Prof. Dr. Anabel Ternes von Hattburg

Prof. Dr. Anabel Ternes von Hattburg

for Leadership und HR Management, Digitalisierung und Work 4.0, Strategische Kommunikation, Gesundheit und BGM

Ein bedeutender Geburtstag: Das Grundgesetz wird 70!

Photo by Sebastian Pichler on Unsplash

Es ist die Grundlage für unser Zusammenleben und legt die Regeln für unseren Staat fest: Das Grundgesetz wird im Mai 70 Jahre alt. Zeit für ein Rück-, aber vor allem auch für einen Ausblick.

Am 24. Mai 1949 um 0:00 Uhr trat es in Kraft: das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Ursprünglich als Provisorium gedacht und mit begrenztem Regelungsanspruch aufgesetzt, blickt das zwischenzeitlich als Verfassung fungierende Gesetz auf eine bemerkenswerte Historie zurück.

Vom Provisorium zur Verfassung – taugt das Grundgesetz auch für die Zukunft?

Wollten die Verfassungsgeber einst lediglich eine solide Grundlage für den Wiederaufbau eines vom Krieg zerschundenen Landes schaffen, blieb so genug Raum, das Grundgesetz in der Folge an die sich verändernden Bedingungen anzupassen. Essenziell ist jedoch der eherne Grundsatz, dass der Mensch in seiner Würde unantastbar ist, aber eben auch Eigenverantwortung übernehmen soll. Schon hier wurde die untrennbare Verbindung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in Deutschland geknüpft. Ein wichtiges Korrektiv: das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das ohne demokratische Legitimation die Bundespolitik in rechtliche Schranken weisen kann.

Der einst so schlanke und stringente Text des Grundgesetzes ist jedoch im Laufe der Zeit zu einem zunehmend unverständlich gewordenen und mit technokratischen Anhängseln überfrachteten Werk angewachsen. Und doch gibt es nach wie vor Defizite, wie beispielsweise an plebiszitären Ansätzen, die dem wachsenden Anspruch auf Teilhabe entgegenkommen und die Politik zu ausführlicheren Erklärungen und Begründungen zwingen würden. Aus dem Mitmachmodell Demokratie droht ein Zuschauermodell zu werden, so die Befürchtung einer immer größer werdenden Menschenmenge.

In diesen Fragen bedarf das nun bald 70-jährige Grundgesetz einer Renovierung, einer Entschlackung und Verschlankung, aber auch Neuausrichtung. Die Digitalisierung könnte hierbei eine wichtige Rolle spielen, gibt es doch in der Zwischenzeit intelligente Tools, die auch eine politische Teilhabe unkompliziert und vor allem sicher ermöglichen. Ohnehin sieht sich die Politik in ihrem Handeln der konsequenten Beobachtung durch digitale Medien ausgesetzt, Beschlüsse, die einst der Öffentlichkeit gar nicht bekannt wurden, werden heute direkt in den sozialen Medien kommentiert und auch kritisiert. Diesen Trend als Chance wahrzunehmen und konstruktiv zur Einbindung der Bevölkerung in demokratische Prozesse einzusetzen, könnte dem in die Tage gekommenen Grundgesetz eine neue Dynamik verleihen.

Herzlichen Glückwunsch – ein altes Eisen ist das Grundgesetz zwar nicht, darf aber durchaus etwas aufgemöbelt werden!

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Prof. Dr. Anabel Ternes von Hattburg
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Director Future Strategy Education & Health, SRH

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Führung ist zukunftsfähig, wenn man bei sich beginnt und Mitarbeiter auf Augenhöhe mitnimmt. Ich halte dies für grundlegend wichtig - Deutschland braucht eine neue gesunde und digitale Führungskultur. Deshalb spreche, coache und schreibe ich seit Jahren zu diesem Zukunftsthema.
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