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Technikmesse Cebit: Warum fällt uns die Digitalisierung so schwer?

Unter dem Motto „d!conomy – no limits“ rückt die Cebit 2017 die digitale Transformation in den Mittelpunkt. Doch noch immer zögern viele Firmen in Sachen Digitalisierung, vor allem der Mittelstand.

Was Start-ups sich von Traditionsfirmen abschauen sollten

Fabian Westerheide
  • Viele Gründer beschäftigen sich zu wenig mit dem Thema Finanzierung
  • Ohne eine nachhaltige Prozessstruktur nützt auch die beste Idee nichts
  • Die Schnelligkeit und Kreativität der Start-ups müssen aber nicht leiden

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Die vergangenen sieben Jahre in der Start-up-Welt waren angenehm, denn es fehlte den Gründern an nichts: weder an der notwendigen Aufmerksamkeit durch die Medien noch an Kunden – vor allem aber nicht an zahlungskräftigen Investoren. Diese einfachen Zeiten sind nun vorbei. Die Weltwirtschaft ächzt, nach der Immobilienblase drohen nun auch Einbrüche bei Anleihen und Aktien. Die Folge: Investoren halten ihr Geld zusammen. Und wenn sie schon mal finanzieren, dann in diejenigen Start-ups, deren Geschäftsmodell nachhaltig überzeugt.

Doch genau hier liegt das Problem: Finanzierung ist bei (zu) vielen Gründern als unsexy verschrien. Businessplan und Geschäftsmodell? Klingt viel zu sehr nach Konzern. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele aufstrebende Unternehmer sich über diese Grundlage eines langfristigen Erfolgs schlichtweg keine Gedanken machen. Da gibt es Start-ups, die keine Buchhaltung haben. Die vor drei Wochen pleitegegangen sind – und es noch nicht einmal wussten. Die von der Umsatzsteuerrückzahlung überrumpelt wurden. Die sich hemmungslos übernommen haben und Geld aus dem Fenster warfen, was sie noch nicht annähernd wieder eingenommen haben.

Selbstverwirklichung ist fehl am Platz

Manche Gründer sehen ihr Start-up als Teil einer Selbstverwirklichung. Ich möchte keinesfalls pauschalisieren, aber in der Vergangenheit habe ich es einfach zu oft gehört. Eine Gründung sollte in erster Linie nicht der Selbstfindung dienen – die Vision, die den Gründer umtreibt, muss auch realisierbar und wirtschaftlich tragfähig sein. Sicher, Finanzierung ist trocken. Mühsam. Unangenehm. Aber ohne diese Basis nützt die schönste Idee nichts.

Von mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen können wir in unserer Start-up-Welt also genau das lernen: eine vorausschauende Planung der Geschäfte sowie eine nachhaltige Prozessstruktur, die systemimmanente Ineffizienz minimiert und wirtschaftliche Sicherheit für die Mitarbeiter schafft. Kein Unternehmen dieser Welt ist nachhaltig erfolgreich geworden, nur weil die Idee die richtige war. Ob Apple, Google oder Zalando – sie alle bedienten sich auch einzelner Bausteine aus der Konzernwelt. Es müssen nur die richtigen sein.

Das Modell muss zu den Fähigkeiten passen

Denn natürlich sind die Schnelligkeit, Kreativität und Experimentierfreude von Start-ups ihr Trumpf. Der Spaß daran, etwas Neues und Frisches zu etablieren. Trotzdem bleiben Buchhaltung und Geschäftsberichte Teil der Arbeit. Junge Firmen sollten von Anfang an auf ihre Kosten achten – und ihre Bewertung für Investoren realistisch einschätzen.

Wer zwar kreativ ist, aber auf Finanzen einfach keine Lust hat, muss sich entweder externe Hilfe oder einen finanzaffinen Co-Gründer ins Boot holen. Nicht zuletzt gilt die Regel: Das Geschäftsmodell muss zu den Fähigkeiten der Gründer passen.

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Fabian Westerheide
© Fabian Westerheide
Fabian Westerheide

CEO und Gründer, Asgard Capital

Fabian Westerheide ist CEO von Asgard – einer Venture Capital für künstliche Intelligenz und Internet der Dinge. Zuvor hat er mit Wunsch-Brautkleid.de den größten deutschen Marktplatz für Brautmoden aufgebaut. In der Vergangenheit arbeitete er mit Team Europe, Point Nine Capital, HitFox; gründete und finanzierte dutzende Start-ups. Er liebt es, auf seiner Homepage Bootstrapping über seine Erfahrungen als Investor und Gründer zu schreiben.

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