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Gesellschaft der Zukunft: Wo und wie werden wir in Zukunft wohnen?

Ins horrende ansteigende Mieten und kaum noch Platz: Geht es so weiter, kann sich das Leben in Ballungsräumen nur noch eine Minderheit leisten. Wie können wir diesen Trend stoppen?

Werfen Sie einen Blick auf die Zukunft der Städte

Prof. Dr. Marianne Reeb
  • 55 Prozent der Menschen weltweit wohnen aktuell im urbanen Raum
  • Je dichter die Städte werden, desto intelligenter müssen wir sie gestalten
  • Werfen Sie mit mir einen Blick in das Wohnen und Fahren der Zukunft

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Lassen Sie sich auf ein kleines Gedankenexperiment ein: Sie sind spät dran. Sie haben Ihren intelligenten Assistenten heute früh gleich viermal gebeten, Sie noch fünf Minuten schlafen zu lassen. Beim fünften Mal hat er kein Erbarmen mehr und fährt automatisch die Jalousien hoch. Im Bad läuft schon das Webradio. Stau- oder Unfallmeldungen? Fehlanzeige!

Sie treten aus Ihrer Wohnung und treffen auf Ihre Nachbarn. Sie wohnen in einem Quartier mit dorfähnlichem Charakter: Zwischen den Wohnhäusern befinden sich kleine Höfe, Plätze, Gassen und viele Grünflächen. Hier leben Sie gemeinsam mit Studenten, Singles, Familien und Senioren.

Sie müssen zum Flughafen, und Ihr virtueller Assistent hat rechtzeitig einen Wagen bestellt. Der Wagen hält pünktlich vor Ihrer Haustür. Sie steigen ein, das Fahrzeug kennt das Ziel und nimmt die günstigste Route zum Flughafen. Sie sitzen währenddessen bequem im Sitz und beantworten die ersten Nachrichten des Tages. Das Auto lenkt völlig autonom durch den Verkehr.

In Berlin-Adlershof wird die Vision Wirklichkeit

All das muss keine Utopie bleiben, sondern könnte in Zukunft real sein. Wohnungen, Verkehrsmittel und Infrastruktur – alles ist miteinander verknüpft und gestaltet unseren Alltag reibungslos und bequem. Ein erstes solches Projekt in diese Richtung entsteht gerade in Berlin-Adlershof. Bei solchen smarten Quartieren geht es uns vor allem darum, die Bereiche Mobilität, Energie und Wohnen im Alltag miteinander zu vernetzen. Das heißt, wir wollen das Leben für die Bewohner lebenswerter machen. Daneben liefert die Vernetzung verschiedener Lebensbereiche auch große Potenziale für ein nachhaltigeres Zusammenleben in der digitalisierten Stadt.

Wenn man es genau nimmt, müssten wir eher über Smart Regions als nur über Smart Citys sprechen. Denn auch Pendler und die Anbindung ihrer Wohnorte an die Städte sind ein wichtiger Faktor in dieser Rechnung. Konkret könnte das bedeuten, dass der Verkehrsstrom aus Wasserstoff- und E-Autos aus dem Umland am Stadtrand endet und die Fahrerinnen und Fahrer hier auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Zum Beispiel auf eigene oder Leihfahrräder, E-Scooter, Straßenbahnen oder Wasserstoffbusse. Heute zeigt sich dieses System schon in Park-and-Ride-Parkplätzen. Damit ist die Idee allerdings noch längst nicht zu Ende gedacht. Denn bald könnten auch fahrerlose Shuttles, Flugtaxis wie der Volocopter oder Seilbahnen zum Stadtbild gehören.

An Regulierung kommen wir nicht vorbei

Wir müssen nicht nur das Umsteigen bequem machen, sondern auch exakt die Verkehrsmittel bieten, die uns schnell und effizient ans Ziel bringen. Und zwar an den Stadtgrenzen genauso wie in der Stadt selbst. Das wird für viele Situationen weiterhin das eigene Auto sein, in vielen anderen aber auch andere Verkehrsmittel. Wir werden deutlich bessere Vergleichsmöglichkeiten haben und damit besser entscheiden können, welche Alternative jetzt gerade schneller, bequemer, preiswerter oder umweltfreundlicher ist.

Und Vernetzung bietet nicht nur die Möglichkeit, den individuellen Nutzen zu optimieren. Es können auch Anreize für ein optimales Verhalten des Einzelnen zum Wohle aller geschaffen werden. Ich denke an eine Art Bonusmodell: Wenn ich als Autofahrer an einem Tag anstatt meiner stark frequentierten Standardroute auf ein anderes Verkehrsmittel ausweiche, bekomme ich einen Punkt. Und wenn ich zehn davon gesammelt habe, darf ich einmal kostenlos parken. Damit haben wir einen starken Hebel, um den Verkehr zu regulieren. Bei solchen Modellen setzt die Politik heute noch gar nicht an.

Ich selbst pendle übrigens zwischen Berlin und Stuttgart und nutze schon heute eine Vielzahl unterschiedlicher Verkehrsmittel – je nach Situation und Stimmung. Gern eines unserer Plug-in-Hybride oder die Bahn.


Diskutieren Sie mit: Wie stellen Sie sich das Leben in einer smarten Stadt vor? Was müsste diese Stadt Ihrer Meinung nach können?

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Prof. Dr. Marianne Reeb
© Daimler AG/Maks Richter
Prof. Dr. Marianne Reeb

Zukunftsforscherin, Daimler

Die Wirtschaftswissenschaftlerin (Jg. 1963) ist Zukunftsforscherin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei der Daimler AG. Durch ihre Doktorarbeit über zukünftige Lebensstile kam sie in die Forschungsgruppe Gesellschaft und Technik. Heute konzentriert sich Reeb mit ihrem Team auf die Zukunft der urbanen Mobilität und intelligenter Regionen. Neben ihrer Tätigkeit für den Konzern ist sie Honorarprofessorin für Zukunftsstudien an der Fachhochschule Potsdam. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart und Berlin.

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