Achtung! Wie der Semmelweis-Reflex verhindert, dass Du im Job vorankommst
Wenn Veränderung ansteht, denkst du, "Och nöööö"? Warum dir das Vertraute im Weg stehen kann und 5 Strategien, mit denen du den Semmelweis-Reflex in den Griff bekommst.
Manchmal stehen wir vor einer Idee, die uns irgendwie fremd erscheint. Ein Gedanke, der unsere bisherige Sichtweise infrage stellt, uns vielleicht sogar etwas aus der Bahn wirft. Die typische Reaktion? Rückzug. Wir bleiben lieber in der Komfortzone, anstatt uns auf das Unbekannte einzulassen. Und das ist nicht ungewöhnlich. Dieses Verhalten hat sogar einen Namen: den „Semmelweis-Reflex“. Aber was genau steckt dahinter, und warum fällt es uns so schwer, Veränderungen anzunehmen?
WAS IST DER SEMMELWEIS-REFLEX?
Lass uns kurz zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts reisen. Ignaz Semmelweis, ein ungarischer Arzt, stellte fest, dass das simple Händewaschen die Sterblichkeitsrate bei Geburten drastisch senken konnte. Ein Durchbruch, könnte man meinen – und doch stieß er auf Ablehnung. Die medizinische Gemeinschaft war fest in ihren Traditionen verankert und wollte von dieser „absurden“ Idee nichts wissen. Wie konnte so etwas Banales wie Händewaschen einen so gewaltigen Unterschied machen?
Diese Reaktion, die nach ihm benannte wurde, finden wir heute überall. Der Semmelweis-Reflex ist ein psychologisches Phänomen, das auftritt, wenn neue Informationen oder Ansätze unsere bestehenden Überzeugungen herausfordern. Und wir alle erleben das hin und wieder – manchmal sogar öfter, als uns lieb ist.
WIE UNS DER SEMMELWEIS-REFLEX IM ALLTAG AUSBREMST
Stell dir vor, du befindest dich mitten in deiner Karriere. Du hast hart und viel dafür gearbeitet und plötzlich hörst du von einem neuen, vielversprechenden Kurs oder einer Technologie, die alles verändern könnte. Dein erster Gedanke? „Das brauche ich nicht. Was ich bisher gemacht habe, funktioniert wunderbar.“ Genau hier setzt der Semmelweis-Reflex an. Er verhindert, dass wir uns den Raum geben, etwas Neues zu lernen – und damit möglicherweise zu wachsen.
Vielleicht kennst du diesen Reflex aber auch aus anderen Bereichen deines Lebens. Nehmen wir persönliche Gewohnheiten: Wir alle wissen, dass eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung gut für uns sind. Aber wie oft haben wir schon neue Ratschläge gehört und dann dennoch entschieden, dass unser aktueller Lebensstil „eh passt“?
WARUM ES SO SCHWER IST, NEUES ZU AKZEPTIEREN
Hier wird es spannend: Es geht nicht unbedingt um die Qualität der neuen Idee. Der Semmelweis-Reflex zeigt sich, weil unser Gehirn Dissonanzen hasst. Wenn neue Informationen nicht zu dem passen, was wir bereits glauben, erzeugt das kognitive Dissonanz – ein unangenehmes Spannungsgefühl, das wir instinktiv vermeiden wollen. Und um dieses Unbehagen zu vermeiden, machen wir oft einen simplen, aber folgenschweren Schritt: Wir lehnen die Idee aufgrund der Angst vor Kontrollverlust und Ungewissheit einfach ab.
Studien haben gezeigt, dass Menschen sogar ihre eigenen Erfolge weniger schätzen, wenn diese nicht mit ihrer bisherigen Erfahrung übereinstimmen. Wir bevorzugen das Vertraute, selbst wenn es uns im Weg steht. Forscher der Harvard Business School fanden heraus, dass wir dazu neigen, auf altbewährte, aber suboptimale Wege zu setzen, selbst wenn wir wissen, dass uns neue Wege weiterbringen würden – oft aus reiner Gewohnheit.
DEN SEMMELWEIS-REFLEX ÜBERWINDEN
💡Der erste Schritt, um diesen Reflex zu überwinden, ist Bewusstsein. Sobald du erkennst, dass du dich gegen etwas Neues wehrst, frag dich: Warum? Liegt es an der Idee selbst, oder ist es die Unstimmigkeit mit Ihrer bisherigen Sichtweise? Hier sind einige Strategien, um den Semmelweis-Reflex zu durchbrechen:
💡Sei neugierig: Anstatt das Unbekannte zu fürchten, betrachte es als Chance. Was könnte passieren, wenn du diese neue Idee zulassen kannst?
💡Reflektiere deine Reaktionen: Nimm dir bewusst Zeit, deine Abwehrreaktion zu hinterfragen. Oftmals verbergen sich dahinter tiefsitzende Ängste oder Unsicherheiten.
💡Mach kleine Schritte: Große Veränderungen können einschüchternd sein. Beginne mit kleinen, machbaren Anpassungen, um die Vorteile neuer Ideen schrittweise zu erleben.
💡Nutze Feedback: Sieh die konstruktive Kritik als Werkzeug zur Verbesserung, nicht als Angriff. Feedback kann eine Landkarte sein, die dir zeigt, wie du dich weiterentwickeln kannst.
Der Semmelweis-Reflex arbeitet oft im Verborgenen, doch sobald wir ihn erkennen, können wir ihn nutzen, um über uns hinauszuwachsen. Es erfordert Mut und Reflexion, den eigenen Reflexen entgegenzutreten, aber das Potenzial, das darin steckt, ist riesig. Manchmal ist es gerade das Unbekannte, das uns zu den besten Versionen unserer selbst führt.

