Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg

Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg

for Leadership und HR Management, Digitalisierung und Work 4.0, Strategische Kommunikation, Gesundheit und BGM

Grundpfeiler der Künstlichen Intelligenz (1): Warum wir Transparenz brauchen

Photo by James Haworth on Unsplash
Transparenz ist der erste Grundpfeiler für einen europäischen Erfolg in der KI-Entwicklung.

Europa kann internationaler Vorreiter in der Entwicklung einer verantwortungsvollen KI werden. Dafür sehe ich fünf Grundprinzipien. Das erste: Warum wir für einen Sprung in der europäischen KI-Entwicklung Transparenz benötigen.

Von den fünf Grundprinzipien steht für mich Transparenz ganz weit oben. Dabei unterscheide ich drei Dimensionen von Transparenz bei der Entwicklung und beim Einsatz von KI:

• Transparenz in der Funktionsweise, also ein grundlegendes Verständnis in der Gesellschaft,

• Transparenz bei der Arbeit, also eine Nachvollziehbarkeit der maschinellen Entscheidungen, und

• Transparenz beim Einsatz, also eine generelle Sichtbarkeit von KI.

Erstens: Funktionsweise – Verstehen schafft Vertrauen

In meinem letzten Beitrag habe ich geschrieben: Vertrauen braucht Verständnis. Und das kann eben nur entstehen, wenn Menschen verstehen, wie eine KI grundsätzlich arbeitet.

Dafür benötigen wir eine neue, europaweite Herangehensweise in der Vermittlung von KI-Grundlagen für die breite Bevölkerung. Digitalisierung und KI ist streckenweise vergleichbar mit der Alphabetisierung: Am Ende sollte eigentlich jeder die Grundlagen kennen und das sollte schon in die Schulbildung vermittelt werden.

Finnland etwa macht gerade vor, wie es funktionieren kann. Dort hat man sich zum Ziel gesetzt, mindestens ein Prozent der Bevölkerung, das sind hier also ca. 55.000 Menschen, dazu zu bringen, am Kurs „Elements of AI“ teilzunehmen und dabei grundlegend zu verstehen, wie die Technik funktioniert – ein Ansatz, um Vorbehalte beim Einsatz einer neuen Technologie abzubauen und gleichzeitig Vorreiter zu werden.

Zweitens: Work 4.0 – Nachvollziehbarkeit nimmt den Menschen mit

Eine weitere Dimension der Transparenz in der KI: Arbeitsschritte sichtbar machen, also das, was KI macht und warum. Das ist bisher eines der großen, auch wissenschaftlichen Diskussionen rund um maschinelles Lernen und KI. Anders als etwa bei klassischen Wegfindungs-Algorithmen, die einem festen Regelwerk folgen, kann eine hochentwickelte KI ein Regelwerk selbstständig ändern.

Es ist eine Aufgabe für die Weiterentwicklung der heutigen KI-Anwendungen – und meiner Meinung nach ein Thema, mit dem Europa einen Vorsprung innerhalb der KI aufbauen kann.

Wo KI-Entscheidungen insbesondere bei neuronalen Netzen als nicht ganz nachvollziehbar erscheinen, bleiben Fragen gegenüber den Ergebnissen. Weiterhin ist es wichtig, Biases weitgehend auszuschließen. Nur, wenn Entscheidungspfade transparent nachvollziehbar sind, haben Ergebnisse eine breit tragfähige und wissenschaftlich fundierte Grundlage.

Drittens: Einsatz – Sichtbarkeit schafft Akzeptanz

Zur Transparenz gehört nicht nur, offenzulegen, wie eine Technologie funktioniert, sondern auch zu informieren, dass und wo sie eingesetzt wird. Das gilt für Unternehmen genauso wie für den öffentlichen Raum.

Auf den Einsatz von KI in Unternehmen bezogen heißt das: Die Mitarbeiter sollten vor der Bereitstellung, Implementierung und Entwicklung von KI-Systemen über Prozesse, Anwendungen und Veränderungen informiert werden. Bei Entscheidungen und Regeln zur Umsetzung sollten sie zudem involviert werden. Wenn sie verstehen, dass KI bei der Arbeit unterstützen kann, wachsen Akzeptanz und die Motivation, etwas mitzuentwickeln.

Auch im alltäglichen Umgang sollten Menschen wissen, wann das Gegenüber am Telefon oder im Chat eine KI ist. Andernfalls verwischen kommunikative Grenzen und Orientierungspunkte im Zusammenleben. Es macht einen Unterschied, ob man mit einem Menschen oder einer Maschine kommuniziert.

About the author

Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg
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Geschäftsführende Gesellschafterin, Get Your Wings gGmbH

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Führung ist zukunftsfähig, wenn man bei sich beginnt und Mitarbeiter auf Augenhöhe mitnimmt. Ich halte dies für grundlegend wichtig - Deutschland braucht eine neue gesunde und digitale Führungskultur. Deshalb spreche, coache und schreibe ich seit Jahren zu diesem Zukunftsthema.
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