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Schnelleres Internet für alle – Wie kann der Breitbandausbau klappen?

Die Telekom will Milliarden in die Breitbandtechnik Vectoring investieren. Im Gegenzug fordert das Unternehmen die exklusive Versorgung über die Hauptverteiler. Die Wettbewerber setzt das unter Druck.

Warum Glasfaser der Vectoring-Technik haushoch überlegen ist

Dipl.-Ing. Jens Thaele
  • Die Deutsche Telekom will die Vectoring-Technologie einführen
  • Verlierer sind die Bürger, der Wettbewerb und der Klimaschutz
  • Eine Nachfrage nach Bandbreiten setzt die Glasfaser voraus

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Deutschland hat gerade die Ein-Prozent-Hürde übersprungen – ein Prozent der Haushalte in Deutschland sind mittlerweile an ein Glasfasernetz angebunden. Damit ist die Bundesrepublik weiter Glasfaser-Entwicklungsland. Daran soll sich nach dem Willen der Deutschen Telekom und der Bundesnetzagentur nichts ändern. Der Dax-Konzern will die sogenannte Vectoring-Technik flächendeckend einführen. Diese Technologie ermöglicht eine signifikante Erhöhung der Übertragungsbandbreite von theoretisch bis etwa 300 Mbit/s und somit eine breitbandige Anbindung von Endkunden über ihre bestehenden alten Kupferadern – ohne aufwendige Neuverlegung von Glasfasertechnik.

Die Vectoring-Technologie führt zu einer Re-Monopolisierung der Telekom

Auf den ersten Blick wirkt die Technologie wie eine Art Wunderwaffe zur schnellen Beseitigung des herrschenden Breitbandmangels in Deutschland, und die Bundesregierung wähnt sich in ihrer Breitbandstrategie, jedem Haushalt bis 2018 einen Anschluss von mindestens 50 Mbit/s zu ermöglichen, auf einem guten Weg.

Doch beim genaueren Hinschauen offenbaren sich viele Nachteile. Verlierer sind die Bürger, die Marktwirtschaft, aber auch der Klimaschutz. Vectoring-Technologie führt zu einer Re-Monopolisierung der Telekom. Denn aus technischen Gründen muss zwingend ein einzelner Betreiber die Kontrolle über sämtliche Leitungen am Kabelverzweiger haben. Nur dann kann Vectoring die elektromagnetischen Störungen zwischen den Kupferleitungen entsprechend ausgleichen und deshalb eine hohe Bandbreite erreichen.

Da die Telekom in etwa 98 Prozent der etwa 330.000 Kabelverzweiger die Mehrheit der Anschlüsse hat, bekäme sie hier einen exklusiven Kundenzugang garantiert. Alle anderen Wettbewerber würden damit dauerhaft von diesem Markt quasi ausgesperrt werden, viele verlieren gar ihre bereits getätigten Investitionen.

Vectoring wird zusätzlich etwa 200 Millionen Euro pro Jahr kosten

Hinzu kommt: Die Technik in den Verteilerkästen muss an heißen Tagen noch zusätzlich gekühlt werden. Die Folge: hoher Energieverbrauch und hohe Fehleranfälligkeit durch Überhitzung. Die zusätzlichen Kosten für den Energiebedarf taxieren Experten auf etwa 200 Millionen Euro pro Jahr. Abgesehen von den dauerhaften Folgekosten für Energie und Reparaturen ist Vectoring also obendrein eine klimafeindliche Technologie.

Schlussendlich ist Vectoring nicht zukunftstauglich. Die meisten Experten gehen von einer regelrechten Explosion der benötigten Bandbreiten aus. Das liegt nicht zuletzt am Wachstum der Videostreamingdienste. Schon heute stößt ein 16-Mbit/s-Internetzugang bei einem UHD-Stream an seine Grenzen, 50 Mbit/s sind bereits jetzt vorteilhaft. Weitere Evolutionsstufen der Unterhaltungselektronik werden sehr bald das Vielfache an Leistungsfähigkeit abverlangen. Die rasante Entwicklung des Internets der Dinge, als nur ein Beispiel für weitere bandbreitenhungrige Anwendungen, verlangt zusätzlich nach sicheren und fehlerunanfälligen Übertragungsmedien. Als sinnhafte Zukunftstechnologie fällt Vectoring deshalb nicht nur aufgrund fehlender Bandbreitenreserven glatt durch. Die Zukunft verlangt nach einer geeigneten Gigabittechnologie, und zwar durchgängig bis zu den Endkunden.

Glasfaser hat den Nachteil der hohen Kosten für die Erstverlegung

Die Glasfaser passt sich perfekt dem künftigen Bandbreitenhunger einer digitalisierten Welt an. Die optischen Fasern weisen geringe Dämpfungswerte auf, sodass lange Übertragungswege mit verhältnismäßig wenig Energieeinspeisung auskommen. Später erforderliche Bandbreitenerhöhungen bei bereits verlegten Fasern lassen sich bequem durch einen Austausch der Sender- und Empfängertechnik umsetzen, sodass in Zukunft größere bauliche Maßnahmen entfallen. Die extrem viel höhere Abhörsicherheit gegenüber elektrischen Kabelverbindungen rundet die Vorteilsliste von Glasfasertechnologie ab.

Wären da nicht die hohen Kosten einer Erstverlegung von Glasfaser, dürfte das Kupferkabel längst der Vergangenheit angehören. Je nach topografischen Bedingungen und den sich daraus ergebenden Tiefbaukosten für entsprechend lange Trassen, könnten Kosten zwischen etwa 1000 und 5000 Euro pro Haushalt anfallen. Einmalige Investitionen übrigens, die wir bei Straßen-, Gas- und Wasseranschlüssen wie selbstverständlich akzeptieren. Warum sollen Investitionen in eine dringend benötigte, digitale Infrastruktur schlechter gestellt werden?

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Dipl.-Ing. Jens Thaele
© Jens Thaele
Dipl.-Ing. Jens Thaele

Consultant und Autor

für Telekommunikation und digitalen Wandel

Jens Thaele (Jg. 1964) studierte in Berlin Ingenieurwissenschaften und hat Abschlüsse als Dipl.-Ing. der Nachrichtentechnik sowie als Dipl.-Wirtschaftsingenieur. Seine beruflichen Erfahrungen sammelte er bei namhaften Unternehmen und Einsätzen im In- und Ausland. Heute vermittelt er auch als Autor sein Wissen und gibt Menschen hilfreiche Tipps im Umgang und Einsatz von Technologie. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dabei den Folgen der digitalen Revolution auf Unternehmen, Menschen und Gesellschaft.

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