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Rezo und die Volksparteien: Scheitern sie an der Digitalisierung?

Nach einem Video des Youtubers Rezo forderte CDU-Chefin AKK Regeln für „Meinungsmache“ im Internet - und zeigte der jungen Generation damit ihr eigenes Unverständnis. Wie kann es nun weitergehen?

Auch wir Youtuber haben eine Verantwortung

Diana zur Löwen
  • Wir müssen uns klarmachen, dass wir für unsere Follower Vorbilder sind
  • Ich wünsche mir, dass Politiker in Zukunft ernsthafter mit uns Jungen umgehen
  • Die junge Generation ist nicht politikverdrossen, sondern will Veränderung

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Rezo hat mit seinem kritischen Video Mut und Hingabe bewiesen. Dafür bewundere ich ihn. Die vergangenen Wochen haben nicht nur gezeigt, dass wir Jungen alles andere als politikverdrossen sind, sondern auch, dass wir Youtuber nicht von allen Gruppen ernst genommen werden. Politiker suchen selten das Gespräch mit uns. Ich habe das Gefühl, das könnte sich jetzt ändern. Ein paar Anfragen habe ich bereits bekommen.

Ich muss sagen, die Reaktion von AKK hat mich sehr getroffen. Zu lesen, dass eine Regelung der Meinungsäußerung im Internet gefordert wird, macht mich wirklich traurig. Statt auf Rezo und uns zuzukommen, einen Diskurs zu wagen oder gar Eingeständnisse zu machen, nehme ich nur Abwehrhaltung wahr. Auf die digitale Kritik erhielten wir eine elfseitige Erklärung als PDF. Das liest sich die junge Generation wohl kaum durch! Ich hätte mir da eine andere, fundierte Antwort gewünscht. Die CDU hat ja sogar ein Video gedreht, das wurde allerdings nicht veröffentlicht. Mir zeigt dieses Vorgehen, dass die Politik uns junge Menschen noch nicht ernst genug nimmt.

Für viele sind wir Vorbild oder große Schwester

AKKs Forderungen nach Regeln finde ich übertrieben. Youtuber sind keine Journalisten und keine Redakteure. Wir sind Persönlichkeiten, die ihre eigene Meinung sagen. Aber natürlich stehen wir auch in der Öffentlichkeit. Bei allem, was wir tun, dürfen wir nie vergessen, dass wir auch eine Verantwortung haben. Für viele sind wir Vorbild oder große Schwester beziehungsweise Bruder. Dem müssen wir uns immer bewusst sein.

Es ist nicht einfach, zwischen informieren und (unbewusster) beeinflussen zu differenzieren. Beim Thema Informieren gehe ich persönlich immer sicher, dass ich nichts Falsches sage. Bei meinen Berichten zur Europawahl habe ich zum Beispiel mit dem Europäischen Parlament zusammengearbeitet und mir alle Infos von diesem bestätigen lassen.

Youtube wird immer politischer

Jetzt, wo sich die Wogen wieder glätten, sollte sich nun wirklich etwas ändern. Und damit meine ich, dass die Regierung aufhört, Gesetze zu verabschieden, die nur für eine alte Zielgruppe gemacht werden. Die Entscheider müssen endlich anfangen, an uns und unsere Zukunft zu denken. Handeln könnten sie mit einem konkreten Gesetz zum Klimaschutz und einem innovativen Bildungssystem. Bildung darf nicht mehr länger Ländersache sein. Nur wenn sie vereinheitlicht wird, lassen sich schnell Veränderungen vorantreiben.

In meinem Netzwerk, auch unter Youtubern, werden die Jungen immer politischer. 2018 durfte ich Dorothee Bär interviewen. Der Podcast stieß in meiner Zielgruppe auf extrem viel Resonanz. Politikverdrossenheit sieht anders aus. Das zeigt auch ein weiteres Beispiel aus meiner Social-Media-Blase: die Petition, dass die Luxussteuer bei Periodenprodukten gesenkt wird. Zahlreiche junge Frauen verbreiten Posts dazu und machen sich dafür stark. Das zeigt doch, dass das Engagement und der Wille für Veränderung vorhanden sind.

Einblicke in den politischen Alltag geben

Insbesondere um auf die junge Generation einzugehen, ist seitens der Politiker mehr seriöse Aktivität in den sozialen Medien notwendig. Das könnte zum Beispiel durch Vorbilder aus der Politik passieren, die Einblicke in ihre Arbeit geben. Und vielleicht ist das ein zu großer Schritt, aber Dorothee Bär hat ja auch einen Innovation Council ins Leben gerufen. Warum nicht genauso einen Youth Council gründen, der regelmäßig tagt? Das würde ich sehr begrüßen!

Will die Politik auf uns zugehen, darf sie unsere Wünsche und Belange nicht mehr länger ignorieren. Parteien sollten lernen, uns zuzuhören und unsere Themen zu diskutieren – insbesondere auf Social-Media-Kanälen.


Diskutieren Sie mit: Was muss die Politik nun tun, um wieder glaubwürdiger zu werden? Inwiefern sollte sie auf die junge Generation zugehen und welche Rolle können dabei Youtuber spielen?

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Diana zur Löwen
© Diana zur Löwen
Diana zur Löwen

Youtuberin

Die Studentin der Betriebswirtschaftslehre (Jg. 1995) ist eine der beliebtesten Youtuberinnen Deutschlands. Diana zur Löwen hat auf Youtube und Instagram mehr als eine halbe Million Abonnenten. Die Influencerin berichtet über Fashion, Beauty und Sport.

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