Nimm die Beförderung an!
Nach der Geburt des ersten Kindes gehen Mütter häufig in Teilzeit. Für die Produktivität des Landes ist das ein Problem. Eine Mittelmanagerin berichtet, wie sie Job und Familie schultert.
AlsAls Nataliya Kring im Herbst 2022 ihren Traumjob angeboten bekommt, muss sie nicht lange überlegen. Natürlich sagt sie zu, als ihr Chef ihr seine Nachfolge als Teamleitung im Finanzcontrolling der Unicredit anbietet. 40 Mitarbeiter, tolles Team, eine Aufgabe, auf die sie sich jahrelang vorbereitet hat. Doch dann kommt alles anders: Nur ein halbes Jahr nach der Zusage erfährt die Managerin, dass sie schwanger ist. Was jetzt?
Kring entwickelt schnell eine klare Vorstellung davon, wie sie Mutterschaft und Job zusammenbringen will. Und bespricht sowohl mit ihrem Mann als auch mit ihren Vorgesetzten, was davon wie funktionieren kann. „Ich hatte hart dafür gearbeitet, diese Stelle zu bekommen und mein Mann wusste, wie wichtig mir das war“, sagt die Managerin. Das Paar einigt sich darauf, dass er nach ihrer Elternzeit auf 80 Prozent reduziert, solange bis sie die wichtigsten Projekte in ihrem neuen Job angeschoben hat. Zwei, drei Jahre, dann könne auch er wieder in Vollzeit wechseln.
Eine solche gemeinsame Planung ist in den Augen von Elke Benning-Rohnke, die selbst einst als Vorständin beim Haarpflegekonzern Wella gearbeitet hat, enorm wichtig. Solche Gespräche würden aber immer noch zu selten geführt. „Viele Frauen trauen sich nicht, ihren Partner in die Pflicht zu nehmen“, sagt die ehemalige Top-Managerin, die heute mit ihrer Beratung 2Top hilft, Frauen in Führungspositionen zu bringen.
Viele Frauen trauen sich nicht, ihren Partner in die Pflicht zu nehmenELKE BENNING-ROHNKE
ehemalige Top-Managerin und Beraterin
Doch nicht nur auf den Partner muss Verlass sein, sondern auch auf den Arbeitgeber. Denn Bankerin Kring hatte an ihre Rückkehr in Vollzeit Bedingungen geknüpft. „Ich war schon 40, als ich schwanger wurde. Es war klar, ein zweites Kind werde ich wahrscheinlich nicht bekommen. Deshalb war es mir wichtig, ein Jahr in Elternzeit zu gehen, bevor ich danach in Vollzeit zurückkehre“, erzählt Kring. Das Management zog mit, fand einen Kollegen, der kurz vor der Rente stand und ein Jahr lang einspringen konnte.
MANCHE JOBS GEHEN NICHT IN TEILZEIT
„Ich wusste, dass ich diesen Job nicht in Teilzeit machen kann“, sagt Kring, deren Sohn heute zwei Jahre alt ist. „Aber ich wusste auch, dass ich eine gute Verhandlungsposition hatte, weil ich mich auf diese Position vorbereitet und ein Netzwerk in der Firma aufgebaut hatte.“
Trotz aller Vorbereitungen und Absprachen gelang Krings Einstieg nicht so reibungslos wie erhofft. Mit ihrem Mann hatte sie vereinbart, dass sie um 18 Uhr Feierabend macht, um danach Zeit mit ihrem Sohn und ihm zu verbringen.
Dann aber saß sie doch oft länger am Schreibtisch. „Das hat natürlich zu Reibungen geführt. Ich fühlte mich unloyal meinem Mann gegenüber und hatte trotzdem das Gefühl, für mein Team nicht ausreichend da zu sein“, beschreibt Kring ihre Zerrissenheit. Wenn ein Kollege abends noch spontan einen Termin eingestellt hat, saß sie mit ihrem Kind auf dem Arm am Telefon. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Sohn – und wenn der Termin länger dauerte, war ich unendlich frustriert.“
Umso glücklicher war Kring, dass ihr Arbeitgeber Unicredit erkannt hat, wie schwierig der Wiedereinstieg für Mütter oftmals ist. Gemeinsam mit der Beratung von Elke Benning-Rohnke bietet die Bank Frauen ein Coaching an, in dem sie etwa lernen, richtig zu priorisieren und zu delegieren, um so ihren unterschiedlichen Rollen gerecht zu werden. „Es geht oft um Glaubenssätze, die wir aufbrechen“, erzählt Benning-Rohnke. „Nicht jeder Geburtstagskuchen muss selbst gebacken, nicht jede Präsentation selbst gehalten werden.“
Das hat auch Nataliya Kring verinnerlicht: „Ich musste mich erst daran gewöhnen, nicht mehr jeden Bericht vor der Deadline nochmal komplett zu überprüfen und es ist auch ok, wenn ich nicht über alle Details Bescheid weiß.“ Außerdem gibt sie Aufgaben, die nicht Priorität eins, zwei oder drei haben, an jemandem in ihrem Team ab. Dazu müsse man Vertrauen in seine Mitarbeiter aufbauen – das sie mittlerweile hat.
Neben den Mitarbeitern, dem Arbeitgeber und dem Partner liegt es also vor allem an den Frauen selbst, ob sie in Vollzeit gehen – oder nach der Familiengründung beruflich kürzertreten.
Kring gibt zu, dass sie selbst lange überlegt hat, ob sie die Beförderung annehmen soll, obwohl sie und ihr Mann doch mitten in der Familienplanung steckten. „Lehnt bloß keine Beförderung ab, nur weil das Unternehmen im Falle einer Schwangerschaft umplanen müsste“, rät sie jüngeren Kolleginnen. Die meisten Männer täten das schließlich auch nicht.
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