Wer langsam einstellt, verliert schnell – Führung beginnt beim ersten Kontakt
Ein Insider-Weckruf für alle Geschäftsführer:innen und Führungskräfte: Die potenzielle Arbeitsbeziehung beginnt mit dem Bewerbungsprozess.
Viele Unternehmen investieren in Employer-Branding, Leadership-Programme und Kulturentwicklung. Doch was bringt all das, wenn der erste Kontakt mit einem potenziellen Mitarbeitenden bereits zeigt: Hier zählt der Mensch nicht wirklich.
Wir erleben es täglich: Bewerbungsprozesse, die sich ziehen. Rückmeldungen, die Wochen dauern. Vertragsverhandlungen, die in der Personalabteilung versanden. Und die Geschäftsführung? Oft nicht involviert. Dabei beginnt echte Führung genau hier – beim ersten Eindruck.
Unternehmen A vs. Unternehmen B – ein Realitätscheck
Unternehmen A: Bewerbungseingang wird nicht bestätigt. Erstgespräch nach zwei Wochen. Danach: Funkstille. Vertrag? „Muss noch abgestimmt werden.“ Die Geschäftsführung kennt den Namen des Kandidaten nicht. Ergebnis: Absage – der Kandidat hat längst woanders unterschrieben.
Unternehmen B: Bewerbungseingang wird sofort bestätigt. Erstgespräch nach drei Tagen. Vertragsangebot nach einer Woche. Die Geschäftsführung begrüßt den neuen Mitarbeitenden persönlich. Ergebnis: Begeisterung – und Bindung.
Was viele Führungskräfte unterschätzen
Langwierige, schwerfällige Prozesse führen nicht nur dazu, dass Kandidat:innen abspringen – sie tun es aus einem klaren Grund: fehlende Wertschätzung und mangelndes Interesse. Genau so wird es wahrgenommen. Und wir als Vermittler erleben das hautnah. Wir geben bis zum Schluss alles, um Kandidat:innen zu halten – doch irgendwann ist Vertrauen nicht mehr reparierbar.
Und damit nicht genug: Diese Prozesse beschädigen auch die Glaubwürdigkeit – gegenüber uns als Partner, aber vor allem gegenüber dem Unternehmen selbst. Denn wie wir alle wissen: Negative Erfahrungen verbreiten sich zehnmal schneller als positive. Was als interne Trägheit beginnt, wird zur unternehmenskritischen Schwäche – sichtbar im Markt, spürbar im Ruf.
Was jetzt zu tun ist
Prozesse prüfen: Wie lange dauert es vom Bewerbungseingang bis zur ersten Rückmeldung?
Personalabteilungen stärken: Keine Machtspielchen, sondern klare Zuständigkeiten und schnelle Entscheidungen.
Onboarding zur Chefsache machen: Wer neu ins Unternehmen kommt, verdient Aufmerksamkeit – von Anfang an.
Fazit
Langsame Prozesse sind das neue Desinteresse. Und Desinteresse ist kein Führungsstil – sondern ein Risiko. Wer heute nicht schnell und wertschätzend handelt, verliert morgen die besten Köpfe.
Führung beginnt beim ersten Kontakt. Und sie endet nicht beim Arbeitsvertrag.
