Frauen agieren heute klarer und entschlossener in ihrer eigenen Karriereplanung als noch vor zehn oder 15 Jahren. Foto: dotshock/Smarterpix
Premium

Weiterbildung: Frauen holen auf beim MBA

Ein MBA-Abschluss an einer renommierten Business School gilt als Goldstandard für den Karriereanschub. Lange Zeit waren Studierende in solchen MBA-Studiengängen mehrheitlich männlich, was sich in männlich dominierten Vorständen und Besetzungen des Topmanagements widerspiegelte. Das hat sich geändert.

Laut einer Umfrage der Forté Foundation hat sich der Frauenanteil bei den MBA-Absolventen innerhalb von zehn Jahren um fast ebenso viele Prozentpunkte auf etwa 42 % erhöht.  Forté ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in den USA, die sich für die Förderung von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft einsetzt. Zu ihren Mitgliedern zählen zwar überwiegend US-amerikanische Business Schools, Forté konstatiert jedoch einen weltweiten Anstieg des Frauenanteils. Das gilt also auch für Deutschland.

Dass ein Wandel zu spüren ist, bestätigt Martina Eberl, Professorin an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) und stellvertretende Leiterin der dortigen Berlin Professional School (BPS). Dabei spielten verschiedene Faktoren eine Rolle: Es sei ein Zusammenspiel aus gesellschaftlichem Wandel, wirtschaftlichem Druck und individueller Motivation. Frauen übernähmen zwar immer noch teils deutlich mehr Carearbeit als ihre Partner, dennoch seien heute zum Beispiel mehr Väter bereit, sich stärker bei der Kinderbetreuung zu engagieren als noch vor 20 Jahren, sagt Eberl. Vor allem: „Unternehmen investieren heute gezielter in weibliche Führungskräfte. Der wachsende Druck auf dem Arbeitsmarkt und die Suche nach exzellenten Fachkräften öffnen Räume, die früher oft männlich dominiert waren. Außerdem kommt die Erkenntnis, dass gemischte Teams effektiver arbeiten, verstärkt in den Führungsetagen an.“

Parttime MBA: Frauenanteil von 20 % auf 60 % gestiegen

Diese Signale kommen auch bei den Frauen an. Sie agieren heute klarer und entschlossener in ihrer eigenen Karriereplanung als noch vor zehn oder 15 Jahren, beobachtet Eberl unter den Studentinnen. Das lässt sich mit Zahlen belegen: „Wir sehen bei uns eine massive Steigerung, insbesondere im berufsbegleitenden Bereich. 2019/2020 lag der Frauenanteil im Berlin Parttime MBA noch bei knapp 20 %. Heute liegt er bei sehr erfreulichen 60 %. Ähnlich liegen die Zahlen beim Fulltime MBA, der allerdings vor sechs Jahren bereits einen Frauenanteil von 38 % hatte.“

Eine der MBA-Studentinnen ist die studierte Physikerin Antje Rohrbeck, die seit drei Semestern berufsbegleitend an der BPS studiert. Für ihr berufliches Fortkommen investiert sie viel Geld und auch viel Freizeit. Doch das ist es ihr wert. „Gerade im Technologiebereich kommt man kaum an einem MBA vorbei, wenn man karrieretechnisch aufsteigen, andere Aufgaben wahrnehmen und strategisch arbeiten möchte.“ Ihr Arbeitgeber ist ein Technologieunternehmen, Rohrbeck arbeitet dort im Bereich der Hardwarevirtualisierung, unter anderem für die Automobilindustrie, und ist aktuell im Produktmanagement tätig.

Frauen im MBA: Stipendien, Marketing, Familienfreundlichkeit

Sie möchte in der nach wie vor männlich dominierten Tech-Branche jedoch noch mehr erreichen. „Ohne Managementkenntnisse wird man als Naturwissenschaftlerin aber nicht ernst genommen“, beschreibt sie ihre Erfahrungen. Das fange schon bei der richtigen Fachsprache an. „Auch da hilft der MBA enorm: Nach kurzer Zeit hatte ich das richtige Wording drauf, das nötig ist, wenn man sich mit Businesszielen und -strategien, Kundengewinnung und Return on Investment beschäftigen will.“ Ihr MBA-Jahrgang bestehe zu rund einem Drittel aus Frauen. Keine davon habe Kinder. „Sicherlich ist noch viel Luft nach oben, was unterstützende Strukturen anbelangt, damit auch Frauen mit vielleicht noch kleineren Kindern sich auf einen MBA einlassen“, sagt Rohrbeck.

