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Trend #4 – Work-Life-Separation: Sorry, Chef, das muss echt warten!

Die Generation Z fordert weniger Stress und mehr Leben. Arbeitgeber werden stärker darauf achten müssen, dass Feierabend und Wochenende frei bleiben. Ist die Trennung überhaupt sinnvoll und notwendig?

Work-Life-Balance ist out, Work-Life Blending ist in

Klaus Depner

Manager Health & Human Safety, Randstad Deutschland

Klaus Depner
  • Allen Bemühungen zum Trotz: Die perfekte Work-Life-Balance gibt es nicht
  • Stattdessen bildet das Work-Life-Blending die Realität besser ab
  • Deshalb brauchen wir neue Konzepte, die uns vor zu viel Arbeit schützen

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Beruf und Privates klar zu trennen ist heute kaum noch möglich. Dieser fromme Wunsch wurde von der Realität der Arbeitswelt eingeholt, Studien belegen das. Die Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik stellte schon 2015 fest, dass weit mehr als ein Drittel der Befragten in ihrer Freizeit geschäftliche E-Mails lesen. Umgekehrt lesen beinahe 60 Prozent der Befragten während der Arbeitszeit private Mails.

Das bleibt nicht ohne Folgen: Knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland unter 25 Jahren können nach Feierabend schlecht abschalten, wie das Ergebnis des Randstad Arbeitsbarometers vom Anfang des Jahres zeigt. Beruf und Privatleben sind längst miteinander vermischt, eine Work-Life-Balance bleibt leider viel zu oft nur vornehmes Ideal. Wir brauchen einen neuen Ansatz, der die Umstände der Arbeitnehmer besser abbildet.

Work-Life-Blending beschreibt die Situation, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, Beruflichem und Privatem, fließend sind. Statt eines perfekten Ausgleichs zwischen Job und Freizeit lautet das neue Ziel: einen reibungslosen Übergang von Arbeits- und Privatleben zu schaffen und Arbeitszeiten an Bedürfnisse anzupassen. Unternehmen brauchen Work-Life-Blending, um in der digitalen, globalen Arbeitswelt mitzuhalten. Im Wettbewerb um die besten Talente können sie außerdem mit Flexibilität punkten.

Work-Life-Blending darf nicht zum institutionalisierten Alptraum werden

Auch Arbeitnehmer können davon profitieren. Bei weniger Arbeit sitzen sie möglicherweise tagsüber im Café, dafür bei zusätzlichem Arbeitsaufkommen am Abend am Notebook im Homeoffice. Das klingt erst einmal wie eine gute Lösung – bis der Chef um zwei Uhr nachts Mails schreibt und sofortige Antworten erwartet. Work-Life-Blending wird dann unter Umständen zum institutionalisierten Alptraum und „Vertrauensarbeitszeit“ zum Synonym für „Zwang zur Selbstausbeutung“.

Arbeitgeber müssen aufpassen, nicht zu viel von ihren Mitarbeitern zu verlangen. Work-Life-Blending kann nur dann funktionieren, wenn Unternehmen beobachten und sicherstellen, dass das private Umfeld der Arbeitnehmer trotz der Strukturveränderung nicht leidet. Statt starren Regelungen zu Pausen und Ruhezeiten sind individuellere Lösungen zu „Aus- und Abschaltzeiten“ sowie Angebote zur Flexibilität der Arbeit notwendig.

Das Arbeitszeitgesetz ist nicht mehr zeitgemäß

Dies erfordert einen Kommunikationsprozess, bei dem alle Mitarbeiter einbezogen werden und oftmals auch eine neue Führungskultur. Denn für jede Tätigkeit und für jeden Arbeitnehmer sieht diese Abstimmung anders aus. Der Umgang mit Stress – positivem wie negativem – ist heute nicht mehr arbeits-, sondern vielmehr personenbezogen.

Außerdem müssen Rechtssicherheit und Compliance in der Praxis gewährleistet werden. In der Bundesrepublik Deutschland regelt das Arbeitszeitgesetz, wann wie viel gearbeitet werden darf. „Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben“, heißt es dort in Paragraph 5, Absatz 1. Ist das noch zeitgemäß? Eine flexiblere Form von Arbeit verlangt nach anderen Arbeitsschutzregelungen. Auch Arbeitgeberverbände fordern, das Arbeitszeitgesetz zu überarbeiten. Dadurch würde letztendlich nur das fixiert, was heute bereits vielerorts gängige Praxis ist.


15 Jahre XING

Vor 15 Jahren gab es weder soziale Medien noch Smartphones, agiles Arbeiten war hierzulande unbekannt. Unvorstellbar, was in den kommenden 15 Jahre alles Neues entstehen und wie sich unsere Arbeitswelt entwickeln wird! In welchen Berufen werden wir künftig überhaupt arbeiten – und wie? Wie verändert die künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess? Wird die Arbeitswelt von morgen gerechter sein – oder tiefer gespalten?

Zusammen mit dem Zukunftsforscher und Gründer des Trendbüros, Professor Peter Wippermann, hat XING 15 Trends untersucht, die Arbeitnehmer und Unternehmen betreffen und die Gesellschaft verändern werden. Unsere Prognosen basieren auf der wissenschaftlichen Expertise des Trendbüros, einer repräsentativen Umfrage unter den XING Mitgliedern und E-Recruiting-Kunden sowie aus unserer Erfahrung als Vorreiter beim Thema New Work.

Die 15 Trends lassen wir ab dem 5. November täglich auf XING diskutieren – hier auf XING Klartext, von unseren XING Insidern und im XING Talk. Alle Beiträge finden Sie gesammelt auf einer News-Seite.

  • In der Woche ab dem 5. November dreht sich alles darum, was sich für den einzelnen Arbeitnehmer ändert.
  • Ab dem 12. November diskutieren wir eine Woche lang die Folgen des Wandels für Unternehmen.
  • Eine Woche später, ab dem 19. November, thematisieren wir, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird.

Bei Fragen, Feedback und Ideen erreichen Sie die Redaktion von XING News unter klartext@xing.com. Wir freuen uns auf spannende und hitzige Diskussionen!

Veröffentlicht:

Klaus Depner
© Randstad
Klaus Depner

Manager Health & Human Safety, Randstad Deutschland

Klaus Depner kümmert sich als Manager Health & Human Safety seit Anfang 2015 beim Personaldienstleister Randstad Deutschland um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter. Er ist seit 19 Jahren bei Randstad beschäftigt. Zu dieser Aufgabe im Unternehmen führte ihn der Weg über den Vertrieb und die Bereiche Public Affairs und Social Affairs. Zuletzt war er zuständig für den Bereich Tarifpolitik. Über Work-Life-Blending schrieb er auch im kostenfreien Whitepaper „Wie wir in Zukunft arbeiten“.

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