Sicherheit ist das neue Leitmotiv im Job – auch für Führungskräfte
Führungskräfte, die heute über einen Jobwechsel nachdenken, tun das nicht, weil sie müssen – sondern weil sie es sich leisten können.
Mit 34 Prozent erreicht die allgemeine Wechselbereitschaft der deutschen Arbeitnehmenden fast einen historischen Tiefstand in der seit 2012 durchgeführten forsa-Erhebung im Auftrag von XING. Nur im Pandemiejahr waren die Werte vergleichbar niedrig. Doch während die breite Masse der Beschäftigten vor allem Sicherheit sucht, stellt sich für Führungskräfte eine ganz andere Frage.
Analysiert man die Studienergebnisse spezifisch mit Blick auf das Management, wird klar: Weniger Wechsel bedeutet hier keineswegs weniger Optionen. Die sinkende Bereitschaft ist kein Zeichen von Angst – sondern von strategischer Abwägung.
Warum Führungskräfte dennoch über einen Wechsel nachdenken
Die Daten zeigen deutlich, was Wechselbereitschaft in Deutschland heute auslöst:
Ein zu niedriges Gehalt (41 Prozent).
Fehlende Perspektiven und Aufstiegschancen (38 Prozent).
Ein zu hohes Stresslevel (36 Prozent).
Unzufriedenheit mit der direkten Führung (34 Prozent).
Diese Faktoren wirken unabhängig von der Konjunktur, auch wenn diese gerade im „Winterschlaf“ ist. Aus meiner Erfahrung in der Karriereberatung lässt sich das so einordnen: Viele wechselwillige Führungskräfte sind mit ihrer aktuellen Aufgabe zwar zufrieden, aber sie hegen „strategische Zweifel“, ob sie dort langfristig noch richtig aufgehoben sind.
Sicherheit schlägt Karrierefantasie
Wenn Führungskräfte heute über einen Wechsel nachdenken, tun sie das unter neuen Vorzeichen. Die Prioritäten haben sich verschoben:
Arbeitsplatzsicherheit ist für 70 Prozent das wichtigste Kriterium bei einem neuen Arbeitgeber.
Gute Führung (62 Prozent) wiegt schwerer als reine Image-Versprechen.
Jobsicherheit versus Karriere: Beeindruckende 82 Prozent bevorzugen Stabilität gegenüber reinen Karrierechancen.
Der eh verhaltene Markt honoriert aktuell nicht das größte Risiko, sondern die größte Passung.
Optimistische Stimmung – trotz KI
Ein klares Signal für das Management: Die Mehrheit der Beschäftigten blickt positiv nach vorn. 63 Prozent sind überzeugt, innerhalb von sechs Monaten eine neue Stelle finden zu können. Zudem sehen 64 Prozent keine Gefahr für ihren Arbeitsplatz durch künstliche Intelligenz. Das bestätigt meine Beobachtung: Führungskräfte wechseln heute nicht aus Panik vor der Zukunft, sondern aus einer fundierten Reflexion ihrer aktuellen Situation heraus.
Fazit für wechselinteressierte Führungskräfte
Gerade in Phasen sinkender Wechselbereitschaft gilt: Der Markt ist ruhiger, zum Teil für Suchende sehr schwierig, aber nicht leer. Unternehmen entscheiden heute sorgfältiger, und Fehlentscheidungen werden weniger verziehen. Ein überhasteter Wechsel ist riskanter als früher. Es braucht Geduld, Besonnenheit, Selbstvertrauen und eine wirksame Methode.
Die aktuelle Studienlage macht eines deutlich: Führungskräfte, die heute über eine Veränderung nachdenken, tun das nicht, weil sie müssen – sondern weil sie es sich leisten können, genauer hinzuschauen. Und genau deshalb lohnt es sich, diesen Prozess professionell und strukturiert anzugehen.
