Headhunterin Sabine Hansen: „Wer klein denkt, bekommt auch klein.“ - ANDREAS ENDERMANN
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Diese vier Fehler machen Frauen bei der Bewerbung für Top-Jobs

Bei Sabine Hansen sprechen monatlich 50 Kandidaten für Top-Positionen in Unternehmen vor. Was die Frauen am Erklimmen der Karriereleiter hindert.

Düsseldorf. Folgende Geschichte ist so wirklich passiert: Mehr als zehn Jahre hat eine IT-Managerin das Risiko- und Sicherheitsmanagement in einem Dax-Unternehmen auf internationaler Ebene verantwortet. Eigentlich wäre ein Posten auf Vorstandsebene für die Enddreißigerin der nächste logische Schritt gewesen.

Doch die Managerin schlug mehrere Angebote in die Richtung aus. Der Grund: zu groß die Verantwortung, zu hoch der Workload, um ihn mit dem Alltag zu verbinden.

Ihr Mann sei die ganze Woche beruflich unterwegs, da könne sie mit zwei kleinen Kindern maximal 80 Prozent arbeiten. Und so wechselte sie zwar tatsächlich den Job, ging jedoch – statt die Karriereleiter rauf – zu einem Mittelständler auf die dritte Hierarchieebene.

Ja, es stimmt: Frauen haben es alles andere als leicht, Karriere zu machen. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen selbst bei gleicher Qualifikation im Job oft schlechter und machen unter den größten deutschen Unternehmensvorständen nur einen Anteil von zehn Prozent aus. Das ist ungerecht und muss sich ändern.

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Doch zur Wahrheit gehört auch: Einige Frauen sind für den Stillstand ihres Werdegangs mitverantwortlich. „Viele Frauen limitieren sich im Job und in ihrer Karriere von vornherein selbst – aus Rücksicht auf andere“, sagt Headhunterin Sabine Hansen.

Gerade in Corona-Zeiten haben sich alte Rollenbilder wieder stärker manifestiert. So waren es im Lockdown meist Mütter, die ihre Schul- und Kitakinder – oft sogar allein – betreuten und parallel ihren Jobs nachgingen. Eine Entwicklung, die auch Hansen mit Sorge beobachtet hat. „Die Coronakrise ist für die Karriereambitionen weiblicher Führungskräften fast ebenso schädlich wie die gesamtgesellschaftlichen Folgen der Pandemie.“

Die Personalexpertin vermittelt viele Frauen in Führungspositionen ab einem Gehaltsniveau von 180.000 Euro aufwärts und führt dazu jeden Monat etwa 50 Gespräche für eine Vorauswahl. Ihre Beobachtung: „Wer klein denkt, bekommt auch klein.“ Hansen hat deshalb vier Bewerbungsfehler ausgemacht, die besonders häufig Frauen die Karriere verbauen.

Bewerbungsfehler 1: Sie legen den Fokus auf Rahmenbedingungen statt Inhalte

Manche Frauen konzentrieren sich laut Hansen „zu sehr auf die limitierenden Faktoren für ihre Rekrutierung“. Heißt: Der Fokus der Jobsuche liegt bei Frauen häufiger als bei Männern darauf, was alles nicht geht. Oft stehen dabei Rahmenbedingungen vor Jobinhalten: Ist die Stelle auf 100 Prozent ausgeschrieben? Bin ich örtlich gebunden? Muss ich häufig auf Dienstreisen? Wie flexibel sind die Arbeitsbedingungen?

„Es ist zwar wichtig zu sagen, dass man einen gewissen Handlungsrahmen benötigt, aber wenn ich für eine Top-Rolle im Gespräch bin, habe ich es als Führungskraft häufig selbst in der Hand, wie ich meinen Job gestalte“, weiß Hansen aus rund 20 Jahren Headhunting-Erfahrung.

Außerdem habe spätestens Corona gezeigt, dass gerade in Sachen Flexibilität vieles möglich ist, was vorher undenkbar war. Also: sich trauen – und eher den Fokus auf die Möglichkeiten statt die Bewerbungshürden legen.

