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Selbstständig oder angestellt: Welche Arbeitsform macht zufriedener?

Selbstständiges Arbeiten verbinden viele mit Freiheit und Eigenverantwortung. Unwägbarkeiten und Unsicherheiten werden dabei oft ausgeblendet. Mehr Freiheit bedeutet oft auch: mehr Risiken!

Werden Festangestellte bequem, fehlen klare Karriereziele

Dr. Claus-Georg Nolte
  • Aufstiegschancen motivieren nachhaltiger als Zukunftsängste
  • Leistungsdruck wirkt, ist aber nur eine Seite der Medaille
  • Vor allem junge Talente brauchen klare Perspektiven

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Zukunftsangst wirkt, das zieht niemand in Zweifel. Besonders anschaulich zu sehen ist dies im Profifußball. Abstiegsbedrohte Mannschaften raffen sich häufig gegen Saisonende zu einem Endspurt auf, um den Abstieg abzuwenden. Nicht selten zeigen sie dann eine respektable Leistung, die über die ganze Saison erbracht sogar für einen Tabellenplatz im vorderen Drittel gereicht hätte. In der Regel reicht die Leistung für den Klassenerhalt. Allerdings hallt dieser angstinduzierte Motivationsschub vielfach nicht lange nach, Leistungsträger und junge Talente verlassen den Verein. So finden sich die Teams in der darauffolgenden Saison erneut auf den letzten Tabellenplätzen wieder. Im Berufsleben verhält es sich oft vergleichbar.

Zukunftsangst ist ein Kurzzeitmotivator, wirkt allerdings nicht nachhaltig

Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen ergeht es ähnlich. Die Angst davor, dass bei schwacher Leistung die Stelle nicht verlängert wird, kann einen kurzzeitigen Motivationsschub bewirken. Diese Art des negativen Leistungsdrucks ist allerdings auf Dauer für die Gesundheit der Betroffenen schädlich und wirkt sich somit langfristig negativ auch auf ihre Arbeitsleistung aus. Eine vernünftige berufliche und private Zukunftsplanung ist mit befristeten Stellen schwer möglich. Spätestens wenn die Stelle ein drittes Mal nur befristet verlängert wird, macht man sich als Arbeitnehmer*in auf die Suche nach einem neuen Job. Es sei denn, es gibt eine realistische Karriereperspektive im Unternehmen.

Das oft bemühte Beispiel der befristet angestellten Akademiker, die mehr Forschungsartikel veröffentlichen als ihre Kolleginnen mit Festanstellung, übersieht genau das. Befristet angestellte Wissenschaftlerinnen arbeiten meist an einer Promotion und haben somit ein klares Karriereziel. Im Idealfall gibt es zusätzlich eine Betreuungsvereinbarung mit dem/der Professorin, die garantiert, dass nach einer bestimmten Anzahl und Qualität von Veröffentlichungen der Doktortitel sicher ist. Somit sind Etappenziele definiert, und Teilerfolge werden sichtbar. Das konstruktive Feedback aus den Reviews von Forschungsbeiträgen hilft Promovierenden, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten, um besser zu werden. Der Druck, veröffentlichen zu müssen, sorgt dafür, auch nach Misserfolgen am Ball zu bleiben und an festgestellten Defiziten zu arbeiten. Die jungen Wissenschaftler*innen motiviert also nicht vorwiegend die Angst vor der Nichtverlängerung ihrer befristeten Stelle, sondern vielmehr der klare Pfad und die Aussicht auf den Doktortitel sowie die sich anschließende Karriere.

Erfolgsformel: großes Ziel, kleine Schritte, klares Feedback

Das angeführte Beispiel der jungen Akademiker*innen zeigt die drei wesentlichen Aspekte zur Langzeitmotivation im Job: ein klares Karriereziel, definierte Schritte auf dem Weg dorthin, die die Erfolge sichtbar machen, und eine Kombination aus konstruktivem Feedback und Leistungsdruck. Übergeordnete Karriereziele sind Quelle der Langzeitmotivation. Solche Ziele können zum Beispiel die nächste Beförderung oder der Anspruch auf ein Sabbatical sein. Zusätzlich ermöglicht ein realistischer Karriereplan mit Teilschritten wie Projektabschlüssen oder Fortbildungen Erfolgserlebnisse und macht die eigenen Fortschritte sichtbar, selbst wenn das große Karriereziel noch weit entfernt ist. Darüber hinaus ist eine Kombination aus offenem Feedback und Leistungsdruck förderlich, um aus den eigenen Fehlern zu lernen und daran zu wachsen.

Wenn also Menschen in Festanstellung bequem werden, ist die Ursache nicht zwingend die sichere Beschäftigung. Viel wahrscheinlicher fehlt ihnen mindestens einer der drei aufgeführten Punkte, um die Motivation hoch zu halten. Ohne erkennbare Aufstiegschancen gibt es keine Quelle für langfristige Motivation. Wenn Teilerfolge nicht sichtbar werden, schwindet die Ausdauer, und ohne offenes Feedback fällt es schwer, zu erkennen, wo und wie man sich noch verbessern kann.

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Dr. Claus-Georg Nolte
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Dr. Claus-Georg Nolte

Wissenschaftler & Business Analyst

Dr. Claus-Georg Nolte (Jg. 1985) hat am Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg promoviert und gearbeitet. Derzeit befindet er sich im Bewerbungsprozess.

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