Gastronomie und das Coronavirus: Stirbt die Vielfalt?

Die ersten Restaurants und Bars dürfen nach den Corona-Kontaktbeschränkungen wieder öffnen. Reicht das, um eine Branche zu retten, die alleine in Deutschland rund 2,4 Millionen Menschen beschäftigt?

Wieso die Massnahmen in der Schweiz ein Segen sind

Michel Péclard

Gastronom und Referent, Hotelfachschule Luzern

Michel Péclard
  • Die vorzeitige Öffnung der Gastrobranche ist für uns grosses Glück
  • Die in der Schweiz vom Bund kommunizierten Auflagen sind realisierbar
  • Und trotzdem ist mit einigen Opfern in der Gastro zu rechnen

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Am 29. April entschied die Schweizer Landesregierung, dass Restaurants und Beizen ab dem 11. Mai ihre Gäste wieder willkommen heissen dürfen. Dabei müssen jedoch Auflagen erfüllt werden: An einem Tisch sind nicht mehr als vier Personen erlaubt oder aber Eltern mit Kindern. Zwischen den Tischen ist ein Abstand von zwei Metern einzuhalten, oder es kommen trennende Elemente zum Einsatz.

Mit den Lockerungen des Bundesrats bin ich mehr als zufrieden

Ich finde es unglaublich toll, wie Bund, Kanton und die Stadt Zürich mit dieser Krise umgehen. Mit unserem Land haben wir so was wie einen Sechser im Lotto. Vorsichtsmassnahmen wie zum Beispiel die Vierertische oder die Abstände sind wie alle anderen Auflagen nachvollziehbar und können auch bestens umgesetzt werden. Dass wir weniger Gäste bewirten können, ist natürlich schade, aber wenigstens können wir früher als angenommen wieder öffnen. Das ist absolut wunderbar.

Die Sicherheit unserer Gäste steht an oberster Stelle

Mein ganzes Kader ist angehalten, die Massnahmen perfekt umzusetzen. Und zwar gern mit einer Portion mehr als gefordert. Wir erörtern, ob wir Hygienemasken tragen sollen, obwohl keine Maskenpflicht besteht – selbst wenn das in der Küche richtig unangenehm ist! Wir möchten einfach eine Vorbildfunktion einnehmen, die Sicherheit der Gäste garantieren und dafür sorgen, dass der ganze Spuk so schnell wie möglich und endgültig vorbeigeht. Problematisch ist einzig der daraus resultierende Minderumsatz. Wenn wir auf 50 Prozent des gewohnten Umsatzes kämen, wären wir froh. Aber wir müssen positiv denken und das Beste daraus machen.

Die Zukunft unserer Branche sieht leider weniger rosig aus

Auch wenn wir die Dinge so positiv, wie es nur geht, nehmen, Chancen sehe ich aktuell noch keine. Klar, in einer Krise ist man gezwungen, das Positive zu suchen. Wir sind sicher noch näher zusammengerückt, was unser familiäres Verhältnis intensiviert hat. Innerhalb unseres Teams, aber auch innerhalb der Branche drückt sich das in noch engerem Austausch aus. Wir sprechen an, wo der Schuh drückt und was wir dagegen tun können. Positiv werte ich weiter, dass wir supertoll vorbereitet waren, optimal auf die Situation reagiert haben und dass alle mitgezogen sind. Zum Beispiel hatten wir für guten Versicherungsschutz gesorgt, hatten einigermassen Liquiditätspolster und gingen sofort daran, die Massnahmen positiv und engagiert intern zu kommunizieren und umzusetzen. Für die Branche, so leid es mir tut, sehe ich die Dinge weniger rosig. Die vielerorts erwähnte „Flurbereinigung“ wird sicher in grossem Masse stattfinden und dabei schräge Vögel, Querdenker und besessene Leidenschaftsgastronomen erwischen, die ich bewundere und die mich inspirieren. Das ist jammerschade.

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Michel Péclard
© Michél Peclard
Michel Péclard

Gastronom und Referent, Hotelfachschule Luzern

Michel Péclard (Jg. 1968) wollte ursprünglich Banker werden, kam jedoch am Zürifest 1994 endgültig auf den Geschmack: Er schrieb sich in Luzern an der Hotelfachschule ein. Seine Praktika absolvierte er in der 5-Sterne-Hotellerie sowie als Leiter Buchhaltung/Administration bei diversen Gastro-Betrieben. Bis heute gehört Michel zu den beliebtesten Referenten an der Hotelfachschule Luzern und betreibt die Restaurants Pumpstation, Fischer’s Fritz und viele weitere Gastro-Konzepte in Zürich.

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