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Künstliche Intelligenz: Wird unser Leben bald von Robotern beherrscht?

Schlaue und lernfähige Roboter oder IT-Systeme verunsichern viele Menschen. Sie fürchten unter anderem den Verlust von Arbeitsplätzen. Doch sind diese Sorgen begründet?

Wir alle müssen jetzt digitale Verantwortung übernehmen

Reinhard Clemens
  • Künstliche Intelligenz wird den Menschen schon zeitnah herausfordern
  • Autos entwickeln sich bereits zu rollenden Computern
  • Viele Fragen sind noch offen. Aber: Ich sehe mehr Chancen als Risiken

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Es gibt wenige technische Entwicklungen der Neuzeit, die uns so in ihren Bann ziehen wie künstliche Intelligenz (KI). Keine Veranstaltung, keine Messe kommt ohne einen Vortrag dazu aus. Intelligenz hat uns Menschen ja schon immer fasziniert. Wir bewundern sie bei anderen, das Genie flößt uns Respekt ein, manchmal auch (Ehr-)Furcht. Aber – wie so oft – alles ist relativ. Auch die Intelligenz.

In seinem Buch „Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution“ lässt der Autor Nick Bostrom uns ziemlich nachdenklich zurück. Er hält fest, dass aus unserer menschlichen Sicht der Abstand zwischen einem dummen und einem schlauen Menschen groß ist. Für uns liegen „Welten“ dazwischen. Das liegt daran, dass wir den „Dorftrottel“ als unteres und „Einstein“ als oberes Ende unserer Intelligenzskala wahrnehmen. In Wahrheit aber sind diese beiden „Extreme“ laut Bostrom eben nicht die Endpunkte der Intelligenzskala, sondern sie liegen relativ dicht beieinander – auf einer nach unten und vor allem nach oben sehr breiten Skala von Intelligenzen.

Wird KI bald den Menschen überholen?

Nach dieser Logik wird es relativ lange dauern, bis wir eine Maschine mit der Intelligenz eines „Dorftrottels“ entwickelt haben. Aber wenn das erreicht ist, dann wird es vergleichsweise sehr schnell gehen, bis wir Maschinen superintelligent machen. Auf dem Weg dahin gibt es schon viele Beispiele. Etwa die KI-Entwicklung bei Spielen. Den zuletzt großen Quantensprung gab es beim „Go“, einem Brettspiel, das die Komplexität von Schach noch bei Weitem übersteigt. Der Computer entwickelte sogar ganz neue Spielzüge und hat das Spiel dadurch revolutioniert.

Die spannende Frage: Wird KI den Menschen bald überholen? Viele werden jetzt mit „Ja“ antworten. Ich wäre mir da nicht so sicher. Wissenschaftler halten den Menschen für extrem anpassungsfähig. Deshalb sehe ich keinen Grund für Pessimismus. Schauen wir uns doch kurz vor der IAA in Frankfurt eine der Schlüsselindustrien Deutschlands etwas genauer an.

E-Mobilität und autonomes Fahren werden kommen

Autohersteller wollen heute Mobilitätsdienstleister werden, sprich Serviceunternehmen für Mobilität. Das ist ein neues Rollenverständnis und verlangt eine Veränderung des traditionellen Geschäftsmodells. Zwei Trends werden sich hier gravierend auswirken: die E-Mobilität und autonomes Fahren. Beides wird ohne künstliche Intelligenz und intelligente Vernetzung nicht auskommen. Ist die Batterie künftig das Herz des Fahrzeugs, dann ist die Software das Gehirn. Und je autonomer die Assistenzsysteme oder die Fahrzeuge agieren sollen, desto mehr Intelligenz (lernende Software) wird notwendig sein. Sensoren erfassen Verkehrsdaten, lernende Programme gleichen diese mit Wetter-, Infrastruktur- und Gefahreninformationen ab und ziehen daraus ihre Schlüsse für das eigenständige Lenken des Fahrzeugs. Wenn Sie so wollen, werden Autos immer mehr zu rollenden Computern, die im Bruchteil einer Millisekunde mit superschnellen Netzen der neuen Generation, Stichwort 5G, interagieren und so voll automatisiertes Fahren ermöglichen.

Viel wird davon abhängen, wie alle Beteiligten ihre digitale Verantwortung wahrnehmen. Eins ist aber heute schon sicher, trotz vieler noch offener Fragen: E-Mobilität und autonomes Fahren werden kommen – und KI zusammen mit intelligenter Vernetzung machen es möglich. Aber warum soll beim Autofahren nicht funktionieren, was beim Fliegen schon fast Alltag ist? Denn Flüge sind bereits stark automatisiert. Rechtlich sind Piloten beim Flug von New York nach London nur verpflichtet, 45 Sekunden selbst zu fliegen (beim Abheben). Den Rest darf die Maschine erledigen.

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Reinhard Clemens
© T-Systems
Reinhard Clemens

ehemaliger CEO, T-Systems

Reinhard Clemens (Jg. 1960) war bis Dezember 2017 im Vorstand der Deutschen Telekom AG verantwortlich für das Systemgeschäft des Konzerns und Chief Executive Officer (CEO) von T-Systems. Zuvor arbeitete er bei IBM und widmete sich dort hauptsächlich dem Vertrieb, Service und Outsourcinggeschäft. Dann wechselte Clemens in den Vorstand der Systematics AG und verantwortete danach das Deutschlandgeschäft des US-amerikanischen IT-Outsourcers EDS (später in HP aufgegangen).

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