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Trend #6 – Robo-Recruiting: Stellen uns künftig Maschinen ein?

87 Prozent der von XING befragten Personaler rechnen damit, dass künstliche Intelligenz in 15 Jahren eine wesentliche Rolle spielt. Wer trifft bessere Personalentscheidungen: Mensch oder Maschine?

Wie ein Theologe zu meinem Sales-Mitarbeiter wurde – ohne KI

Nora Heer
  • Eigentlich passte der Bewerber vom Lebenslauf her gar nicht zum Unternehmen
  • Es war ein einziger Satz in seinem Anschreiben, der mich neugierig machte
  • Künstliche Intelligenz hätte den Kandidaten garantiert aussortiert

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Sollten Unternehmen bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter künstliche Intelligenz mitentscheiden lassen? Können uns Algorithmen helfen, die Wunschkandidaten zu finden? Ich würde das so beantworten: Ja – sofern sie keine Exoten im Unternehmen haben wollen.

Meinen eigenen Schlüsselmoment bescherte mir das Anschreiben eines Theologen, der sich bei uns auf eine Sales-Position bewarb. Vom Lebenslauf her hätte ich direkt gesagt: Passt nicht zu uns. Auch jede künstliche Intelligenz hätte das vermutlich so bewertet. Doch da war er, der eine Satz, der mich im Inneren für Anschreiben begeistert hat. Sieben Wörter: „Wer Gott verkaufen kann, kann alles verkaufen!“ Da wusste ich: Ich will diesen Menschen im Vorstellungsgespräch kennenlernen.

Das Bild, das ich mir von ihm aufgrund seines Anschreibens gemacht hatte, entsprach der Realität. Auch live überzeugte mich der Bewerber. Mir war zwar klar, dass ich mit der Anstellung dieses Exoten ein Risiko eingehen würde, doch das erschien mir nach dem Gespräch als keine unüberwindbare Hürde. Ich war nun ebenfalls überzeugt: Wer Gott verkaufen kann, kann auch Software verkaufen.

Bauchgefühl besser als der Algorithmus

Heute weiß ich, dass es sich gelohnt hat, meinen neuen Kollegen nicht streng nach Lebenslauf zu bewerten, sondern den positiven Eindruck, den er mit seinem Anschreiben und im persönlichen Kontakt hinterlassen hat, stärker zu gewichten. Wir haben lange sehr gut zusammengearbeitet, und der unpassende Kandidat hat sich als echter Gewinn für unser Unternehmen entpuppt – ein weiterer Farbton in der Palette unserer ohnehin schon bunten Truppe.

Einem auch noch so cleveren Algorithmus wäre diese „Perle“ garantiert durch die Lappen gegangen. Algorithmen können nicht zwischen den Zeilen lesen und haben auch wenig Sinn für Humor. Sie durchforsten Lebensläufe und gleichen stur Anforderungen ab. Zu mehr reicht es halt nicht. Quereinsteiger, Menschen mit unüblichen, nicht kerzengeraden Lebensläufen fallen durch das Keywordraster.

Nur Menschen erkennen menschliche Facetten

Natürlich ist es so, dass die Digitalisierung von Prozessen – gerade in HR – wichtig und sinnvoll ist und neue Möglichkeiten eröffnet, die es konsequent zu nutzen gilt. Man sollte das Kind aber nicht mit dem Bade ausschütten, sondern erkennen, wo Algorithmen an ihre Grenzen stoßen und der Mensch ins Spiel kommen muss.

Die besten Bewerber sind die, die es schaffen, schriftlich und im direkten Gespräch ihre menschlichen Besonderheiten herauszuarbeiten. Um aber diese individuellen Facetten zu erkennen und bewerten zu können, bedarf es immer noch Menschen. In manchen Debatten unter Personalexperten könnte man den Eindruck bekommen, das gute alte Anschreiben und das persönliche Auswahlgespräch würden in den letzten Zügen liegen. Ich glaube dagegen: Totgesagte leben länger.


15 Jahre XING

Vor 15 Jahren gab es weder soziale Medien noch Smartphones, agiles Arbeiten war hierzulande unbekannt. Unvorstellbar, was in den kommenden 15 Jahre alles Neues entstehen und wie sich unsere Arbeitswelt entwickeln wird! In welchen Berufen werden wir künftig überhaupt arbeiten – und wie? Wie verändert die künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess? Wird die Arbeitswelt von morgen gerechter sein – oder tiefer gespalten?

Zusammen mit dem Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, Professor Peter Wippermann, hat XING 15 Trends untersucht, die Arbeitnehmer und Unternehmen betreffen und die Gesellschaft verändern werden. Unsere Prognosen basieren auf der wissenschaftlichen Expertise des Trendbüros, einer repräsentativen Umfrage unter den XING Mitgliedern und E-Recruiting-Kunden sowie aus unserer Erfahrung als Vorreiter beim Thema New Work.

Die 15 Trends lassen wir seit dem 5. November täglich auf XING diskutieren – hier auf XING Klartext, von unseren XING Insidern und im XING Talk. Alle Beiträge finden Sie gesammelt auf einer News-Seite.

  • In der Woche ab dem 5. November drehte sich alles darum, was sich für den einzelnen Arbeitnehmer ändert.
  • Ab dem 12. November diskutieren wir eine Woche lang die Folgen des Wandels für Unternehmen.
  • Eine Woche später, ab dem 19. November, thematisieren wir, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird.

Bei Fragen, Feedback und Ideen erreichen Sie die Redaktion von XING News unter klartext@xing.com. Wir freuen uns auf spannende und hitzige Diskussionen!

Veröffentlicht:

Nora Heer
© Nora Heer
Nora Heer

Gründerin und Geschäftsführerin, Loopline Systems

für Führung & Digitale Transformation

Nora Heer ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems, einem Spin-off aus der Human-Resources-Sparte des Berliner Frühphaseninvestors und Company Builders Project A Ventures. Ansatz der Ende 2014 ausgegründeten Company ist es, Unternehmen neue Zugänge zur strategischen Entwicklung von Potenzial und Leistung zu eröffnen.

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