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Gute Vorsätze für 2019: Wie gelingt der Karriere-Start ins neue Jahr?

Jetzt soll es endlich soweit sein: die fällige Beförderung, ein spannenderer Job oder ein Neustart als digitaler Nomade. Aber wie sorgt man dafür, dass der Karriereturbo diesmal wirklich anspringt?

Werden Sie zum Best-of-Optimisten – Ihrer Karriere zuliebe

Prof. Dr. phil.  Jens Weidner
  • Sie brauchen einen Mix aus Realitätssinn und Zukunftsglauben
  • Bleiben Sie hart in der Sache, aber sanft in der Form
  • Setzen Sie auf Ihre Fähigkeit zur Mental Timetravel

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Sie suchen noch nach einer Haltung gegenüber dem neuen Jahr? Dann werden Sie doch zum Best-of-Optimisten! Diese Erfolgsspezies folgt dem Motto: Hope the best and care for the rest. Bei Trägern dieser Einstellung wechseln sich eine maßvolle berufliche Risikobereitschaft und Konsolidierungsphase, in der man sich erholt, ab. Gas geben und danach entspannen. So halten auch Sie durch, ganz ohne Stress-Psychosomatosen. Sie zeichnen sich durch eine geistige Flexibilität aus, mit der Sie Ihre Ziele verfolgen. Sie sind Gestalter und Verantwortungsträger, sozial eingebunden und erstklassig vernetzt.

Risikobereitschaft? Ja, aber mit kühlem Kopf

Best-of-Optimisten gelangen in einflussreiche Positionen, weil sie Herausforderungen suchen und zur richtigen Zeit Risiken eingehen. Ihre Kraft ziehen sie aus gemeisterten Krisen. Sie geben ihnen die Gewissheit, auch zukünftig schwierige Phasen bewältigen zu können. Die Mischung aus Machbarkeitsanalyse und gesundem Menschenverstand hilft ihnen dabei.

Wie diesem ostdeutschen Bankdirektor: „Warum haben Sie eigentlich damals keine Lehman-Papiere gekauft?“, fragte ich ihn, der gleichzeitig Präsident eines Fußball-Zweitligisten ist. Er antwortet nicht, sondern winkt seine beiden stellvertretenden Direktoren zu uns. Die springen sofort auf und kommen an unseren Tisch. Die Hierarchie funktioniert also in dieser Bank. „Warum hatten wir keine Lehman-Papiere?“ Sein erster Stellvertreter antwortet: „Die habe ich durchgelesen. Hab’s aber nicht richtig verstanden. Ich habe daher meinen Kollegen um seine Expertise gebeten.“ Der ergänzt: „Ja. Ich hab’s mir auch durchgelesen. Hab’s aber auch nicht richtig begriffen, wie das funktionieren soll. Aber wir sind ja nur die Stellvertreter. Deswegen haben wir unseren Chef gefragt.“ Der antwortet mir jetzt: „Aber ich hab’s auch nicht richtig erfasst. Sehen Sie, wenn drei gestandene Banker es trotz Nachdenkens nicht auf Anhieb verstehen, dann sind die drei entweder inkompetent oder das Produkt wirft zu viele Fragen auf. Deswegen hatten wir nichts von Lehman.“

Kluge Banker. Sie haben sich nicht vom Hype um diese Papiere anstecken lassen. Ihre Kunden haben es ihnen gedankt. Machbarkeitsanalyse plus gesunder Menschenverstand plus der Zukunftsglaube an das Machbare – das ist die Erfolgsformel der Best-of-Optimisten. Im Gegensatz zum Pessimisten trauen sie sich einiges zu. Der Pessimist sieht die Schwierigkeiten bei jeder Gelegenheit. Der Optimist erkennt dagegen die Gelegenheit bei jeder Schwierigkeit.

