Michael Micic

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for Sport, Wirtschaft, Gesellschaft

Wirtschaft und Sport gehen die Talente aus – wie bleibt man beim Nachwuchs am Ball?

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Wie bleibt man im Kampf um die besten Talente am Ball?

In der Wirtschaft wie im Sport werden sie händeringend gesucht: junge Talente, die schnellstmöglich rekrutiert und integriert, gefördert und gefordert werden sollen. Oft scheitert der Versuch, die begehrten Talente zu erreichen und zu entwickeln, allerdings am Mindset und der Herangehensweise. Es braucht neue Ideen und Ansätze  das gilt auch für den Fußball.

Zeitenwandel auf dem Arbeitsmarkt und im Sportsektor

Rückblick: Bereits Ende der 1990er Jahre kam eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey mit dem Titel „The War for Talent“ zu dem Ergebnis, dass „at a time when the need for superior talent is increasing, big US companies are finding it difficult to attract and retain good people“. In den Folgejahren wuchs dann auch hierzulande mehr und mehr das Bewusstsein dafür, dass sich die Zeiten geändert haben und sich der Arbeitsmarkt insbesondere aufgrund des demografischen Wandels von einem Arbeitgebendenmarkt hin zu einem Arbeitnehmendenmarkt entwickelt. Und damit verändern sich gleichsam die Machtverhältnisse zugunsten der (zukünftigen) Beschäftigten, die andere/bessere Rahmenbedingungen fordern.

Aber nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch im Sportsektor – und dort insbesondere im Fußballbereich – vollzieht sich ein Zeitenwandel, der die Vereine und Verbände bereits seit einigen Jahren beschäftigt. Nicolaus Seiler vom Fußball-Magazin 11FREUNDE schrieb dazu kürzlich: 

„Der Fußball erreicht die Jugend nicht mehr, wie er es einst tat. Das geht aus Studien der BBC, SPOAC oder dem Institut für Generationenforschung hervor. Der DFB verlor beispielsweise zwischen 2009 und 2019 18 Prozent seiner Nachwuchsmannschaften und neun Prozent seiner jugendlichen Mitglieder. Auch Großbritannien meldet alarmierende Zahlen: Nur vier Prozent aller Dauerkarten gehören 18 – 24-jährigen.“

Was Talente erwarten

Insofern zeigt sich, dass ein Hinweis mit der Aufschrift „We are hiring“ allein nicht ausreicht, um heute Talente zu erreichen. Es braucht viel mehr – es braucht eine Reform bzw. Transformation. In seinem Buchbeitrag mit dem Titel „Die spirituelle Dimension im Coaching als Agens in der Transformation von Individuum und Gesellschaft“ skizziert der Organisationsberater Markus Hänsel das Spannungsfeld, das sich aus dem Zeitenwandel für Unternehmen – und auch für das Sportbusiness – ergibt, wie folgt: „Zum einen versuchen Unternehmen und Organisationen auf den immer härteren globalen Wettbewerb mit kontinuierlicher Effizienzsteigerung zu antworten. Zum anderen beobachten wir eine zunehmende Verschiebung von Wertehaltungen und Ansprüchen der einzelnen Menschen, oft unter Schlagwörtern wie Generation Y oder Generation Z betitelt, die den Schwerpunkt weg von rein materiellen und ökonomischen Größen hin zu Zielen wie eine umfassende Lebensqualität, selbstbestimmte Sinnschöpfung und eine gesunde Balance von Arbeit und Familie legt.“ 

Unternehmen sind gefordert, diese verschiedenen Erwartungshaltungen bestmöglich auszubalancieren und zu bedienen. Darüber hinaus stehen sie mehr denn je vor der Herausforderung, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. 

In seiner Veröffentlichung „Unternehmen erfolgreich transformieren: Erfolgsfaktoren kennen und eigene Stärken ausbauen“ konstatiert der Experte für Innovation, Transformation und Strategie-Implementierung, Jörg Puma: „Sinnstiftung hat [… insbesondere für junge Arbeitnehmende] einen ganz neuen Stellenwert: Das Engagement ihres Arbeitgebers für gesellschaftlich relevante Ziele ist ihnen wichtig: Arbeit soll nicht nur mit Geld bewertet werden, sondern auch einen gesellschaftlichen Sinn haben.“

Talente im Sport wollen Anpassung an ihre Lebenswirklichkeit

Im Sportsektor erwarten Talente sowohl als Konsumenten von Sportübertragungen als auch als Akteur*innen auf dem Platz Anpassungen und Veränderungen, die ihre Lebenswirklichkeit und die damit verbundenen Bedürfnisse berücksichtigen. 

