Nur noch kurz die Mails checken (©Getty Images)

Nur wer Überstunden macht, arbeitet wirklich hart? Denk noch mal nach

„Na, halbtags heute?“ – Wer kennt diesen Spruch nicht, wenn man pünktlich um 17 Uhr den Laptop zuklappt. Und ich sage: Ja, genau. Halbtags. Die erste Hälfte war nur effizient. Denn Schluss zu machen, wenn der Arbeitstag vorbei ist, sollte kein Grund für ein schlechtes Gewissen sein – sondern ein Zeichen dafür, dass man seine Zeit im Griff hat.

In meiner Rolle in der Personalvermittlung sehe ich immer wieder: Die wirklich erfolgreichen Fach- und Führungskräfte sind nicht die, die am längsten bleiben, sondern die, die am gezieltesten arbeiten. Und das beginnt nicht am Schreibtisch, sondern mit der Art, wie wir Zeit denken. Es sind diejenigen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren, ihre Prioritäten im Blick behalten und ihren Kalender nicht zum Selbstzweck führen, sondern als Werkzeug nutzen.

Und genau so leben wir es auch intern. Wir führen regelmäßig Schulungen zum Thema Zeitmanagement und effizientes Arbeiten durch – nicht, weil wir unsere Mitarbeitenden kontrollieren wollen, sondern weil wir ihnen Werkzeuge an die Hand geben möchten, um selbstbestimmt und klar fokussiert arbeiten zu können. Gerade in einer Remote-Arbeitsweise ist Selbstmanagement keine schöne Zusatzfähigkeit – es ist die absolute Basis. Ohne Selbstorganisation funktioniert kein Homeoffice, kein hybrides Arbeiten, keine Eigenverantwortung. Deshalb schauen wir uns bewusst regelmäßig Prozesse an, reflektieren gemeinsam, was funktioniert – und wo wir Zeit verlieren.

Effizienz ist kein Zufall – sie ist das Ergebnis guter Planung.

Viele Menschen hetzen durch ihre To-do-Listen, beantworten Mails im Akkord und nehmen jeden Termin mit. Am Ende des Tages fühlen sie sich ausgelaugt – aber selten wirklich weitergekommen. Der Unterschied liegt nicht im Fleiß, sondern im Fokus.

In meiner täglichen Arbeit mit Fach- und Führungskräften frage ich oft: Woran erkennst du einen produktiven Tag? Die Antwort ist meist: „Wenn ich alles geschafft habe.“ Aber genau das ist der Punkt – alles ist nie zu schaffen. Deshalb braucht es den Fokus auf das, was zählt.

Drei Dinge, die ich immer wieder als entscheidend erlebe, wenn es um effektives Zeitmanagement geht:

1. Zeitblöcke statt To-do-Listen

Viele Menschen planen ihren Tag, indem sie Aufgaben auflisten – aber das reicht nicht. Erfolgreiche Menschen blocken feste Zeitfenster im Kalender für ihre wichtigsten Aufgaben. Keine Meetings, keine E-Mails, keine Ablenkung. Nur Fokus. Diese Zeitfenster sind unverhandelbar – wie ein Termin mit dem wichtigsten Kunden. Und genau das ist es auch: ein Termin mit den eigenen Zielen.

2. Das Wochenziel definieren

Wer ohne Ziel losläuft, landet selten dort, wo er hinwill. Deshalb beginnt jede Woche idealerweise mit einer klaren Frage: Was ist das eine Ziel, das ich bis Freitag erreichen will – und das den größten Unterschied macht? Alles andere ordnet sich diesem Ziel unter. Wer seine Woche so plant, arbeitet nicht „viel“ – sondern wirksam.

3. Prioritätenliste statt Aufgabenliste

Nicht alles, was getan werden muss, ist gleich wichtig. Die Kunst besteht darin, sich ehrlich zu fragen: Was bringt mich wirklich voran? Wer alles gleich behandelt, verschwendet Zeit. Wer priorisiert, gewinnt Zeit. Ich empfehle, jeden Tag mit den drei wichtigsten Aufgaben zu starten – noch bevor E-Mails oder Termine den Fokus kapern.

Mein Standpunkt: Wer pünktlich Schluss macht, ist nicht faul – sondern effizient.

Denn echte Leistung zeigt sich nicht in Überstunden, sondern in Ergebnissen. Wer seine Zeit im Griff hat, braucht keine Präsenzkultur, keine Rechtfertigungen und kein Dauerfeuer im Posteingang.

Und ja – dieser Mensch schaltet den Laptop um Punkt 17 Uhr aus. Nicht, weil er keine Lust mehr hat. Sondern weil er weiß: Der Tag war gut – und morgen wartet das nächste Ziel.

Rebecca Hesselbach schreibt über Leadership, Karrieretipps, Recruiting-Trends, Homecare & Medizintechnik

Branchen-Expertin, Gründerin, Führungskraft, Mentorin, Visionärin, Hunde-Mama. Als Gesundheitsprofi und Gründerin von Hesselbach Personalvermittlung&Coaching verbinde ich Leidenschaft und Erfahrung. Meine Mission: Menschen in Jobs zu bringen, die sie lieben.

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