Foto: Getty Images
Premium

8 Tipps, wie Ältere noch den Traumjob finden

Sie suchen mit Mitte 50 einen neuen Job? Damit die Jobsuche nicht zur monate- oder gar jahrelangen Hängepartie wird, sollten Sie diese Fehler vermeiden.

Sabine Lanius erlebt es immer wieder: „Fast schon leichtsinnig“ gingen erfahrene Arbeiter und Führungskräfte in Bewerbungsprozesse. „Viel zu überzeugt“ von sich und den eigenen Fähigkeiten. Einen Job? Den werden sie flugs finden. Dann folge der Realitätscheck, sagt Lanius, die Führungskräfte bei der Bewerbung berät: Die Jobsuche zieht sich monate-, gar jahrelang hin. Und immer dasselbe Spiel: Bewerbung-Absage-Bewerbung-Absage, vielleicht zwischendrin mal eine Einladung zum Interview – wenn überhaupt. Wenn sie nichts finden, wenden sich die Jobsuchenden an Bewerbungsberaterin Lanius.

Oder an Karriereberaterin Claudia Michalski. Viele Führungskräfte, sagt Michalski, meinen zu wissen, wie sie es durch den Bewerbungsprozess schaffen, weil sie ja immerhin jahrelang Lebensläufe gelesen, Interviews geführt, Menschen eingestellt hätten. „Das ist allerdings ein Trugschluss. Es ist eine völlig andere Disziplin, sich selbst bei einem Unternehmen anzubieten, sich zu verkaufen und zu präsentieren. Diesen Rollenwechsel unterschätzen zahlreiche ältere Arbeitssuchende massiv.“

Tatsächlich haben es ältere Arbeitnehmer bei der Jobsuche besonders schwer. Fachkräftemangel hin oder her. Sie berichten, dass ihnen ihr Alter bei der Suche nach einer neuen Stelle im Weg steht. 39 Prozent der Befragten zwischen 50 und 67 gaben in einer Befragung des Unternehmens Xing an, sie seien bei einer Bewerbung schon mal aufgrund ihres Alters diskriminiert worden.

Was also braucht es, damit die Jobsuche im Alter gelingt? Und vor allem: Welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus bewirbt, hat schlechtere Chancen – das gilt erst recht für ältere Arbeitssuchende. Nicolas von Rosty, der für die Personalberatung Heidrick & Struggles Top-Führungskräfte an seine Kunden vermittelt, kann älteren Führungskräften „nur dazu raten, sich – wenn irgend möglich – aus einer ungekündigten Stellung heraus zu bewerben. Ansonsten sind sie für uns viel schwieriger zu vermitteln.“ Von Rosty rät: „Selbst wenn es schmerzt und belastet: Ertragen Sie Konflikte und bleiben Sie im besten Fall im alten Job, bis Sie einen neuen finden.“

Exklusiv bei XING: 6 Wochen die WirtschaftsWoche kostenlos lesen

Geht es mit der Jobsuche nur mäßig voran, bewerben sich viele Kandidaten auf schlechtere Stellen. Sie würden ein geringeres Einkommen in Kauf nehmen oder seien bereit, nicht mehr so viele Leute zu führen wie früher. Anna Lüttgen, die bei der Personalberatung Hays die Bereiche Rekrutierung und Fachkräftebetreuung leitet, warnt vor diesem Vorgehen. „So signalisieren Sie vorschnell, wie verzweifelt sie bei der Jobsuche sind“, sagt sie. Beraterin Claudia Michalski weiß, dass Kandidaten so auch einen potenziellen Chef verunsichern könnten. „Er wird denken, Sie wollen auf das alte Level zurück – und damit auf seine Position.“ Dass man freiwillig eine niedrigere Stelle annehme, werde „selten akzeptiert“, sagt Michalski und ergänzt: „Es wirkt oft unglaubwürdig und für zukünftige Chefs eher bedrohlich in Bezug auf die eigene Autorität.“

Sabine Lanius höre häufig Aussagen wie: „Die Erfahrungen in meinem Lebenslauf sprechen ja für sich.“ Lanius entgegnet dann: „Das tun sie nicht. Ein Lebenslauf spricht nicht, er ist lediglich die Eintrittskarte, sich im Jobinterview präsentieren zu können – und das müssen Sie schon selbst tun.“ Auch Headhunter Nicolas von Rosty beobachtet, dass viele ältere und erfahrene Jobsuchende mit „zu viel Arroganz“ auftreten, getreu dem Motto: ‚Ich weiß doch, wie das hier läuft.‘ Sie neigten dazu, „ihre Erfahrungen und Erfolge viel zu ausschweifend darzustellen. Aber diese sind nur selten relevant für das neue Unternehmen oder die neue Position“, sagt von Rosty. Er empfiehlt: „Gehen Sie im Jobinterview nicht bloß in den Sendemodus, sondern treten Sie in den Dialog, hören Sie aktiv zu. Belehren Sie die Vertreter des potenziellen Arbeitgebers nicht, sondern treten sie mit einer gewissen Demut an die neue Aufgabe heran.“

