Wie Coldplay die Musikindustrie nachhaltig revolutioniert
Die britische Pop-Rock-Band Coldplay gehört zu den erfolgreichsten Musik-Acts des 21. Jahrhunderts. Mit ihrem progressivem Konzeptrock spricht sie auch dringliche Fragen unserer Zeit an und revolutionierte das traditionelle Touring Modell: Die Band setzte neue Maßstäbe in der Musikindustrie sowie für nachhaltige Event-Konzepte.
Die 2025 erschienene, aktualisierte Neuauflage der fundierten Biografie „Coldplay: Die Biografie“ von Debs Wild und Malcolm Croft gilt als das umfassendste Werk über die Band. Es widmet sich der Karriere der Band bis zum Album „Moon Music“ und enthält Insiderwissen und großformatige Fotos aus fast 30 Jahren Bandgeschichte. Debs Wild ist A&R-Managerin und Consultant in der Musikbranche und arbeitet seit etwa 25 Jahren eng mit Coldplay zusammen. Sie betreut die offizielle Bandwebsite und hatte exklusiven Zugang sämtlichen Informationen rund um die Band. Malcolm Croft arbeitete lange als Musikjournalist und verfasste auch Biografien zu Justin Bieber, One Direction, Shawn Mendes oder Pharrell Williams. Die Neuauflage ihres Buches enthält zwei zusätzlichen Kapitel zum jüngsten Album „Moon Music“ und der darauffolgenden Welttournee: Es waren mit 10,3 Millionen Zuschauern die meistbesuchte Konzertreise aller Zeiten. Dennoch ist die Band bodenständig, bescheiden und unaufgeregt geblieben.
Wir waren nie cool und werden es auch nie sein.“Coldplay-Sänger Chris Martin
Coldplay wurde 1997 in London gegründet, als sich die Kommilitonen Chris Martin (Gesang, Klavier), Jonny Buckland (Gitarre), Guy Berryman (Bass) und Will Champion (Schlagzeug) an der University College London kennenlernten und nach anfänglicher Freundschaft die Band formten, die zunächst unter dem Namen "Starfish" auftrat, bevor sie mit EPs wie "Safety" und dem Debütbuch "Parachutes" (2000) und der Single "Yellow" weltweite Bekanntheit erlangte. Seit ihrer Gründung 1996 sind sie in derselben Besetzung unterwegs. Der Nachfolger "A Rush of Blood to the Head" (2002) wurde zu ihrem meistverkauften Album und festigte ihren Status.
Ihre Alben:
“Parachutes” (2000)
“A Rush of Blood to the Head” (2002)
“X&Y” (2005)
“Viva la Vida or Death and All His Friends” (2008)
“Mylo Xyloto” (2011)
“Ghost Stories” (2014)
“A Head Full of Dreams” (2015)
“Everyday Life” (2019)
“Parachutes” (2000)
“Music of the Spheres” (2021)
“Moon Music” (2024).
Alben wie „A Rush of Blood to the Head“ (2002) und „Viva la Vida or Death and All His Friends“ (2008) festigten ihren Status als Stadion-Band. Der Name Coldplay ist eine zufällige Wahl. Er stammt ursprünglich von dem Buch "Child's Reflections, Cold Play". Er wurde übernommen, weil er "cool klang", da Cromptons eigene Band den Namen nicht mehr wollte. Fans interpretieren den Bandnamen wörtlich: als "kalt" (traurig/hoffnungslos) und "spielen" (Leben als Spiel). Die Coldplay-Biografie steht allerdings in einem größeren Kontext, der über der über die Band selbst hinausreicht und ein wichtiges Anliegen von Coldplay ist: das Engagement für Nachhaltigkeit. Die Band gibt diesem Thema eine weltweit hörbare Stimme: Sie möchte nicht nur musikalisch unterhalten, sondern auch aufklären. Seit Jahren nimmt sie eine Vorreiterrolle ein - mit jedem Jahr ihrer Tournee zeigen sie eine sich weiterentwickelnde Vision und ein erweitertes soziales und ökologisches Engagement. Die Band ist sich bewusst, dass sie nicht immer alles richtig macht, ist aber entschlossen, alles zu tun, was ihnen möglich ist, und das Gelernte weiterzugeben. https://www.hausvoneden.de/lifestyle/coldplay/ „Als wir 2021 die ‚Music Of The Spheres‘-Tour ankündigten, haben wir uns verpflichtet, unsere direkten CO2-Emissionen (durch die Produktion, den Transport der Ausrüstung sowie die Reisen von Band und Crew) um mindestens 50 % zu reduzieren,“ heißt es in einem offiziellen Statement. https://www.coldplay.com/emissions-update Dazu wurde eine umfassende Strategie entwickelt, die auf drei Grundprinzipien basiert:
REDUCE (Reduzieren): Weniger Konsum, mehr Recycling und weniger CO2-Emissionen
REINVENT (Neuerfinden): Förderung grüner Technologien und Entwicklung neuer nachhaltiger, besonders kohlenstoffarmer Reisemethoden
RESTORE (Wiederherstellen): Finanzierung von natur- oder technologiebezogenen Projekten und mehr CO2-Entnahme als Produktion, Projekte zur Aufforstung und Wiederbewaldung, Erhaltung und Regeneration des Bodens sowie Kohlenstoffabscheidung und -speicherung.
