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Wer bestellt, der zahlt – Was bringt das Bestellerprinzip?

Seit rund neun Monaten gilt die neue Regelung im Maklerrecht für den Mietwohnungsmarkt. Sie bleibt umstritten, auch weil sie für Mieter und Makler unterschiedliche Auswirkungen hat.

Wir müssen das Bestellerprinzip als Ansporn sehen

Roland Kampmeyer
  • Vermietungsabläufe sind transparenter und öffentlicher geworden
  • Deshalb müssen Makler nun ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten
  • Wir haben unsere Dienstleistungen bereits Ende 2014 angepasst

6.109 Reaktionen

Seit Juni 2015 gilt: „Wer den Makler bestellt, bezahlt ihn auch“ – und Besteller sind in aller Regel Vermieter, während die Mieter mehrheitlich von Mehrkosten befreit sind. Ohne Frage: Das Bestellerprinzip hat zu starken Veränderungen auf dem Mietwohnungsmarkt geführt. Es haben sich zwar immer noch nicht alle Marktteilnehmer darauf eingestellt, aber nach einem halben Jahr zeichnet sich die Wirkung auf die Vermietungspraxis allmählich ab.

Mehr Transparenz tut unserer Branche gut

Der Vermietungsablauf genießt mehr Aufmerksamkeit als je zuvor. Und das ist gut so. Denn der Immobilienmarkt wird an dieser Stelle deutlich transparenter: Mieten, Vermarktungsprozesse, die Organisation von Besichtigungsterminen, die Qualifizierung von Interessenten und das Leistungsspektrum von Maklern stehen mehr im öffentlichen Interesse. Um Vermietern Ratgeber, Empfehlungen und Hilfestellungen an die Hand zu geben, wurden viele Start-up-Unternehmen gegründet. Ihre Vielfalt und die Tatsache, dass die ersten bereits wieder vom Markt verschwunden sind, machen die Komplexität der Vermietung offensichtlich. Es wird an manchen Stellen klarer, was Makler leisten. Am deutlichsten spüren das Vermieter, die sich selbst um die Vermietung kümmern. Wie sie nach ihren Erfahrungen mit der Privatvermietung zukünftig entscheiden, wird sich noch herausstellen.

Qualität setzt sich langfristig durch

Der Rückgang des Vermietungsgeschäfts veranlasst Makler, sich neu auszurichten, ihre Dienstleistung zu überdenken und ihre Geschäftsmodelle neu zu ordnen. Makler werden, nicht nur an dieser Stelle, stark gefordert. Auf lange Sicht bin ich überzeugt, dass das Image unserer Branche durch die Änderungen gefördert werden kann – da diejenigen, die auf Qualität setzen und neue Wege beschreiten, weiterhin Erfolg haben werden. Trotzdem hat die Neuregelung des Bestellerprinzips unter Maklern sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

Maklerunternehmen, die die Herausforderung nicht verstanden und sich den Veränderungen nicht angepasst haben, werden von Vermietern nicht beauftragt. Das größte Problem ist dabei meines Erachtens insbesondere die fehlende Transparenz der Dienstleistung. Die Frage „Was bekomme ich für mein Geld?“ wird bei vielen Vermietungsangeboten für Vermieter schlichtweg ungenügend beantwortet.

Die schwarzen Schafe sind in der Minderheit

Wir haben Ende 2014 die „Neue Vermietung für Vermieter“ eingeführt und unsere Dienstleistung inhaltlich wie preislich klar positioniert. Dadurch konnten wir schon vor der Umsetzung des Bestellerprinzips mit Eigentümern in den Dialog treten, erste Erfolge verzeichnen und die Kommunikation darauf abstellen. Sicherlich – auch wir haben einige zufriedene Eigentümer als Auftraggeber verloren, die zunächst, um Geld zu sparen, eigene Versuche unternehmen wollen, ihre Wohnungen zu vermieten.

Wie in jeder Branche gibt es auch Beispiele unseriöser Geschäftsmodelle. Mit einer Besichtigungs- oder Renovierungsgebühr wird beispielsweise versucht, weiter Geld vom Suchenden zu verlangen. Diese Maschen taugen für kurzfristige Schlagzeilen, sind allerdings deutlich als Einzelfälle zu bezeichnen. Selbst die Mieterverbände machen kaum Probleme in diesem Zusammenhang aus.

Das Bestellerprinzip ist für unsere Branche die Herausforderung und Chance zugleich, attraktiven Nutzen für Vermieter zu schaffen.

Veröffentlicht:

Roland Kampmeyer
© Kampmeyer Immobilien
Roland Kampmeyer

Geschäftsführer, Kampmeyer Immobilien GmbH

Roland Kampmeyer ist Geschäftsführer der Kampmeyer Immobilien GmbH. 1995, im Alter von 25 Jahren, gründete er das Kölner Maklerunternehmen. Seine Leidenschaft galt von Anfang an der Entwicklung eines professionellen Immobilienmarketings. Früh setzte er dabei auch auf die Vorzüge der Digitalisierung und bietet heute unter anderem elektronische Exposés von Wohnimmobilien an. Kampmeyer begrüßt im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen das sogenannte Bestellerprinzip.

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