Wenn ihnen ein Kandidat Anfang 60 gegenübersitzt, so die Erfahrungen von Rostys, fragten sich viele Personaler und Manager: Hat der überhaupt noch Lust und Energie, etwas zu bewegen? Man müsse „glaubhaft Veränderungsbereitschaft, Spontanität und Innovationswillen signalisieren“. Statt also daheim auf Antworten zu all den verschickten Bewerbungen zu warten, kann es helfen, sich eine Beschäftigung auf Projektbasis oder im Interim-Management zu suchen. So zeigen Sie, dass Sie Lust auf neue Aufgaben haben. Um dann im Interview Flexibilität zu signalisieren, „sollten Sie von Situationen berichten, die für Sie völlig neu waren und wie Sie sie bewältigt haben“, empfiehlt von Rosty. Besonders nützlich ist Erfahrung im Ausland. Gerade erst hat von Rosty mit einem erfahrenen Jobsucher gesprochen, der vor wenigen Monaten ein Werk eines Autozulieferers in Ungarn aufgebaut hat: „Auf der grünen Wiese hat er ohne Sprachkenntnisse, Genehmigungen besorgt, ein Team zusammengestellt und das Werk erfolgreich ans Laufen gebracht. Im hohen Alter“, sagt von Rosty.

10 Tipps für einen erfolgreichen Start im neuen Job

  1. Hintergrundwissen aneignen: Vorab sollten möglichst viele Informationen über die neue Firma eingeholt werden, zum Beispiel per Internetrecherche. Wer in ein inhabergeführtes Unternehmen kommt, sollte vor seinem ersten Arbeitstag schon einmal ein Bild des Inhabers gesehen haben – sonst könnte es peinlich werden, wenn man ihn am Kaffeeautomaten nach seinem Namen fragt.

  2. **Beobachten:**Unsicherheit darüber, wie man sich den anderen gegenüber verhalten soll, ist am Anfang ganz normal. Welche Umgangsformen herrschen in der neuen Firma? Welche internen Regeln gibt es? Schon im Vorstellungsgespräch und später dann vor Ort ist es hilfreich, die anderen genau zu beobachten und sich an dem Verhalten der anderen zu orientieren.

  3. Vorstellungsrunden vorbereiten: Egal, ob der Chef Sie durch die Abteilungen führt oder Sie sich vor dem Team selbst vorstellen: Überlegen Sie sich eine kurze Einleitung, die alle wichtigen Informationen zu Ihrer Person, Ihrer bisherigen Laufbahn und Ihrem neuen Aufgabenbereich enthält.

  4. Zu Fehlern stehen: Natürlich sollte man den gleichen Fehler nicht dreimal hintereinander machen, doch sind Fehler gerade am Anfang alles andere als ungewöhnlich. Versuchen Sie nie, einen Fehler zu verheimlichen sondern fragen Sie stattdessen nach, wie Sie ihn beim nächsten Mal vermeiden können.

  5. Schlüsselpersonen identifizieren: Die ersten Wochen dienen auch dazu, die Personen zu identifizieren, die für einen selbst am wichtigsten sind. Das können neben dem direkten Vorgesetzten auch andere Mitarbeiter und Kollegen sein.

  6. Nicht sofort nach Urlaub fragen: Es gibt einige Dinge, die in den ersten Tagen tabu sind: Dazu gehört unter anderem die Frage nach dem nächsten Urlaub. Ebenso sollten Sie es vermeiden, unpünktlich zur Arbeit oder zu Terminen zu erscheinen oder sich zu früh in den Feierabend zu verabschieden.

  7. Arbeitsstile: Tauschen Sie sich mit Kollegen über bevorzugte Arbeitsstile aus. Möchte jemand zum Beispiel lieber persönlich, per Telefon oder per E-Mail informiert werden?

  8. Zwischenmenschliche Kontakte forcieren: Warten Sie nicht darauf, dass die Kollegen Sie zur Kaffeepause abholen, sondern gehen Sie selbst auf die anderen zu. Haben Sie eine Frage an den Chef, gehen Sie kurz vor dem Mittagessen zu ihm und anschließend gemeinsam in die Kantine.

  9. Nicht über den alten Job lästern: Bei Nachfragen nach dem alten Job sollten Sie stets sachlich bleiben. Über die alten Kollegen oder den Chef herzuziehen, ist tabu.

