Susanne B. Busshart

Susanne B. Busshart

for Future Workplace, Wandel etablieren, Digitale Transformation, Change

Arbeiten nach Corona: Multiplace follows Multispace

Susanne Busshart
- Ohne Spaß mit den Kollegen geht es nicht! -

Fragen wir uns nicht alle ständig: Was kommt als Nächstes? Wie geht die Entwicklung im Bereich Räume weiter und welche trendigen und genialen Konzepte machen das Arbeitsleben in der Zukunft schöner und effizienter? Beide Komponenten: Schöner und effizienter, müssen berücksichtigt werden. Menschen und Unternehmen stehen im Mittelpunkt der Betrachtung. Nur wenn die Menschen glücklich sind, werden sie effizient für ihren Arbeitgeber tätig werden.

Mehr Office-Worker gehen aktuell wieder zurück in die Büros. Laut einer gemeinsamen Studie von YouGov und Statista ist die Zahl der Home-Worker in Deutschland von 22 Prozent im März auf bereits 16 Prozent im Juni zurückgegangen. Das hätte ich anders eingeschätzt. Aber nicht alle Menschen dieser Republik sind Wissensarbeiter. Nicht allen ist es möglich Home-Office zu machen. Man sieht selbst oft nur so eine ganz kleine Welt, um sich herum - jetzt mehr denn je.

Multiplace ist nicht einmal im Massenmarkt angekommen

Was ich aber finde, was sich aktuell krass ändert: Für mich ändert sich Multispace zu Multiplace. Die Menschen, die sich täglich mit Räumen beschäftigen, denken immer, Multispace ist im großen Massenmarkt angekommen. Das ist weit gefehlt. Dennoch bin ich der Meinung, weitere Firmen mit diesem Konzept glücklich zu machen macht Sinn. Aber ich finde auch, dass wir nach vorne schauen müssen. Sonst kommen wir ja nicht mehr zu neuen Trends.

Was also kommt nach Multispace? Wie findest Du Multiplace als Begriff für das nächste Level? Wir sprechen aktuell über Home-Office für Konzentration, also konzentriertes Arbeiten. Dies ersetzt im Firmengebäude zumindest einzelne Module rund um ruhiges Abarbeiten und Konzentration. Dies also machen viele Mitarbeiter dann doch gerne zuhause. Und dann sind die Headquarter der Firmen, lokale Repräsentanzen oder gar Coworkingspaces, eher für den Kommunikations- und Kollaborationspart zuständig. Also haben wir mehrere Orte, auf die unsere „Module“ verteilt sind. Dann macht es doch Sinn, dass wir von multiplace sprechen, oder?

Im Moment höre ich von vielen Kollegen und Geschäftspartnern, dass man sich sehr an Home-Office gewöhnt hat. Dass man viele Dinge gar nicht mehr missen möchte. Aber es gibt natürlich auch Kritikpunkte:

Mit dem Laptop am Küchentisch oder mit dem iPad auf dem Sofa zu arbeiten, ist in vielerlei Hinsicht keine Dauerlösung. Es stellen sich auch typische Fragen nach sicherem und arbeitsrechtlich abgesegnetem Arbeitsplatz für die Mitarbeiter im Home-Office. Von Ergonomie ganz zu schweigen. Ich habe das Gefühl, dass es sehr viele Versuche aber noch keine wirklichen Antworten gibt.

Festhalten oder loslassen?

Studien sagen, dass Menschen im Home-Office am meisten begeistert sind von der Flexibilität, die sie bekommen haben. Die Dinge so zu tun, wie es ihnen richtig erscheint und sie zeitlich dann zu tun, wenn es Ihnen am besten passt. Zweitwichtigster Punkt für die Menschen ist anscheinend die Erkenntnis, wirklich an jedem Ort arbeiten zu können. Ich glaube nicht, dass es bei diesen verschiedenen Orten darum ging, im Wohnzimmer, im Büro/Esszimmer oder auf der Dachterrasse zu arbeiten. Ich glaube eher, dass viele erst gemerkt haben, dass Ergebnisse nicht ausschließlich davon abhängen, gemeinsam im Headquarter zu arbeiten. Das führte gefühlt zu einer Art neuen Freiheit. Zusatzgewinn: Automatisch wurden viele Mitarbeiter über Nacht selbstorganisierter.

