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Vanessa Weber

Vanessa Weber

für Unternehmertum, Marketing, Nachfolge,Führung

Du wirst ständig unterschätzt? Sei froh!

llhedgehogll/Getty Images

Im Beruf, in der Familie oder unter vermeintlichen Freunden: In fast allen Lebensbereichen gibt es Menschen, die Dir immer wieder verdeutlichen, wie wenig sie von Dir halten. Warum Du Dich darüber freuen solltest und wie Du solche Offensiven für Dich nutzt.

Es ist noch gar nicht lange her, da war ich für viele nur die „Tochter von“. Das kleine blonde Mädel eben, mit Flausen im Kopf und angeblich wichtigeren Dinge im Sinn als Lernen und Arbeiten. „Von Werkzeug hat die doch keine Ahnung“, durfte ich mir oft anhören, als ich mit 18 Jahren den Werkzeughandel meines Vaters übernahm und plötzlich mit einer Welt konfrontiert wurde, in der ich zwar aufgewachsen bin, aber beruflich absolut keine Erfahrung hatte. Natürlich hätte ich mir denken können, dass mir solche Reaktionen entgegenschlagen, in einer männerdominierten Branche, in der nur wenige Frauen die Spitze erobern. Wollte ich aber nicht. Und das war auch gut so.

Was geschah, als Zulieferer und Kunden von der Übernahme erfuhren, kannst du Dir denken. Die Begeisterung hielt sich bei einigen in Grenzen. Als Konsequenz und eindeutige Antwort verlangten sie in Verhandlungen stets meinem Mann, bei Beschwerden wollten sie lieber den „richtigen“ Chef sprechen und bei unternehmerischen Fragen war mein Vater nach wie vor Ansprechpartner Nummer eins, obwohl ich das Unternehmen längst übernommen hatte. Mit der Zeit hatte ich mich natürlich daran gewöhnt, dass ich von einigen Menschen gezielt ignoriert wurde, weil ich, das „kleine Mädchen“, in den Augen einiger anscheinend weniger kompetent war als die alten Herren, die das Unternehmen groß gemacht haben. Aber wenn ich ehrlich bin – und das ist die Wahrheit – war es mir von Anfang an egal.

Warum reden nicht immer hilft

Versteh mich nicht falsch: Ich kann die damalige Skepsis durchaus nachvollziehen. Dass die Tochter des ehemaligen Chefs plötzlich anfängt den Laden umzukrempeln und sich von heute auf morgen in die Führungsriege katapultiert, provoziert nun mal Stirnrunzeln. Dass die Schublade da gern aufgemacht, die Meinung reingepackt und dann wieder fest verschlossen wird, ist da schon fast verständlich. Menschen haben eben Vorurteile. Und da kann ich als 18-Jährige eben noch so sehr gegen ankämpfen.

Natürlich ging das auch an mir nicht spurlos vorbei. Als junges Mädchen rutscht man da natürlich schnell mal in eine Phase der Rebellion, in eine Zeit des Selbstzweifels und des Trotzes. Man durchlebt Augenblicke, in denen man sich wünschte, einfach mal allen die Meinung geigen zu können. Momente eben, in denen man klipp und klar und zum zwölften Mal erklären möchte, wer hier die Chefin ist und klarstellt, dass eine junge, blonde Frau das nun mal genauso gut kann wie ein ergrauter, alter Herr. Doch weil Druck meist nur Gegendruck auslöst und Worte oft nur wenig ändern, war mir klar: Ich brauche eine andere Strategie.

Trau dich, den bunten Hund zu spielen

Statt verbal dagegen anzukämpfen, entschied ich mich für Taten. An sich war es ja nicht schwierig, die an mich gestellten Erwartungen zu übertreffen, denn allem Anschein nach waren die ja nicht besonders hoch. Umso größer war der Überraschungseffekt, als ich in Verhandlungen selbstbewusst über Strategien im Einkauf referierte, auf großen Konferenzen über Unternehmensführung sprach oder meinem Kunden mit Rat und Tat half, wenn der in der Produktion gerade nicht weiterwusste. Die Reaktionen im Anschluss reichten von „peinlich berührt“ über „ziemlich baff“ bis hin zu „vollkommener Anerkennung“. Und ich erntete folglich doppelte Pluspunkte für etwas, das eigentlich gar nicht erst hätte in Frage gestellt werden dürfen.

Du siehst: Der bunte Hund, der sich traut anders zu sein und auszubrechen aus den gängigen Klischees, bleibt einfach länger im Gedächtnis als die kleine, graue Maus. Und wer unterschätzt wird, hat es am Ende leichter, Erwartungen zu übertreffen als der, dem schon zu Beginn an einiges abverlangt wird.

Warum die Einstellung zu dir selbst die wichtigste Waffe ist

Gerade Frauen tun sich damit aber leider oft noch schwer. Nicht damit, Erwartungen zu übertreffen, sondern viel mehr damit, Können zu beweisen und Erfolge zu feiern. Zu häufig reden sie Leistungen klein, stellen sich hinten an oder lassen dem männlichen Kollegen in Verhandlungen den Vortritt. Und warum? Weil Frauen oft nicht sehen, wie sie wirken und wer sie wirklich sind wie folgendes Video der Marke Dove beweist: https://www.youtube.com/watch?v=XpaOjMXyJGk

Die dargestellten Szenen zeigen deutlich, wie unterschiedlich Selbst- und Fremdwahrnehmung sein können. Die gezeichneten Frauen bezeichnen sich selbst als unauffälliger, durchschnittlicher und sogar unattraktiver als sie wirklich sind. Wer aber mit genau dieser Selbstwahrnehmung durch Beruf und Leben geht, wird oft auch als eben solcher Mensch wahrgenommen – und damit im Zweifel unterschätzt, für weniger kompetent gehalten oder schlichtweg nicht wahrgenommen.

Es liegt letztlich also allein an Dir, diese Meinung über Dich ins Positive zu verkehren und das Unterschätzen anderer als Vorteil zu sehen. Ich für meinen Teil habe mich seit der Übernahme der Firma Jahr für Jahr weitergebildet, Schulungen belegt, Fortbildungen absolviert und gebe mein Wissen inzwischen selbst als Vortragsrednerin an andere weiter. Wer also alles gibt, selbstbewusst auftritt und damit beweist, dass vermeintliche Außenseiter Großes erreichen können, wird nicht nur andere positiv überraschen, sondern im Zweifel auch sich selbst.

Über den Autor

Vanessa Weber
Vanessa Weber

Geschäftsführerin, Werkzeug Weber GmbH & Co KG

für Unternehmertum, Marketing, Nachfolge,Führung

Vanessa Weber ist Geschäftsführerin und Unternehmerin aus Leidenschaft. Heute ist sie neben ihrer Tätigkeit für ihre Firma als Vortragsrednerin tätig und vermittelt ihr Fachwissen sowie ihren Erfahrungsschatz an andere Unternehmer. Sie ist eine Frau aus der Praxis für die Praxis.
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