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Trend #4 – Work-Life-Separation: Sorry, Chef, das muss echt warten!

Die Generation Z fordert weniger Stress und mehr Leben. Arbeitgeber werden stärker darauf achten müssen, dass Feierabend und Wochenende frei bleiben. Ist die Trennung überhaupt sinnvoll und notwendig?

Wer für etwas brennt, kümmert sich nicht um den Feierabend

Mirko Kaminski
  • Weil mein Beruf meine Passion ist, arbeite ich auch an Wochenenden
  • Das Leben ist zu kurz, um einen Job zu haben, der nicht glücklich macht
  • Statt über zu viel Arbeit zu klagen, suchen Sie lieber eine, die Sie erfüllt

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Ich persönlich habe die Diskussion über eine strikte Trennung zwischen Job und Freizeit nie nachvollziehen können. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich das sagenhafte Glück habe, den Beruf gefunden und gewählt zu haben, der gleichzeitig meine größte Leidenschaft ist: Kommunikation. Nicht erst als Gründer und Unternehmer setze ich mich auch abends an den Rechner, um Ideen zu entwickeln. Ich nutze mein Smartphone am Wochenende und im Urlaub, wenn mir eine Idee gekommen ist, wenn ich Gedanken festhalten oder mit anderen teilen möchte. Zwischen meiner Frau und mir hat sich sowas wie ein Running Gag entwickelt. Sieht sie mich abends am Esszimmertisch vor dem Notebook, fragt sie: „Arbeit?“, und ich antworte dann nur halb scherzhaft: „Hobby!“

Na klar: Es gibt auch mal Zoff, weil ich dann gerade vielleicht gerade kein Ohr habe und nicht aufmerksam bin, weil mich gerade ein anderes Thema wie zum Beispiel das Problem eines Kunden fesselt. Fest steht aber: Ich wäre kein so glücklicher Mensch, wenn ich nicht meine Passion zum Job gemacht hätte beziehungsweise überhaupt festgestellt hätte, dass eben dies, nämlich Kommunikation, meine große Passion ist.

Dies ist nicht die Generalprobe des eigenen Lebens

Wir hatten als Agentur einmal Marketing- und Kommunikationsentscheider zu einer Veranstaltung eingeladen. Da ging es eigentlich um neue Trends im Marketing. Nach dem Vortrag meldete sich dann ein Mitarbeiter aus dem Marketing eines großen Kosmetikunternehmens. Er stand auf und schilderte allen Anwesenden, warum sein Job keinen Spaß machen würde, und erzählte gequält, mit welchen Barrieren, administrativen Hürden und Problemen er intern jeden Tag aufs Neue zu kämpfen hätte. Er wirkte überhaupt nicht so, als würde ihm sein Job Spaß machen.

Und dann passierte etwas, dass sich regelrecht in mein Gedächtnis gebrannt hat. Die Kommunikationschefin eines großen Personaldienstleisters stand ebenfalls auf und erwiderte: „Oje. Sie scheinen nicht das machen zu können, was Sie wirklich erfüllt. Ziehen Sie rasch die Konsequenzen! Sie befinden sich schließlich nicht nur in der Generalprobe Ihres Lebens. Es ist bereits die eigentliche Aufführung!“

Ich stimme der Frau zu. Unsere Zeit ist zu kostbar, um Dinge zu tun, die uns nicht mit Leidenschaft erfüllen. Und da stellt sich mir die Frage: Haben vielleicht jene, die Beruf und Freizeit strikt trennen wollen, noch nicht den Beruf gefunden, der sie zum Lodern bringt und ihrer Leidenschaft entspricht?

Konsequent sein, wenn es noch nicht das Richtige ist

Ich hatte einmal eine Mitarbeiterin, die eines Tages in mein Büro platzte und sagte: „Mirko, tut mir leid, aber ich habe festgestellt, dass Agentur und Kommunikation nichts für mich sind. Ich brenne einfach nicht dafür. Und daher muss ich jetzt kündigen.“ Wow. Das war konsequent. Es war Wiebke Lüdemann. Sie machte dann etwas vollkommen anderes und eröffnete in Hamburg ein Geschäft. Es heißt „Porzellanfräulein“. Dahin gehen Familien, Kindergeburtstagsgruppen, Schulklassen, bemalen Porzellan und lassen es brennen. Ein Ort, um gemeinsam Spaß zu haben. Ich habe später mal mit Wiebke telefoniert. Sie erzählte mir, dass sie unglaublich glücklich sei und überdies erfolgreich. Der Laden läuft. Ich glaube nicht, dass sie in irgendeiner Weise zwischen Job und Freizeit trennt. Sie hat gefunden, wofür sie brennt.


15 Jahre XING

Vor 15 Jahren gab es weder soziale Medien noch Smartphones, agiles Arbeiten war hierzulande unbekannt. Unvorstellbar, was in den kommenden 15 Jahre alles Neues entstehen und wie sich unsere Arbeitswelt entwickeln wird! In welchen Berufen werden wir künftig überhaupt arbeiten – und wie? Wie verändert die künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess? Wird die Arbeitswelt von morgen gerechter sein – oder tiefer gespalten?

Zusammen mit dem Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, Professor Peter Wippermann, hat XING 15 Trends untersucht, die Arbeitnehmer und Unternehmen betreffen und die Gesellschaft verändern werden. Unsere Prognosen basieren auf der wissenschaftlichen Expertise des Trendbüros, einer repräsentativen Umfrage unter den XING Mitgliedern und E-Recruiting-Kunden sowie aus unserer Erfahrung als Vorreiter beim Thema New Work.

Die 15 Trends lassen wir ab dem 5. November täglich auf XING diskutieren – hier auf XING Klartext, von unseren XING Insidern und im XING Talk. Alle Beiträge finden Sie gesammelt auf einer News-Seite.

  • In der Woche ab dem 5. November dreht sich alles darum, was sich für den einzelnen Arbeitnehmer ändert.
  • Ab dem 12. November diskutieren wir eine Woche lang die Folgen des Wandels für Unternehmen.
  • Eine Woche später, ab dem 19. November, thematisieren wir, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird.

Bei Fragen, Feedback und Ideen erreichen Sie die Redaktion von XING News unter klartext@xing.com. Wir freuen uns auf spannende und hitzige Diskussionen!

Veröffentlicht:

Mirko Kaminski
© Mirko Kaminski
Mirko Kaminski

Gründer und CEO, Kommunikationsagentur achtung!

für Business, Marketing, Kommunikation

Mirko Kaminski (Jg. 1971) leitet die Kommunikationsagentur achtung!, die er 2001 gründete. Die Agentur beschäftigt 160 Mitarbeiter in Hamburg und München und ist für Kunden wie ebay, MINI, und SWISS tätig. Nach seinem Politik-Studium und Tätigkeiten unter anderem für Radio Schleswig-Holstein (R.SH) arbeitete er bei der internationalen Kommunikationsberatung Burson-Marsteller und war anschließend als Pressesprecher für die Citibank Deutschland tätig.

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