Wenn der Hammer fällt: Szenarien zur Zukunft der Arbeit

Die junge Generation „tickt“ völlig anders als die Menschen, die heute in ihren Vierzigern sind. An ihr lässt sich die Zukunft der Arbeit bereits gut ablesen. Welche Werte werden in den Führungsetagen gefragt sein, wie sieht es mit Hierarchien und Arbeitsbiografien aus und welche Geschäftsmodelle dominieren?

Ein Blick ins Jahr 2035. Fünf Szenarien führen vor Augen, dass die Zukunft näher ist, als man denkt.

NEUE TATSACHEN

Die Digitalisierung hat neue Tatsachen geschaffen. Intelligente Assistenz, lernende Roboter und auf den individuellen Benutzer optimierte Informationen treiben die Wertschöpfung in die Höhe. Befreit von Routinetätigkeiten, die nach denselben Mustern verlaufen, übernimmt der Mensch weitaus mehr wissensintensive, spezialisierte, kreative und analytische Aufgaben als früher.

Den Hammer gibt es noch, doch Roboter haben das Handwerk leichter und attraktiver gemacht. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz wird kontrolliert und reguliert. Mit dem Siegeszug sind neue, attraktive Berufe und Tätigkeitsfelder entstanden, bis hin zum/zur KI-Ethiker:in, um verantwortungsvolle Implikationen in den Unternehmen zu sichern.

BE LEADER, BE HAPPY!

Hierarchische Führung ist weitgehend durch kooperative, netzwerk- und werteorientierte Führungsstile ersetzt. Geführt wird über Sinn, langfristige Ziele und Vorbildwirkung. Bevorzugte man früher eher klare Vorgaben und messbare Ziele, setzen Führungskräfte nun auf eigenes Vorleben des gewünschten Arbeitsstils und vermittelt Sinn durch das Aufzeigen der Richtung. KI-Systeme entlasten die Leader, vor allem im Bereich der operativen Führung. Die damit gewonnenen Freiräume können für die strategische Führung und Personalführung genutzt werden.

Kreativität und offene, transparente Kommunikation nehmen einen großen Raum ein. Die Führungskraft von 2035 mag Menschen, keine Befehle und Statusgesten. Technische Veränderungen werden willkommen geheißen und die eigenen Überzeugungen immer wieder neu auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft. Nie zuvor waren der Chef und die Chefin kooperativer, fröhlicher und auch umweltbewusster.

CARING COMPANIES

Arbeitsbiografien lesen sich „bunt“, sprich, wechselvoll und unkonventionell. Karrieren mit mehreren Sprüngen und Stationen sind kein Makel. Die subjektiven Sinnansprüche an Arbeit haben einen extrem hohen Stellenwert. Die Bereitschaft, die Tätigkeit den jeweiligen Lebenssituationen anzupassen, ist auch daher voll akzeptiert. Flexibles und mobiles Arbeiten ist – nicht nur für Eltern – längst zur Normalität geworden.

Generell werden familienfreundliche Maßnahmen der Unternehmen als Zeichen von Stärke und moralischer Integrität angesehen. Es gibt massenhaft sogenannte „Caring Companies“, Unternehmen, die ihre Mitarbeiter:innen so sehr „umarmen“, also mit zahlreichen Annehmlichkeiten überschütten, dass diese es nicht mehr verlassen wollen. Die Vier-Tage-Arbeitswoche ist in den meisten Betrieben normal.

GLOBALES RECRUITING

Vielfalt wird begrüßt und gefördert. Diversität und eine inklusive Kultur sind als Bestandteile der so wichtigen Multi-Resilienz verankert. Für Bewerber:innen ist die persönliche Einstellung zur Nachhaltigkeit inzwischen mehr als nur ein gutes Argument, sie kann entscheidend für eine Einstellung sein. Wer schon als Gymnasiast:in oder Student:in ein Umweltschutzprojekt gründete, etwa um Verkehr und Abgase zu reduzieren, hat ziemlich gute Einstiegskarten.

Die Verschiebung der Arbeitsnachfrage hin zu wissensintensiven Tätigkeiten ist weit fortgeschritten. Talentförderung und modernes globales Recruiting helfen, den ungebrochenen Fachkräftemangel in Schach zu halten. Für ein Unternehmen im Ausland muss (fast) niemand mehr umziehen – die ganze Welt ist intelligent vernetzt. Der Frauenanteil unter den Führungskräften in der Industrie hat die 50-Prozent-Marke erreicht. Und ja, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist endlich geschlossen.

NACHHALTIG MEHR PROFIT

Grundannahmen zu hinterfragen und das Undenkbare zu denken, hat seit 2023 die Unternehmen beschäftigt. Erfolgreich sind, mehr als zehn Jahre später, Geschäftsmodelle, die sich Wettbewerbsvorteile durch einen geringen Energie- und Rohstoffverbrauch verschaffen. Unter dem Eindruck des Klimawandels gab es einen weitreichenden Technologie- und Investitionsschub im Energiesektor. Nachhaltigkeit ist bestimmendes Wirtschaftsprinzip und nicht wie in der Vergangenheit ein gefürchteter Kostenfaktor.

Gerade in Konzernen hatte man sich beizeiten in eigenen Corporate-Foresight-Abteilungen darüber Gedanken gemacht. CO2-arme Lebensweise, Umweltschutz, grüne Technologie und Erzeugnisse, saubere Produktion und Energie werden gezielt gefördert (und von Stakeholdern gefordert!) – und erschließen so zusätzliche Einnahmemöglichkeiten und Chancen, sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Unternehmen vernetzen sich wiederum stark mit anderen Branchen, um etwa mit neuen Technologien an die bestehende Expertise eines Herstellers anzudocken oder diese zu verfeinern. Digitale Champions bleiben bei allem im Vorteil.

Martin Krill schreibt über HR Themen, Digitalisierung und KI

Martin Krill ist seit knapp 23 Jahren für HAGER Executive Consulting tätig und wurde 2004 zum geschäftsführenden Gesellschafter berufen. Er besetzt gehobene Vertriebs- und Management-Positionen vorwiegend in der Technologiebranche und ist Experte für HR Themen rund um die Digitalisierung und KI.

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