziehen.

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Alexander Daniels
© Alexander Daniels
Alexander Daniels

Vorstand, Knapp Voith Vermögensverwaltungs AG

Alexander Daniels studierte in Hamburg Betriebswirtschaft und war seit 1990 im Family Office der Industriellenfamilie Knapp Voith beschäftigt. Seit Gründung der Knapp Voith Vermögensverwaltungs AG 1998, die aus dem Family Office hervorgegangen ist, ist er deren Vorstand. Daniels verwaltet mehr als 100 Millionen Euro für wohlhabende private und unternehmerische Kunden, außerdem ist er im Anlageausschuss eines Europa-Fonds tätig.

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