Denn in Zeiten von „Social Media“ und exzessivem Handy-Gebrauch haben insbesondere junge Menschen andere Sehgewohnheiten als Vorgängergenerationen und verfügen – wie eine JIM (Jugend, Information, [Multi-]Media)-Studie zum Medienumgang der Zwölf- bis 19-Jährigen zeigt – über eine immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne. 

Gleichzeitig wünschen sich Talente im Sport statt reiner Vorgabe und Ausführung im Rahmen hierarchischer Strukturen mehr Beteiligung und Interaktion auf Augenhöhe. Die beiden Fußballtrainer Peter Hyballa und Hans-Dieter te Poel beschreiben in ihrer Veröffentlichung „Modernes Dribbling: Spiele entscheiden durch individuelle Stärke“, dass Spieler*innen mehr individuelle Freiheitsgrade und „Gelegenheiten zur funktionellen Abweichung“ benötigten.

Die individuelle Freiheit ist ein Grundbedürfnis, das Akteur*innen in Wirtschaft und Sport generationenübergreifend vereint – und insbesondere von jungen Talenten eingefordert wird. Unter der Bezeichnung „Autonomie“ ist die individuelle Freiheit laut der Selbstbestimmungstheorie (engl. Self-Determination Theory) der beiden Psychologen Edward Deci und Richard Ryan allerdings nur ein Bestandteil einer zu berücksichtigenden Trias. Für die Motivation und das Well-Being sind darüber hinaus auch Zugehörigkeit und Kompetenzerleben notwendig. Wer Talente in Wirtschaft und Sport erreichen und entwickeln möchte, sollte Möglichkeiten zur ganzheitlichen und nachhaltigen Befriedigung dieser Grundbedürfnisse schaffen – und bestrebt sein, sie mit neuen und frischen Konzepten zu begeistern.

Fallbeispiel aus dem Fußball: Die „Baller League“ – ein Konzept mit Zukunft?

Im Fußballbereich verspricht die u.a. von Mats Hummels und Lukas Podolski hier in Deutschland ins Leben gerufene „Baller League“ diese lang ersehnte Frische und Begeisterung bieten zu können. Los geht’s am 22. Januar 2024. Von da an werden zwölf Teams gegeneinander antreten. Das Kleinfeld in der Halle und die verkürzte Spieldauer von 90 auf 40 Minuten sowie sogenannte Ereigniskarten, die während einer Begegnung von den Trainern eingesetzt werden können, garantieren spannende und ereignisreiche Spiele, die Spaß machen und unterhaltsam sind. Mit von der Partie sind neben Ex-Profis und Amateurfußballern auch Creators aus dem Entertainment-bereich. Hinzu kommt, dass die Spiele der „Baller League“ auf der kostenlosen Streaming-Website „Twitch“ gezeigt werden. 

Alles in allem handelt es sich also um ein stimmiges und attraktives Gesamtpaket, das den professionellen Fußball wieder zurück auf den Bolzplatz bringen soll, wo er herkommt und im ganzen Land gespielt wird. Durch die neuen und innovativen Regeländerungen sollen 1:1 Situationen gefördert werden, wodurch Einzelspieler wieder die Chance bekommen, mit ihrem technischen Können zu glänzen. Spanien legte mit der „Kings League“ bereits beeindruckend vor und bewies das Potenzial einer solchen Liga. Wie Seiler schreibt, wurden „an den zwölf Spieltagen ihrer ersten Saison […] durchschnittlich jeweils rund 12,7 Millionen Live-Views über TikTok, Youtube und Twitch erzielt. Beim abschließenden Final-Four-Turnier Ende März waren es sogar 25,4 Millionen Live-Streams. Über die gesamte dreimonatige Saison kam die Eventreihe damit auf 164,8 Millionen Live-Views – zusätzlich zu den 92.522 Fans vor Ort im Camp Nou.“  Ähnliche Zahlen erwarten auch die Initiatoren der Baller League.

XING gibt Dir den Kick!

Bist Du bereit für ein völlig neues Fußball-Erlebnis? 12 Teams, ein kurzweiliges Indoor-Konzept und ein revolutionäres Regelwerk – die Baller League kommt. Mit dabei: die Fußballweltmeister Mats Hummels und Lukas Podolski als Präsidenten. Und XING als Hauptsponsor. 

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About the author

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Michael Micic

Senior Referent Personalentwicklung & Top Executive Coach, Bertrandt Group - konzernweit

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Michael Micic, ausgebildeter Sportmanager, Theologe und Coach, erster Life-Coach in einem deutschen Profifußballverein (1. FC Köln), arbeitet als Personalentwickler in der Automobilindustrie und Life-Coach im Spitzensport. Zu seinen Referenzen zählen A- und U-Nationalspieler. www.michael-micic.com
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