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Medienpädagogik: Brauchen Kinder wirklich Smartphones?

Schon Kleinkinder wachsen oft mit dem Handy oder Tablet der Eltern auf. Spätestens auf der weiterführenden Schule fordern sie dann ihr eigenes Gerät. Experten streiten über Sinnhaftigkeit und Alter.

Wir sollten Kindern mehr zutrauen, statt sie einzuschränken

Stefan Aufenanger
  • Wer Kindern das Smartphone verwehrt, geht an ihrer medialen Lebenswelt vorbei
  • Sie wollen die gleichen Kommunikationsmöglichkeiten haben wie Erwachsene
  • Wir müssen Kinder so früh wie möglich an digitale Techniken heranführen

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Die Diskussion über die Nutzung von Smartphones bei Kindern wird nicht nur in der Öffentlichkeit geführt, sondern auch in vielen Familien. Dabei geht es immer um dasselbe: Ab wann ist es sinnvoll, Kindern ein Smartphone zu geben, und was hat das für Folgen?

Natürlich kann man prinzipiell dagegen sein, dass Kinder unter 14 oder auch 12 Jahren ein Smartphone nutzen, aber man geht dabei an der medialen Lebenswelt von Kindern vorbei. Während Erwachsene Smartphones als eine wichtige Ergänzung zur Kommunikation und Informationsquelle sehen, wollen Eltern ihre Kinder davon ausschließen. Warum eigentlich? Nicht nur dass sie mit ihren Eltern oder Geschwistern jederzeit und in jeder Situation kommunizieren können – egal ob per Telefon, SMS oder WhatsApp –, umgekehrt können auch Mutter oder Vater die Kleinen leicht erreichen. Dies gibt nicht nur den Eltern eine gewisse Sicherheit, sondern auch dem Kind selbst. Aber nicht übertreiben, sonst fühlt sich das Kind schnell kontrolliert.

Smartphones können schon ab der dritten Klasse sinnvoll sein

Zudem können Kinder Smartphones zur Informationsrecherche bei Hausaufgaben oder, noch besser: in der Schule nutzen, wenn diese die pädagogischen Potenziale digitaler Medien erkennt und nutzt. Und letztendlich dient das Smartphone zur Kommunikation mit den Gleichaltrigen. Erwachsene sehen das natürlich anders und sagen gern: „Kannst du nicht warten, bis ihr euch seht?“ Oder: „Ruf doch an, wenn du zu Hause bist!“ Die digitale Welt funktioniert aber anders, es ist gerade ihr Wesen, jederzeit und allerorten kommunizieren zu können. Warum sollen wir unseren Kindern diese Möglichkeit vorenthalten, wenn sich doch alles um gemeinsame Kommunikation dreht?

Und ab wann und unter welchen Bedingungen ist es nun sinnvoll, Kindern ein Smartphone zu geben? Ein allgemeingültiges Alter gibt es hier nicht, sondern Eltern müssen vielmehr selbst entscheiden, wann sie ihrem Kind zutrauen, verantwortungsvoll damit umzugehen. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dies schon ab der dritten Klasse zuzulassen. Wichtig dabei sind klare Absprachen, wie und wann das Smartphone genutzt werden darf und wann nicht: zum Beispiel nicht beim Essen, während Familienfeiern oder abends im Bett.

Die Möglichkeiten sind da, man sollte sie aber kontrollieren

Auch sollten Eltern die Apps kontrollieren, die heruntergeladen werden wollen. Dies kann entweder über die Beschreibungen zum geeigneten Alter oder die möglichen Folgekosten durch Abonnements oder In-App-Käufe in den App-Stores der Anbieter geschehen, oder man schaut in der Datenbank „Apps für Kinder“ vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) nach. Und werden Regeln gebrochen, muss dies Konsequenzen haben. Eltern sollten sich gut überlegen, welche Sanktionen sie androhen, und diese dann auch umsetzen.

Hat man also negative Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung zu befürchten, wenn das Kind schon mit acht bis zehn Jahren ein Smartphone bekommt? Hält man die genannten Bedingungen ein, bleibt offen für einen Dialog mit dem Kind über Missbrauchsmöglichkeiten und schreitet rechtzeitig ein, falls die Nutzung überhandnimmt, dann spricht nichts dagegen. Wir sollten unseren Kindern mehr zutrauen und sie weniger einschränken. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und gibt ihnen schon früh die Möglichkeit, digitale Kompetenzen zu erwerben. Und das wollen wir doch alle!

Veröffentlicht:

Stefan Aufenanger
© Aufenanger
Stefan Aufenanger

Erziehungswissenschaftler, Medienpädagoge und em. Professor, Uni Mainz

Stefan Aufenanger war bis März 2018 Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er war Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften, Medien und Sport und ist zurzeit Mitglied des Hochschulrats seiner Universität. Außerdem ist er Mitglied des Beirats der Stiftung digitale Spielekultur Berlin, Vorsitzender des Beirats von medien+bildung.com sowie Mitherausgeber der Zeitschrift „Computer + Unterricht“ (Friedrich Verlag/Velber).

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