Kernpunkte ihrer Nachhaltigkeitsstrategie:
Abfallvermeidung und Recycling:
Einsatz von wiederverwendbaren Bechern und Behältern
Sammelstellen für Recycling auf Konzertgeländen
Pflanzenbasierte LED-Armbänder ("Xylobands"), die jeder Zuschauer beim Einlass einer Show erhält
Das Konfetti ist zu 100 % biologisch abbaubar und benötigt wenig Druckgas zum Zünden nachhaltiger Pyrotechnik, die schädliche Chemikalien stark reduzieren oder ganz eliminieren kann
Jede Location wird verpflichtet, die Baumaterialien der Bühne und die Showeffekte im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit zu wählen sowie zu gestalten
Energieversorgung:
Strom aus erneuerbaren Quellen
Installation spezieller Solarmodule und kinetischer Böden, die die Energie, die während der Show benötigt wird, teilweise selbst erzeugen (die kinetischen Böden wandeln die Bewegungsenergie der Fans in Strom um)
Einsatz von Altspeiseöl-Generatoren
Kompensation und Wiederaufforstung unvermeidbare Emissionen:
Pflanzung von Millionen von Bäumen weltweit)
Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen (Förderung der lokalen Biodiversität)
Merchandise:
Nachhaltige und ethische Beschaffung mit Fokus auf Bio-Baumwolle und recycelte Materialien
Logistik:
Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge
Effiziente Gestaltung des Transports
Fans werden ermutigt, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder Fahrgemeinschaften zu bilden, um die Anreise zu den Konzerten nachhaltiger zu gestalten
Partnerschaft mit Transportunternehmen zur Minimierung der Transportemissionen
Nutzung von Biokraftstoffen und Anpassung der Shows, um lokale Ressourcen zu nutzen
Soziales Engagement:
10 % der Tour-Einnahmen fließen in Umwelt- und Sozialprojekte (z.B. ClientEarth, The Ocean Cleanup, (ClientEarth, The Ocean Cleanup, Sustainable Food Trust und Conservation Collective)
Transparenz und Berichterstattung:
Regelmäßige Datenerfassung
Einhaltung von Berichterstattungsstandards und Veröffentlichung regelmäßiger Fortschrittsberichte (Reduzierung der CO2-Emissionen und Wirksamkeit ihrer Maßnahmen).
Viele dieser Themen finden sich auch in ihren Songs. So wird in „Don’t Panic“ auf die Angst vor der Zerstörung der Welt verwiesen, „Fix You“ bietet dagegen Trost in Krisenzeiten. Die Band möchte allerdings vermeiden, nach ihren alten Platten zu klingen. Die Zusammenarbeit mit Menschen wie Brian Eno oder Markus Dravs ermutigt sie, ihren eigenen Weg zu gehen. Zum WM-Finale 2026 werden Chris Martin und Band-Manager Phil Harvey die Halbzeitshow für das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA gestalten.
Was Coldplay so einzigartig macht:
Interaktionen mit Fans
Innovationen: Nutzung innovativer Technologien, sie experimentierten mit elektronischen Einflüssen (Mylo Xyloto) und arbeiteten intensiv mit dem Produzenten Brian Eno zusammen
Kollaboration: die Band verlässt immer wieder ihre Komfortzone durch einzigartige Kooperationen mit anderen Künstlern
Förderung eines bewussten Mindsets der Fans (kostenlose Tour App, die sie dazu animiert, emissionsarme Verkehrsmittel für die An- und Abreise zu nutzen)
Starke Partnerschaften mit Unternehmen sowie NGOs
Nachhaltige Praktiken entlang aller Tour-Dimensionen
Relevanz durch Wandel: Anstatt Wettbewerber zu kopieren, setzt die Band auf unerwartete Strategien und ständige musikalische Neuerfindung.
Ein klares Wertesystem.
Was dies konkret bedeutet, zeigt sich nicht nur in ihren Songs, sondern auch auf jeder Seite ihrer „erlesenen“ Biografie, die ihren Bildern und Worten einen „nachhaltigen“ Rahmen gibt.
Das Buch:
Debs Wild und Malcolm Croft: Coldplay. Die Biografie. Übersetzt von Paul Fleischmann und Andreas Schiffmann. Hannibal Verlag, Höfen 2025.
