Beim Warten schläft die Begeisterung für den Job ein | © Getty Images

Wer langsam einstellt, verliert schnell – Führung beginnt beim ersten Kontakt

Ein Insider-Weckruf für alle Geschäftsführer:innen und Führungskräfte: Die potenzielle Arbeitsbeziehung beginnt mit dem Bewerbungsprozess.

Viele Unternehmen investieren in Employer-Branding, Leadership-Programme und Kulturentwicklung. Doch was bringt all das, wenn der erste Kontakt mit einem potenziellen Mitarbeitenden bereits zeigt: Hier zählt der Mensch nicht wirklich.

Wir erleben es täglich: Bewerbungsprozesse, die sich ziehen. Rückmeldungen, die Wochen dauern. Vertragsverhandlungen, die in der Personalabteilung versanden. Und die Geschäftsführung? Oft nicht involviert. Dabei beginnt echte Führung genau hier – beim ersten Eindruck.

Unternehmen A vs. Unternehmen B – ein Realitätscheck

Unternehmen A: Bewerbungseingang wird nicht bestätigt. Erstgespräch nach zwei Wochen. Danach: Funkstille. Vertrag? „Muss noch abgestimmt werden.“ Die Geschäftsführung kennt den Namen des Kandidaten nicht. Ergebnis: Absage – der Kandidat hat längst woanders unterschrieben.

Unternehmen B: Bewerbungseingang wird sofort bestätigt. Erstgespräch nach drei Tagen. Vertragsangebot nach einer Woche. Die Geschäftsführung begrüßt den neuen Mitarbeitenden persönlich. Ergebnis: Begeisterung – und Bindung.

Was viele Führungskräfte unterschätzen

Langwierige, schwerfällige Prozesse führen nicht nur dazu, dass Kandidat:innen abspringen – sie tun es aus einem klaren Grund: fehlende Wertschätzung und mangelndes Interesse. Genau so wird es wahrgenommen. Und wir als Vermittler erleben das hautnah. Wir geben bis zum Schluss alles, um Kandidat:innen zu halten – doch irgendwann ist Vertrauen nicht mehr reparierbar.

Und damit nicht genug: Diese Prozesse beschädigen auch die Glaubwürdigkeit – gegenüber uns als Partner, aber vor allem gegenüber dem Unternehmen selbst. Denn wie wir alle wissen: Negative Erfahrungen verbreiten sich zehnmal schneller als positive. Was als interne Trägheit beginnt, wird zur unternehmenskritischen Schwäche – sichtbar im Markt, spürbar im Ruf.

Was jetzt zu tun ist

  • Prozesse prüfen: Wie lange dauert es vom Bewerbungseingang bis zur ersten Rückmeldung?

  • Personalabteilungen stärken: Keine Machtspielchen, sondern klare Zuständigkeiten und schnelle Entscheidungen.

  • Onboarding zur Chefsache machen: Wer neu ins Unternehmen kommt, verdient Aufmerksamkeit – von Anfang an.

Fazit

Langsame Prozesse sind das neue Desinteresse. Und Desinteresse ist kein Führungsstil – sondern ein Risiko. Wer heute nicht schnell und wertschätzend handelt, verliert morgen die besten Köpfe.

Führung beginnt beim ersten Kontakt. Und sie endet nicht beim Arbeitsvertrag.

Rebecca Hesselbach schreibt über Leadership, Karrieretipps, Recruiting-Trends, Homecare & Medizintechnik

Branchen-Expertin, Gründerin, Führungskraft, Mentorin, Visionärin, Hunde-Mama. Als Gesundheitsprofi und Gründerin von Hesselbach Personalvermittlung&Coaching verbinde ich Leidenschaft und Erfahrung. Meine Mission: Menschen in Jobs zu bringen, die sie lieben.

Artikelsammlung ansehen