Nicht nur die Unternehmen, auch die Hochschulen werben deshalb seit einigen Jahren mehr und gezielt um Frauen: Business Schools bemühen sich mit Stipendien für Frauen oder durch gezieltes Marketing auf Karrieremessen um mehr weibliche Studierende. Auch Familienfreundlichkeit ist ein Thema. Die HWR Berlin ist als familienfreundliche Hochschule zertifiziert – davon sollen auch MBA-Studentinnen profitieren.  Unter anderem wurde die Präsenzzeit im Berlin Parttime MBA reduziert, was die Studierbarkeit  – auch für Studierende mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen – erleichtert.

Business School ESMT: Hoher Anteil weiblicher Lehrkräfte

Auch für Notfälle oder stressige Prüfungsphasen gibt es Hilfe. „Wir haben zum Beispiel eine Kooperation mit einem freien Träger, der in der Kinderbetreuung einspringen kann, wenn eine Regelbetreuung einmal ausfällt. Diesen Service können alle Studierenden nutzen“, erläutert Martina Eberl. Außerdem gebe es flexible Lösungen, etwa durch kurzfristige Onlineteilnahme an Lehrveranstaltungen, wenn Kinder akut erkranken. Die ebenfalls in Berlin ansässige Wirtschaftshochschule European School of Management and Technology (ESMT) hat vergleichbare Erfolge beim Frauenanteil im MBA erzielt: Aktuell sind 56 % unter allen aktuell eingeschriebenen MBA-Studierenden Frauen.

Rebecca Loades, Direktorin der MBA-Programme an der ESMT, sagt: „Aus meiner Sicht spielt es eine wichtige Rolle, Rahmenbedingungen schaffen, die es mehr Frauen ermöglichen, diesen Abschluss in unterschiedlichen Karriere- und Familienplanungsphasen zu absolvieren. Deshalb achten wir besonders darauf, dass sich Frauen im gesamten Programm repräsentiert und unterstützt fühlen.“  Dazu trägt etwa ein relativ hoher Anteil weiblicher Lehrkräfte bei: Derzeit werden 40 % des gesamten MBA-Programms an der ESMT von Frauen unterrichtet. Es freue sie sehr, ergänzt Loades, dass im aktuellen MBA-Jahrgang auch Studierende mit kleinen Kindern seien: „Wir brauchen mehr solcher Beispiele, die zeigen, dass sich ein ambitionierter Karriereweg und familiäre Verantwortung miteinander vereinbaren lassen.“

WHU-Ziel: Frauenanteil weiter steigern

Die WHU Otto Beisheim School, Mitbewerberin auf dem MBA-Markt,  setzt in ihrer Community ebenfalls auf Vorbilder unter den Lehrenden und unter den Absolventinnen, denen der MBA zu interessanten Führungspositionen verholfen hat.  „Hinzu kommt eine gezielte Ansprache und auch Themensetzung in den MBA-Studiengängen – indem wir verstärkt die Relevanz von Diversität, Leadership und gesellschaftlicher Verantwortung in den Fokus nehmen“, sagt WHU-Sprecherin Kerstin Leitel.

Der Frauenanteil liegt in den MBA-Studiengängen an der WHU bei etwas über 30 %. Die in Vallendar und Düsseldorf beheimatete Hochschule möchte das steigern. Mittel der Wahl dafür seien etwa Mentoringangebote oder Stipendienprogramme für Frauen wie das „Women in Business Scholarship“ und das „Female Founders Scholarship“, so Leitel. Die WHU bietet zudem Flexibilität durch einen Online-Studiengang. „Unser Global Online MBA adressiert Menschen, für die Präsenzunterricht aufgrund unterschiedlichster familiärer oder persönlicher Rahmenbedingungen schwierig wäre, sagt Leitel. „Für viele Frauen ist dieses Angebot deshalb attraktiv.“

Ein Beitrag von:

Mareike Knoke

Weiterbildung: Frauen holen auf beim MBA

Premium

Diese Inhalte sind für Premium-Mitglieder inklusive

Der Zugang zu diesem Artikel und zu vielen weiteren exklusiven Reportagen, ausführlichen Hintergrundberichten und E-Learning-Angeboten von ausgewählten Herausgebern ist Teil der Premium-Mitgliedschaft.

Premium freischalten

ingenieur.de schreibt über Die Welt der Ingenieure. Zu Hause bei ingenieur.de.

ingenieur.de ist das Online-Nachrichtenportal für Ingenieure und Technikinteressierte. Neben tagesaktuellen Nachrichten über wirtschaftliche Entwicklungen der Industrie und Technikwelt, finden Leserinnen und Leser auch spannende Hintergründe, Forschungstrends sowie Informationen zu neuesten technischen Innovationen.

Artikelsammlung ansehen