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Handys an Schulen – Lieber verbieten oder nutzen?

Bei Razzien auf bayrischen Pausenhöfen fanden Polizisten Pornos und Gewaltvideos auf den Handys der Schüler. Seitdem sind Smartphones und Laptops an Bayerns Schulen verboten. Nun regt sich Widerstand.

Pornos anschauen auf dem Pausenhof? Nein danke!

Arne Ulbricht

Lehrer und Autor

Arne Ulbricht
  • Wir brauchen endlich ein konsequentes Handyverbot an allen Schulen
  • So schützen wir die Schüler vor sich selbst und den Gefahren im Internet
  • Ein neues Schulfach könnte helfen, Verantwortungsbewusstsein zu schaffen

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Immerhin: An den meisten Grundschulen stellt der Handykonsum der Schüler noch kein Problem dar. Die Grundschüler haben in der Regel kein Handy – oder besser gesagt: kein Smartphone. Dies ändert sich schlagartig, sobald aus den Viertklässlern Fünftklässler geworden sind. Dann haben nicht nur vereinzelte Schüler ein Handy, sondern alle. Vor allem auf den Pausenhöfen der weiterführenden Schulen werden die Handys zu einem gravierenden Problem. Weil die Handynutzung dort meistens offiziell erlaubt ist, nutzen die Schüler ihre „Freiheit“, um zu chatten, sich Youtube-Videos anzuschauen (und zwar keine Lernvideos!) oder um Clash of Clans zu spielen.

Smartphones lenken die Schüler zu sehr ab

Mit einem Verbot schützen wir die Schüler vor den Gefahren des Internets und sich selbst. Das ständige Chatten ist allein deshalb problematisch, weil die Schüler, die kurz vor dem Klingeln noch eine Nachricht verschicken, im Unterricht, wo die Handynutzung meistens offiziell verboten ist, auf die Antwort warten. Und dann gucken sie in einer Tour heimlich aufs Display und sind enttäuscht, wenn nichts kommt, oder noch schlimmer: Sie reagieren, wenn etwas kommt. Das schadet vor allem denjenigen, die eh Schwierigkeiten haben, sich länger als zehn Minuten zu konzentrieren.

Darüber hinaus sollte Schule verhindern, dass bestimmte Ecken auf Pausenhöfen dazu genutzt werden, um sich Hinrichtungen und Pornoseiten anzuschauen. Es ist bedauerlich genug, dass Kinder heutzutage außerhalb der Schule quasi überall die Möglichkeit haben, solche Seiten binnen Sekunden zu finden. Aber es sollte alles getan werden, damit Schüler nicht gerade auf dem Pausenhof erste Pornoerfahrungen zu sammeln.

Wir dürfen keine Angst vor einem konsequenten Verbot haben

Deshalb sollten sich bundesweit alle weiterführenden Schulen auf ein konsequentes Handyverbot einigen! Das wäre ein mutiger Schritt in die richtige Richtung. Für Oberstufenschüler hingegen könnte eine eigene Handyzone eingerichtet werden.

Ein geläufiges Gegenargument für ein Verbot lautet, dass man ein solches nicht kontrollieren könne. Das ist Unfug. Man schafft es ja auch, auf die Einhaltung des Rauchverbots an Schulen zu achten. Oft wird auch darauf hingewiesen, dass Handys zum Alltag gehörten und Schüler in der Schule lernen müssten, wie man verantwortungsbewusst mit ihnen umgeht. Das stimmt! Dafür sollte es ein Fach geben. Man könnte es zum Beispiel Internet 21 nennen. Auf schuleigenen Geräten könnten die Schüler von Grund auf lernen, wie sich das Internet sinnvoll nutzen lässt, welche Gefahren es birgt und wie man mit den Geräten, mit denen man Zugang zum Netz hat, umgeht. Mit der Einführung eines solchen Fachs würde man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Schulen würden sich zum einen dem digitalen Suchtverhalten ihrer Schüler entgegenstellen und sich zum anderen nicht der Digitalisierung verschließen.

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Arne Ulbricht
© Arne Ulbricht
Arne Ulbricht

Lehrer und Autor

Arne Ulbricht (Jg. 1972) ist seit 2004 Lehrer. Zudem befasst er sich als Autor mit pädagogischen Themen und berichtet aus seinem Berufsalltag. In seinem Roman „Nicht von dieser Welt“ und seinem Sachbuch „Schule ohne Lehrer? Zurück in die Zukunft“ setzt er sich mit den Auswüchsen der Digitalisierung auseinander.

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