Bewerbungsfehler 2: Sie verkaufen sich unter Wert

Dass Frauen für eine anspruchsvolle Stelle zu wenig Gehalt herausverhandeln, ist der traurige Klassiker unter den weiblichen Karrieresünden. Headhunterin Hansen erlebt es immer wieder, dass sich gerade weibliche Business-Professionals in Gehaltsverhandlungen unter Wert verkaufen.

„Meistens gehen Frauen von ihrem jetzigen Gehalt aus – und legen bei einem Unternehmens- oder Titelwechsel irgendetwas zwischen zehn und 15 Prozent obendrauf.“ Ein Fehler, wie Hansen sagt.

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Viel eher müsste die Frage lauten: Was ist die ausgeschriebene Rolle dem Unternehmen wert? Und was ist der Verhandlungsrahmen, den die andere Seite hat? Hansen: „Ich erlebe es immer wieder, dass hier Männer viel geschickter und strategischer vorgehen als Frauen“ – und dann am Ende auch mehr bekommen. Von dieser Chuzpe vieler Männer könnten Frauen lernen.

Bewerbungsfehler 3: Sie kommen nicht auf den Punkt

Klar, jeder Bewerber – ob Mann oder Frau – muss lernen, wie man im Bewerbungsgespräch das Interesse des Gesprächspartners für sich gewinnt. Doch gerade unter Frauen scheint das langatmige Abklappern einzelner beruflicher Stationen in der Regel stärker verbreitet als unter Männern, wie Hansen beobachtet. „Ich habe oft bei Frauen die Angst erlebt, Dinge wegzulassen – und damit kein Gesamtbild von den eigenen Fähigkeiten zu zeichnen.“

Allerdings erwarteten Unternehmen gerade von Top-Führungskräften, dass sie in der Lage sind, kurz, knapp und präzise darzustellen, wie ihre Erfahrungen auf die Herausforderungen des Unternehmens einzahlen. Hansen: „Vor allem Unternehmen in der Transformation wollen echte Wertbeiträge ihrer Führungskräfte und keine Manager, die rein nach Fleißkärtchen arbeiten, führen und motivieren.“

Der Rat der Headhunterin: in einem kurzen Elevator-Pitch die eigenen Fähigkeiten auf die Strategie und Herausforderungen des Unternehmens herunterbrechen und weniger über die eigene Vergangenheit dozieren. „Diese Art der Selbstpräsentation lässt sich vorher einüben und gut vorbereiten“, sagt Hansen.

Wer es schaffe, mit seinem Gesprächspartner in eine echte Diskussion über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zu kommen, und seinen eigenen Beitrag darin verdeutlicht, hat auf jeden Fall beste Chancen, in die engere Auswahl für eine Top-Position zu kommen, so Hansen.

Bewerbungsfehler 4: Das Alte schlechtreden

Logisch: Weder für einen Mann noch für eine Frau ziert es sich, im Vorstellungsgespräch schlecht über ehemalige Arbeitgeber, Kollegen oder Vorgesetzte zu reden – auch wenn sie der Grund für einen Wechsel sein mögen. „Frauen neigen jedoch häufig dazu, auf Fragen nach der Wechselmotivation zu ehrlich zu antworten“, erklärt Hansen.

Das kann einen schnell aus dem Rennen um die nächste Top-Stelle katapultieren. Denn jeder Personaler oder Geschäftsführer wird sich fragen: Wird diese Person in Zukunft vielleicht auch einmal schlecht über uns als Arbeitgeber sprechen?

„Natürlich sollten Bewerber immer bei der Wahrheit bleiben und einen authentischen Eindruck machen“, stellt Hansen klar. „Es ist jedoch entscheidend, wie Sie die Wahrheit im Gespräch möglichst geschickt verpacken.“ So sollte man nie die Gründe für den Jobwechsel bei anderen Personen suchen. Eher kann man bei einem bisher schwierigen Betriebsklima etwa den Fokus darauf legen, dass im Unternehmen – beispielsweise durch mehrere Umstrukturierungen – viel Unruhe herrschte und das die Teamarbeit erschwerte.

„Wer kurz und knapp seine Handlungsoptionen in so einer Situation klar darlegt und am Ende überzeugend vorträgt, warum man unbedingt bei dem neuen Arbeitgeber anfangen möchte, hat den Gesprächspartner definitiv auf seiner Seite“, so Hansen. Und die Chance auf den Traumjob ist gleich wieder gestiegen.

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