Man umgibt sich gern mit Best-of-Optimisten

Dabei hilft ihnen, dass sie sowieso häufiger Chancen erhalten. Denn bei gleicher Qualifikation werden Best-of-Optimisten gern bevorzugt. Sie bekommen eher die gewünschte Position. Eher den Auftrag. Sie verhandeln erfolgreicher. Warum? Weil man sich im Business gern mit ihnen umgibt. Weil die Zusammenarbeit mit ihnen angenehm ist. Weil man ihren Willen zum Win-win erkennt. Weil sie trotz des beruflichen Drucks gelassen wirken und gut gelaunt bleiben. So eine Ausstrahlung macht auch anderen Hoffnung auf Erfolg.

Echte Optimisten folgen Rousseaus optimistischem Menschenbild, das im Kern des Menschen Gutes sieht. Sie kennen aber auch Hobbes’ pessimistische Anthropologie vom Menschen, der des Menschen Wolf ist. Deswegen prüfen Best-of-Optimisten sehr genau, wen sie vor sich haben. Den Fairen begegnen sie mit Kollegialität und Nachhaltigkeit. Den Abgebrühten bieten sie die Stirn, denn sie spüren das Glitschen, wenn man anfängt, sie über den Tisch zu ziehen. Denn sie sind nicht naiv. Sie wissen, dass es gute Gründe geben kann, schwarz zu sehen. Sie packen an, mit einem Repertoire zwischen liebevoller Umarmung und Würgegriff.

Jeder bekommt nur das, was er verhandelt

Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn der Best-of-Optimist sieht in einer Enttäuschung nicht ein Misslingen, sondern die Befreiung von einer Täuschung! Man muss das Gute ja auch durchsetzen können. Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Verwaltung wissen das und nehmen daher berufliche Härten billigend in Kauf. Fortiter in re, suaviter in modo – hart in der Sache, sanft in der Form. Best-of-Optimisten folgen dem Prinzip: Je durchsetzungsstärker die eigene Reputation, desto freundlicher kann man agieren. Es ist eine der Lieblingsformeln des Verhandlungsprofis Matthias Schranner, denn niemand bekommt das, was er verdient, sondern nur das, was er verhandelt.

Best-of-Optimisten pflegen diese strategische Lust. Im entscheidenden Moment sind sie hochkonzentriert. Sie wollen das Problem lösen. Jetzt. Oder mit Geduld in drei Wochen oder in drei Jahren. Ihre Lösungsorientierung hat einen verdammt langen Atem. Ihr optimistisches Gehirn hat dabei das Talent, gedanklich in diese hoffnungsvoll-erfolgreiche Zukunft reisen zu können, und ihr Netzwerk hilft ihnen, diese Reise auch praktisch umzusetzen. Diese Mental-Timetravel-Fähigkeit ist einer der Schlüssel ihres Erfolges.

Nutzen Sie diese Erkenntnis für Ihr neues Jahr und werden Sie damit noch erfolgreicher und noch glücklicher!


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser! Was halten Sie von dem Ansatz des Autoren? Kennen Sie persönlich Best-of-Optimisten und wie erfolgreich sind die? Wir freuen uns auf lebhafte Diskussionen!

Veröffentlicht:

Prof. Dr. phil.  Jens Weidner
© Prof. Dr. phil. Jens Weidner
Prof. Dr. phil. Jens Weidner

Managementtrainer und Kriminologe, HAW Hamburg

für Durchsetzungsstärke und Positive Aggression

Weidner (Jg. 1958) lehrt Kriminologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, ist Autor von „Optimismus. Warum manche weiter kommen als andere“ (Campus) und ist im Vorstand des Clubs der Optimisten. Zehn Jahre lang behandelte er Kriminelle und entwickelte das „Anti-Aggressivitäts-Training“ für Gewalttäter. Außerdem untersucht er Machtspiele im beruflichen Umfeld, lehrt dazu als Managementtrainer am Schranner Negotiation Institute in Zürich und hält Businessvorträge.

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