  10. Mit Kritik zurückhalten: Halten Sie sich zunächst an die Vorgaben, die man Ihnen macht, auch wenn diese Ihnen in manchen Fällen weniger sinnvoll erscheinen sollten. Wenn Sie sich eingearbeitet und das Unternehmen in Ruhe kennen gelernt haben, können Sie immer noch Verbesserungsvorschläge machen.

Erst recht, wenn Sie gegen Ende Ihrer Karriere noch mal die Branche wechseln wollen, fehlen Ihnen Betriebswissen und Kontakte. Karriereberaterin Claudia Michalski rät älteren Arbeitnehmern deshalb dringend, regelmäßig in Weiterbildungen zu investieren, insbesondere zu digitalen Themen: „So entkräften Sie das Klischee, Sie seien in Ihrem Alter nicht mehr auf dem aktuellen Stand.“

Wer lange bei nur bei einem Konzern Karriere gemacht hat, hat es bei der Jobsuche besonders schwer – auch wenn er regelmäßig Abteilungen gewechselt, im Ausland gearbeitet hätte. Expertin Claudia Michalski weiß: „Gerade Mittelständler sind der Meinung, dass die Konzernler gar nicht mittelstandstauglich seien. Sie waren große Strukturen gewöhnt: Wenn der Laptop kaputt geht, rufen sie die Hotline an und haben kurz darauf einen neuen. Und ja, so manchem Konzernler fehlt in der Tat die Hands-on-Mentalität“, sagt Michalski. „Ich würde diesen Menschen dazu raten, sich eher wieder bei Konzernen zu bewerben. Sie sollten außerdem ihr Netzwerk nutzen, ehemalige Kollegen ansprechen, die den Wechsel geschafft haben und vielleicht bei dem eigenen Wechsel unterstützen können.“

Viele Arbeitgeber rühmen sich damit, dass sie besonderen Wert auf Diversität und Ältere legen. Hinterfragen Sie diese Versprechen! „Hier gilt der Grundsatz: Ein paar schöne Worte auf der Karrierewebseite genügen nicht“, sagt Anna Lüttgen von Hays. Sie rät älteren Arbeitssuchenden, ein Augenmerk auf firmeninterne Netzwerke zu legen. „Auch wir haben bei Hays ein 55+-Netzwerk: Ein Mitarbeiter Anfang 60 ist etwa sehr aktiv auf LinkedIn, tritt hier als eine Art Botschafter auf und erhält viele Fragen von potenziellen Kandidaten. Wer im fortgeschrittenen Alter einen neuen Job sucht, kann aktiv Ausschau nach Unternehmen mit solchen Netzwerken halten und Personen, die Teil dieses Netzwerks sind, ansprechen oder im Bewerbungsgespräch darum bitten, mit solchen Menschen ins Gespräch gebracht zu werden“, sagt Lüttgen. „Denn Menschen, die selbst Mitte 50 sind, wissen nun mal am besten, wie mit Älteren im Unternehmen wirklich umgegangen wird.“

Exklusiv bei XING: 6 Wochen die WirtschaftsWoche kostenlos lesen

„Viele erfahrene Jobsucher sind überzeugt, mit Hilfe von ein, zwei Headhuntern, die sie noch von früher kennen, schon an den richtigen Job zu kommen“, zeigt die Erfahrung von Sabine Lanius. Diese Headhunter hätten sie schonmal aktiviert, heißt es dann häufig. „Das Problem: Headhunter werden von Auftraggebern aktiviert, nicht von Jobsuchern. Sie freuen sich vielleicht, mal wieder von Ihnen zu hören. Doch wenn sie gerade keinen Suchauftrag haben, können sie Ihnen nun mal nicht helfen“, sagt Lanius. Wer im Alter einen Job sucht, müsse viel mehr Personalberater ansprechen. „Und häufig können die Headhunter von früher, die nun mal für ein bestimmtes Level rekrutieren, Ihnen heute gar nicht mehr helfen, wenn Sie auf der Suche nach einer höheren Stelle sind.“

8 Tipps, wie Ältere noch den Traumjob finden

Premium

Diese Inhalte sind für Premium-Mitglieder inklusive

Der Zugang zu diesem Artikel und zu vielen weiteren exklusiven Reportagen, ausführlichen Hintergrundberichten und E-Learning-Angeboten von ausgewählten Herausgebern ist Teil der Premium-Mitgliedschaft.

Premium freischalten

WirtschaftsWoche

Deutschlands führendes Wirtschaftsmagazin – verstehen zahlt sich aus.

Artikelsammlung ansehen