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Internationaler Tag der Honigbiene: Müssen sie aus Profitgier sterben?

Am Samstag, den 18. August, ist internationaler Tag der Honigbiene. Trotz aller Bemühungen verlieren Imker jedes Jahr ganze Bienenvölker. Ist es der Mensch selbst, der die Biene tötet?

Agnes Flügel
  • Honig und Imkerei sind unserer Gesellschaft zu wenig wert
  • Es wäre Zeit für einen Aufschrei, doch Bienen sind klein, sterben im Stillen
  • Nur Imker mit staatlichen Subventionen könnten das Massensterben beenden

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Ich brauche keine wissenschaftlichen Studien oder Experten, um zu merken, dass es nicht gut steht um die Bienen und die Imkerei. Inzwischen muss ich jedes Jahr erneut zittern, ob meine Bienenvölker gesund über den Winter kommen. Eingeschleppte Parasiten wie die Varroamilbe und andere Krankheiten sorgen trotz vorbeugender Maßnahmen immer wieder für dramatische Verluste. Auch wenn es mich bisher nicht so verheerend getroffen hat, weiß ich von Imkern, die in einem einzigen Winter mehr als ein Drittel ihrer Völker verloren haben.

Dieses Massensterben findet im Stillen statt, da Bienen klein sind und der Tod von Insekten, außer beim Imker, keine Emotionen weckt. Hätten die Bienen die Größe von Schweinen oder Rindern, sähe die Sache ganz anders aus. Dann würde ein Aufschrei durch die Medien gehen. Vielleicht würden die Imker sogar Entschädigungen bekommen, so wie es bei Tierverlusten wegen BSE oder Vogelgrippe der Fall ist. Aber Bienen sterben leider einen stillen und unauffälligen Tod.

Wer seine Pflanzen spritzt, gefährdet die Bienen

Haben die Bienen glücklicherweise den Winter überstanden, geht es mit der Frage weiter, wo sie im Frühjahr und Sommer nektarspendende Pflanzen und Pollen finden. In industriellen Landwirtschaften mit riesigen Monokulturen und Wiesen, die für die Herstellung von Viehfutter gemäht werden, bevor Blumen und Kräuter zur Blüte kommen, ist für Wild- und Honigbienen so gut wie nichts zu finden. Otto Normalverbraucher spritzt im heimischen Ziergarten gern jedes Kräutlein tot oder pflanzt hochgezüchtete Blumen, die für Bienen keine Nahrung bieten. Haben die Bienen dann doch irgendwo etwas gefunden, laufen sie an sonnigen Tagen Gefahr, unter die Pestizidspritze zu geraten.

Die einzige Pflanze, die im Frühjahr für reichlich Nektar sorgt, ist der Raps. Allerdings ist das eine einseitige Ernährung. So, als würde ein Mensch über einen langen Zeitraum immer das gleiche Gericht zu sich nehmen. Nach der Rapsblüte herrscht Flaute. Mit Glück finden die Bienen irgendwo noch ein paar Linden oder einen Bauern, der Blühflächen angelegt hat. Ab dem Spätsommer muss der Imker bereits zufüttern – von den anderen Faktoren, die Bienen das Leben schwer machen, ganz zu schweigen. Dazu gehören genmanipulierte Pflanzen, Züchtungen, die weniger Nektar produzieren, oder Elektrosmog.

Die Verbraucher knausern, wenn es um Naturprodukte wie Honig geht

Ich imkere seit mehr als zehn Jahren. In dieser Zeit sind die Bienen immerhin von einem politischen und medialen Schattendasein etwas mehr in den Fokus gerückt und auch im Bewusstsein vieler Konsumenten präsenter. Die Politik gibt sich grün durch das Verbot bedenklicher Pestizide, allerdings werden dann ja nicht unbedingt weniger, sondern andere Wirkstoffe eingesetzt. Die Agrarlobby sorgt schon dafür, dass ihr keine Pfründe entgehen. Sinnvoll wäre es, die Imkerei zu subventionieren und die Biolandwirtschaft mehr zu fördern. Die Bienen und der Imker sollen ein einwandfreies Produkt in einer Umwelt herstellen, die alles andere als natürlich ist.

Bei vielen Konsumenten klafft eine Kluft zwischen der Sorge um die Bienen und der Bereitschaft, einen angemessenen Preis für Honig zu bezahlen. Ich erlebe immer wieder Kunden, die mit riesigen Karossen auf den Hof fahren, aber meckern, wenn der Honig, für den die Bienen die Flugstrecke einer dreimaligen Erdumrundung zurücklegen und der komplett in Handarbeit entsteht, fünf Euro kostet. Honig und der Imkerei wird kein Wert beigemessen. Dabei besteht der Großteil der Imkerschaft aus Hobbyimkern, die mit ihrer Arbeit – wenn sie Glück haben – gerade einmal ihre Unkosten decken. Ihnen und den Bienen fehlt es an einer finanzstarken Lobby.

Dabei wäre diese bitter nötig, wenn es auch in Zukunft noch in der Region produzierten Honig geben soll. Wilde Honigbienen sind schon lange aus unseren Breitengraden verschwunden. Es gibt nur noch dort Völker, wo auch ein Imker für sie sorgt. Vielleicht werden ein paar Exemplare in vergessenen Naturparadiesen in entfernten Winkeln der Erde auch uns Menschen überdauern. Bei uns wird es sie aber nur so lange geben, wie es Imker gibt, die sich um sie kümmern, und solange sie Blüten in der Natur finden.


Diskutieren Sie mit, liebe Leserinnen und Leser: Sind Bienen in ihrer Art bedroht? Oder werden Sie in Zukunft noch genügend Lebensräume und Schutz finden, um zu überleben? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Veröffentlicht:

Agnes Flügel
© Flügel
Agnes Flügel

Imkerin, Honigmanufaktur Flügelchen

Agnes Flügel arbeitete nach dem Studium der Kulturwissenschaften zunächst in der Medienbranche. Inspiriert von der Begegnung mit einem Imker wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete die Honigmanufaktur Flügelchen. Mittlerweile verkauft Agnes Flügel ihren Honig bundesweit. 2011 erschien ihr Buch „Die Honigfrau“ (Ludwig-Verlag), das ein Bestseller wurde. Momentan entsteht ein weiteres Buch.

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