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Dentsu erwägt offenbar den Verkauf seines internationalen Geschäfts

Spekuliert wird schon länger, jetzt verdichten sich die Anzeichen: Die japanische Werbeholding Dentsu erwägt offenbar den Verkauf ihres internationalen Geschäfts. Laut einem Bericht der Financial Times hat das Unternehmen mehrere Investmentbanken damit beauftragt, nach Käufern für sein Media- und Kreativgeschäft außerhalb des Heimatmarkts zu suchen.

Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, die renommierte Zeitung zitiert aber mehrere Personen, die Kenntnis von den Plänen haben sollen. Ein Verkauf des internationalen Geschäfts hätte durchaus eine gewisse Plausibilität. Nach der Übernahme der britischen Aegis-Gruppe im Jahr 2012, die bis heute im Wesentlichen den Kern der Aktivitäten von Dentsu außerhalb Japans bildet, haben sich diese nicht so entwickelt wie erhofft. Erst vor wenigen Tagen räumte CEO Hiroshi Igarashi bei der Vorlage der Zahlen für das 2. Quartal ein, dass das internationale Geschäft weiter geschrumpft ist und sprach von einer "extrem schwierigen Entwicklung". Im japanischen Heimatmarkt steht die Gruppe dagegen nach wie vor gut da.

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In den ersten sechs Monaten des Jahres sank der Nettoumsatz um 3,4 Prozent. Die operative Marge liegt bei 12 Prozent. Vor allem wegen der Probleme im internationalen Geschäft hat Dentsu seine Prognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert. Gleichzeitig hat das Unternehmen angekündigt, die Anzahl der Arbeitsplätze im internationalen Geschäft um 8 Prozent zu reduzieren. Das entspricht rund 3400 Angestellten. Die Stellen sollen laut Auskunft des Konzerns vor allem in den Headquarters und im Backoffice-Bereich gestrichen werden. Zuletzt gab es aber auch wieder positive Nachrichten: So konnte Dentsu den europaweiten Mediaetat von BMW verteidigen und um das Digitalmandat erweitern. Auch das EMEA-Mandat von Vodafone konnte man verteidigen. Verloren ging dagegen der globale Auftrag von Mastercard.

Offen ist, was für einen Deal Dentsu für seine internationale Sparte im Auge hat. Denkbar sind verschiedene Optionen: einen Partner an Bord holen, Minderheitsbeteiligungen oder ein Komplettverkauf. Das internationale Geschäft wird von Beobachtern auf ein Volumen von 5 Milliarden US-Dollarn geschätzt, rund zwei davon in den USA. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie Microsoft, Procter & Gamble, Kraft Heinz und Ferrero. Als potenzielle Käufer kommen andere Holdings, Finanzinvestoren oder Beratungsunternehmen infrage. In diesem Zusammenhang fällt häufiger der Name Accenture. Die IT-Beratung hatte sich zuletzt anders als früher stärker im Mediageschäft engagiert. Analyst Brian Wieser bringt auch größere unabhängige Agenturgruppen ins Spiel.

Die Pläne von Dentsu betreffen auch Deutschland und die hiesigen Ableger, zu denen neben dem Medianetwork Carat auch die CRM- und Digitaltochter Merkle sowie die Kreativagentur RCKT gehören. Mit Katja Brandt wurde erst vor Kurzem eine CEO für den hiesigen Markt engagiert. Sie startet im September - und das gleich mit der jetzt offiziell von oberster Stelle formulierten Maßgabe, sich von Personal zu trennen. Wie die Sparvorgaben in den einzelnen Märkten konkret umgesetzt werden, muss man abwarten. Genauso, in welche Richtung sich die Verkaufspläne entwickeln. Bis zum Jahresende soll hier dem Bericht der Financial Times zufolge Klarheit herrschen.

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