Der Punkt der Flexibilität kann auch damit zusammen hängen, dass vielen Menschen einfach viel Zeit dadurch geschenkt wurde, dass sie nicht mehr zur Arbeit fahren mussten. In nicht wenigen Fällen macht dies ein oder gar 2 Stunden am Tag aus. Diese geschenkte Zeit hat Viele wirklich glücklich gemacht.

Auf der anderen Seite muss man sehen, wie die Art zu arbeiten sich verändert hat. Es ist nicht schön, den ganzen Tag am gleichen Platz zu arbeiten und keinen Kontakt zu den Kollegen zu haben. Und natürlich die familiäre Situation, wenn kleine Kinder im Haus sind, spielt eine wichtige Rolle für Konzentration und wird leicht zum Stressfaktor. Nicht jeder hat die Chance, sein eigenes Multispace, sprich viele verschiedene Arbeitsumgebungen zur Verfügung zu haben bzw. nutzen zu können.

Für viele Menschen war es sicherlich auch faszinierend, endlich mit Videotechnik oder allen möglichen Kollaborationsprogrammen zu arbeiten und zu sehen, wie einfach das eigentlich ist. Anfangs hat es vielleicht dem ein oder anderen auch Stress produziert aber dann hat man den Charme des „weniger Reisen“ entdeckt, der damit einher geht. Das finde ich spannend. Ging es die auch so?

Kann man Bürofläche wirklich reduzieren?

Die größte Diskussion um mich herum höre ich gerade bezüglich der Gebäude. Benötigt man überhaupt noch so viel Bürofläche? Kann man sich die hohen Preise in den Metropolen, wir hier im RheinMain- Gebiet sparen, zumindest zum Teil? Ich habe mit einigen wirklich große Immobilienfirmen und deren Managern gesprochen. Es ist spannend, wie verschieden Firmen sich zu dem Thema „Reduktion von Büroflächen“ äußern.

Klar ist, dass sich etwas ändern wird. Aber auch Veränderung ist nicht neu. „Wandel etablieren“ predige ich seit Jahren. Nicht klar ist, wo es hingeht bzw. ist es für jeden anders. Dies ist natürlich auch nicht neu in einer immer individueller werdenden Welt.

Große Unternehmen, die ihre Präsenz gerade planen oder umstrukturieren, da sich ihre Workflows ändern müssen, Kosten sparen müssen, Talente dringend brauchen und und und, denken über komplett neue Konzepte der Kommunikationsflächen nach.

Ich arbeite gerade an einem spannenden Projekt, wo wir in Innovationsflächen und die Entwicklungsweise von start-ups reinschauen und diese zu neuen Raumkonzepten umbauen. Arbeitsplatz wird zu Nutzungsbereich und Teamlebenszyklus wird zu Raumjourney.

Trend: Zu Gast bei Freunden

Wer meine Trends zu Future Workplace kennt, kennt den Trend: Zu Gast bei Freunden, den ich schon vor Monaten vorher gesagt habe. Viele neuen diesen Trend in den Medien auch „Lagerfeuer“. Finde ich auch ganz lustig. Jedenfalls bedeutet das, dass, wenn Menschen überall verteilt arbeiten, es andere und bessere und mehr Kommunikationsflächen geben muss, um die Geschwindigkeit im Unternehmen zu halten, beziehungsweise die Kommunikation überhaupt sicherzustellen. Die Flächen, auf welchen Mitarbeiter sich treffen, um zusammenarbeiten und zu kommunizieren, müssen damit besonders schön gestaltet werden. Sie müssen attraktiver werden aber dürfen in Zeiten von Corona nicht viel Geld kosten. Oder man muss neue Konzepte zur Einsparung finden. Die mega Flächen müssen förmlich die Menschen in die Bürofläche „locken“. Nur so scheint es möglich zu sein, die Qualität im Wissenstransfer und eine Innovationsfähigkeit von Unternehmen aufrecht zu erhalten.

