Master vs. Meister: Dieser Bildungsabschluss bringt mehr Geld
Wer in Deutschland einen Hochschulabschluss hat, verdient meist mehr. Doch es gibt durchaus Ausnahmen. Für Wohlstand im späteren Leben ist vor allem ein Faktor besonders wichtig.
Als Thomas Hagedorn jung war, hatte seine Mutter keine Zeit, ihn morgens in die Schule zu fahren. Er setzte sich auf sein Fahrrad – und fuhr die vier Kilometer zur Realschule selbst. Nach seinem Abschluss an der Realschule fing er mit dem Baggerfahren an. „Ich habe nie darüber nachgedacht, Abitur zu machen“, erinnert Hagedorn sich. Was ihn erfolgreich gemacht hat, das hat Hagedorn auf der Baustelle gelernt. Nicht auf der Schulbank: Er baute sein eigenes Unternehmen auf – vom Abriss über Sanierung bis zur Konzeptentwicklung eroberte er Stück für die Stück die Wertschöpfungskette.
Heute leitet Hagedorn seine eigene Unternehmensgruppe mit einem Gewinn von 18,4 Millionen Euro im Jahr 2022. „Alles, was ich in meinem Leben erreichen durfte, hat etwas mit Fleiß zu tun, aber sicher auch mit Glück“, bilanziert der 53-Jährige im aktuellen Chefgespräch, einem Podcast der WirtschaftsWoche.
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Meister verdienen mehr als Bachelor
Vom Baggerfahrer zum Millionär – solche Aufsteigerbiografien sind in Deutschland weiterhin Einzelfälle. Hierzulande gilt grundsätzlich: Ein höherer Bildungsabschluss bringt mehr Geld. Wer besser ausgebildet ist, übernimmt Jobs mit höherer Verantwortung und komplexeren Aufgaben. „Mit dem Anforderungsniveau eines Berufs nimmt üblicherweise das Brutto-Lebensentgelt zu“, lautet das Fazit einer Studie aus dem Jahr 2022 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Auch ein Gehaltsvergleich des Statistischen Bundesamtes aus demselben Jahr zeigt, wie sehr sich die Bruttoeinkommen durch die Bildungsabschlüsse unterscheiden. Doktoranden führen die Liste mit einem Durchschnittsgehalt von 8687 Euro brutto pro Monat deutlich an, gefolgt von Diplom- beziehungsweise Masterabsolventen (6188 Euro pro Monat).
Wer einen Meistertitel hat, verdient mit 4826 Euro pro Monat rund 300 Euro mehr als Bachelorabsolventen. Beide Gehaltsgruppen liegen noch vor dem allgemeinen Durchschnittsgehalt von 4105 Euro pro Monat. Am wenigstens verdienen Menschen ohne beruflichen Bildungsabschluss, nämlich 2817 Euro pro Monat. Die Daten setzen eine ununterbrochene Vollzeitbeschäftigung voraus. Außerdem sind Selbstständige nicht einbezogen, deren Gehalt bei einzelnen Bildungsabschlüssen noch höher liegen kann.
„Bildung ist der Faktor Nummer eins für späteres Einkommen“, betont auch Maximilian Stockhausen, Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Und der Bildungsgrad der Kinder hängt maßgeblich von der Bildung der Eltern ab. Kinder aus Akademikerfamilien studierten ebenfalls oft, so der Ökonom.
Besonders ein Faktor ist entscheidend
Stockhausen beobachtet in Deutschland vor allem zwei Wege zum Reichtum: „Es ist entweder das Glück der Geburt oder ein unternehmerisches Talent und harte Arbeit.“ Wer also in eine reiche Familie geboren wird, der bleibt zumeist reich. Wer andererseits in eine arme Familie geboren wird, hat Schwierigkeiten, sich Reichtum zu erarbeiten. Wer es – so wie Thomas Hagedorn – als Unternehmer ganz nach oben schaffen will, der muss die Möglichkeit erhalten, sich auszuprobieren und Risiken einzugehen – was neben Tüchtigkeit eben meist auch etwas voraussetzt, über das vor allem Menschen aus wohlhabenderen Häusern verfügen: einen finanziellen Puffer, ein Sicherheitsnetz.
Natürlich könnte diese Möglichkeiten auch der Staat schaffen. Laut Stockhausen komme es dazu vor allem darauf an, früh die individuellen Fähigkeiten der Menschen zu fördern. „Gut ausgestattete frühkindliche Bildungsangebote“ seien enorm wichtig, betont der Experte, auch um Nachteile aus dem Elternhaus auszugleichen.
Besonders in Finnland funktioniert das: Dort versucht der Staat bereits im Grundschulalter, das soziale Spielfeld gerechter zu gestalten. Die Lehrkräfte seien dort hochqualifiziert und hätten ein hohes Ansehen, berichtet der Experte. Das Einschulalter dort liegt bei sieben Jahren, bis zum 16. Lebensjahr besuchen die Kinder eine gemeinsame Schule und eine Lehrkraft ist über lange Zeit für dieselbe Klasse zuständig. Die Klassen sind kleiner und die erste Stunde beginnt später. Die Kinder lernen Selbstständigkeit. Die Leistungskontrolle ist weniger standardisiert und es geht mehr um die Entwicklungen individueller Fähigkeiten. Dazu kommt, dass der Staat den Schulbesuch, Lehrmaterialien und Mahlzeiten vollständig finanziert. „Dort wo man früh eingreift und individuelle Talente fördert, hat man die höchsten Renditen“, beschreibt es Stockhausen.
Nicht nur für die Ausbildung, auch für viele andere Dinge im Laufe der Karriere, die mitunter anstrengend sind, gilt: Wer Spaß an einer Sache hat, rafft sich dazu eher auf. Thomas Hagedorn saß mit sechs Jahren das erste Mal auf dem Bagger – und war so begeistert, dass er sich fragte: „Wie kann man eigentlich für diesen geilen Job Geld nehmen?“
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