Aus den USA habe ich gerade von einer interessante Strömung gehört. Man hat die Entwicklung von Coworkingspaces auf Büros übertragen und das fand ich ganz spannend. Coworkingspaces haben sich von Einzelkämpfern, die sich einfach nur ein Tisch gemietet haben, immer mehr in Richtung private Office entwickelt, wo kleine Start-ups oder auch größere Firmen komplett untergekommen sind, weil sie sich die Services einkaufen wollten. Eine ähnliche Entwicklung könnte es in großen Firmen geben. Die offenen Flächen helfen eigentlich nur, wenn kommuniziert wird. Das ist eine interessante Aussage. Im HomeOffice haben wir nun gelernt sehr effektiv alleine zu arbeiten. Das würden viele Firmen gerne fortsetzen. Dennoch ist die Kommunikation äußerst wichtig und sollte durch Spezialflächen forciert werden. Es würde auch viel zu viel Wissen verloren gehen, wenn Menschen sich nicht mehr aktiv austauschen. Vor allem face-to-face spielt eine herausragende Rolle.

Die charmante Melange für die Zukunft

Eine schöne Melange beider Arbeitsräume könnte die Zukunft bedeuten. Das wäre nach meinem Gusto.

Interessanterweise haben Menschen gesagt, dass sie am Home-Office am meisten gestört hat, dass sie sich allein gefühlt haben. Da würde doch ein Coworkingspace perfekt passen. Der Bedarf an Kommunikation wäre für den Einzelnen zu decken und die Konzentration bleibt @home.

Im Coworkingspace hat man von allem den entscheidenden Vorteil, dass man flüchten kann. Im Coworkingumfeld ist Arbeits- und Privatleben nicht ganz so heftig gemischt wie in den eigenen vier Wänden. Man sagt, dass man den mentalen Unterschied zwischen Job und Business machen sollte. Ob sich dann die Aufgaben überlappen, ist nicht einmal das große Problem.

Viele meiner amerikanischen Expertenkollegen prognostizieren eine Kombination aus Home-Office und Coworkingspace als präferierte Lösung für die Zukunft. Nach einer Umfrage wünschen sich so viele Mitarbeiter, ein Coworkingoffice zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Dies in Kombination mit dem Home-Office wird als ideal gesehen. Ich kann diese Meinung sehr gut nachvollziehen. Es wäre sehr schön und spannend, wenn es klappen würde. Damit hätte man für sehr viele Themen einen wundervollen Lösungsansatz, die heute die Firmenlenker der großen, mittleren und kleinen Companies in Deutschland beschäftigen und umtreiben.

Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, kann gerne mal bei meinem Blog https://diary.digital/produkt/freiraum/ vorbeischauen. Mein erstes Buch FreiRaum handelt genauso von meinem Herzensthema: Räume nach innen und außen und erschient in den nächsten Tagen. Ich hoffe, es bringt ganz viel Inspiration zu Räumen. Vielleicht ist das auch spannend für Dich.

About the author

Susanne B. Busshart
Susanne B. Busshart

Geschäftsführerin, SBCdigital GmbH

for Future Workplace, Wandel etablieren, Digitale Transformation, Change

Susanne Busshart ist Expertin für Future Workplace und Digitale Transformation. Sie begleitet Unternehmen zu Change Management und New Work mit dem Ziel, diese in die nächste Evolutionsstufe zu heben. Sie ist Speakerin, Ideengeberin und Autorin. Ihr Herzensthema: "Räume nach innen und außen".
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